Brigitte Waldner

Die Jammerer


Sie jammern, dass keine Aufträge eingehen,
sie jammern, arbeitslos dazustehen.
Drei Wochen musste ich für meinen Garten
auf 25 Meter Maschendraht warten.
der im Geschäft sonst lagernd war.
Sie logen mich an, er sei in drei Tagen da.

Zur Montage beauftragte ich eine preiswerte Firma,
die eine verlangte siebentausend Euro für 14 Meter,
all inklusive mit Minibagger und Material,
samt Pfosten setzen, was ich nicht brauche, egal!
Die andere mit Personalleasing einige Hundert,
die keine Fachkräfte sind, aber bewandert.

Es ist nicht schwierig, das hätte ich auch geschafft,
die schwere Rolle zu halten, dafür fehlt mir die Kraft,
auf einer Trockenmauer in einem Meter Höhe,
So entschied ich mich für jene,
mit der ich schon früher gute Erfahrungen hatte.
Ich rief dort an. Es ging drei Tage keiner dran.

Am 7. August wurde mein Auftrag per E-Mail gesandt.
Gelesen wurde es erst eine Woche später.
Nach zwei Wochen, am 19., ging ich persönlich ins Büro
und fragte, wann sie Zeit haben, den Zaun zu machen.
Die Büroangestellte wusste nichts von meinem E-Mail.
Sie sagte, ich hätte es an die falsche Filiale gesandt.

Es gibt aber nur eine E-Mail Adresse für zwei Filialen,
und beide Filialen sind im selben Gebäude.
Sie sagte, ich würde in den nächsten Tagen einen Anruf erhalten.
Am 1. September kam endlich ein Anruf,
dass mein Zaun Ende der nächsten Woche
oder in zwei Wochen gemacht würde.

Ich wurde also von Do bis So daheim festgenagelt.
Gekommen ist niemand. Angerufen hat keiner.
Am Freitag, dem 11. September habe ich wieder angerufen.
Die Sekretärin sagte, es wurde mutmaßlich anders eingeteilt.
Aber sie sagte nicht für wann.
Dann habe ich den Chef mehrmals vergeblich angerufen.

Dann rief ich einen Arbeiter an, der im vorigen Jahr
die Westseite meines Zaunes montierte. Er war
nicht mehr bei der Firma und hat jetzt eine andere Arbeit.
Dann habe ich den Chef der anderen Filiale angerufen,
Er hatte keinen Kulli, meine Telefonnummer aufzuschreiben.
Er wüsste, dass meine Arbeit schon eingeteilt sein muss.

Ich soll in einer halben Stunde anrufen, wurde vorgegaukelt.
Nach genau 25 Minuten war Dienstschluss,
sein Handy abgeschaltet, und ich fühlte mich verschaukelt.
Ja, so sind die Jammerer: Sie wollen eine hochbezahlte
und möglichst fertige Arbeit. Zeit haben sie keine,
mitzuteilen, wann sie Zeit oder Lust haben, zu arbeiten.

Man wird nur hingehalten und erfährt keine Zeiten,
dass man selbst auch keine Termine ausmachen kann
für Auto, Pass, Friseur und schmerzhaften Zahn.
Wenn man nachfragt, wird man erst recht zurückgereiht,
als Frau wird man übergangen, wie nicht gescheit.
Da fehlen die Worte, darüber zu schreiben.

Sie jammern, dass sie mangels Aufträge keinen Umsatz erzielen,
und mangels Job keine Arbeit haben und kein Geld verdienen.
Für 32 Meter Zaun-Montage hat seit 5 Wochen niemand Zeit gefunden,
die Arbeit dauert für Erfahrene ein paar gute Stunden.
Drum braucht man dem Jammern keinen Glauben zu schenken,
es gibt genug Arbeit, das kann man sich denken.

© Brigitte Waldner

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