Simon Levin

Für mein ungeborenes Kind

Komm niemals auf die Welt mein Kind, sie ist ja voller Spinner und wenn ich eines Tages geh so geh ich als Gewinner.

Indem ich dir erspart Jahrzehnte voller Leere, Leid, Schmerz und Qualen kommen dir niemals in die Quere.

Ich schenk dir mehr Respekt als Eltern aller Zeiten, erwarte keinen Dank von dir dein Frieden stillt mein Leiden.

Schnell welk die kleinen Freuden, all das was dann noch blüht, ist Schmerz bis ans Ende der heiß wie Asche glüht.

Nicht wert das Risiko dich all dem auszusetzen, schlafen kaufen arbeiten, dich immer abzuhetzen.

Der Menschen ein beliebter Spruch genieß die kleinen Dinge, erst wenn das Leben geht zu Bruch spüren sie am Hals die Schlinge.

Verzerrt ist die Wahrnehmung von flüchtigen Orgasmen, vergleich das doch ganz rational mit Schlaganfällen, Spasmen.

Die Tränen die vergossen ihr Salz nicht wirklich wert, doch lach das Leben aus, so spürst du dessen Schwert.

Du kommst auf diese Welt ganz ohne Einverständnis, und langsam er zerfällt, dein Körper ein Gefängnis.

Kinder kriegen, mit fremdem Geld spielen im Kasino, das Leben ohne Handlung, kein Happy End wie im Kino.

Kannst du es auch versuchen mit Disziplin vergebens, doch musst du erst gewinnen, die Lotterie des Lebens.

Alles in deiner Hand brauchst nur den Willen stetig,

doch was man dir verschweigt Erfolg ist Umwelt plus Genetik.

Und glaubst du auch an Liebe und ähnlich Illusionen, gesteuert wird all das mein Kind allein von den Hormonen.

Rennen kannst du den Zielen dein Leben hinterher, die letzten Meter vertikal in einer Kiste schwer.

Sobald Samen und Ei sich finden ohne Zweifel, zieht es dich schon hinab, ein unerbittlich Kreisel.

Das Schiff der Jugend hast du Glück führt dich durch still Gewässer, der Sturm im Alter holt er dich der Greis der weiß es besser.

Das Fortbestehen der Menschheit scheint vielen gut und richtig, doch hab ich nie gehört warum das wäre mir sehr wichtig.

Denn eines Tages sicherlich werden auch wir aussterben, die Frage nur wozu verlängert man das täglich Leid auf Erden.

Nun sagen viele sicherlich nicht schön ist all das Leiden, doch suche ich die Diskussion, ganz schnell sie diese meiden.

Auf das Wort Hoffnung schau, reimt sichs im Deutschen nicht, Sprache der Dichter, Denker, die Wahrheit wie ein Stich.

Dies ist den meisten Leuten natürlich einerlei, doch schon Laozi gesagt, im Körper niemand frei.

Viele schimpfen mich gerne egoistisch, selbstgerecht, doch meine Argumente, im Gegensatz sind echt.

Meine Philosophie geht schließlich nicht um mich, sondern um das Menschsein und eine klare Sicht.

Doch schon was Goethe über den Welten Geist gesagt, an dem der selbst keinen hat, an dem umsonst gewagt. 

Leichter zu leben klar mit mystisch Illusionen, doch genau davor will ich mein Kind verschonen.

Die Büchse der Pandora die lasse ich verschlossen, es gab schon genug Opfer, ihr Blut umsonst vergossen.

Russisch-Roulette spielen mit fremdem Leben, zu dumm Moral und Ethik sind den wenigsten gegeben.

Die Lügen die man dir erzählt wirst du zum Glück nie hören, Zuckerbrot und Peitsche werden dich nie stören.

Hast nicht gekämpft um Arbeit, zahlst keine Alimente, musst niemals du dich kümmern um Alter, Krankheit, Rente.

Der Ausstieg aus dem Kreis, dem Leid, der Welten Glut, dies galt schon im Buddhismus als allerhöchstes Gut.

Du glaubst frei zu entscheiden sei menschlich Privileg, die Wissenschaft bereits geliefert den negierenden Beleg.

Abtreibung wird verdammt, doch bist du erst geboren, scheint das Interesse an dir wieder verloren.

Erzählt würde auch dir, du kannst ja alles werden, doch bist du erst erwachsen, lass deine Träume sterben.

Die Menschen zieht der Trieb wie Motten gleich zum Feuer, doch ist das Unrecht zugefügt den Ungeborenen teuer.

Im Reich der Blinden stehen, Sehende da wie Narren, doch sehen sie ja die Leichen nicht, die stapeln sich auf Karren.

Das Argument für Kinder, ja nicht allein zu sterben, ein Zeugnis für Verzerrung wohl und geistiges Verderben.

Ein Jeder stirbt zuletzt ja doch für sich allein, doch spare ich dir gerne mein Kind die schlimme Pein.

Eltern wollen für dich ewig wie Sonnen scheinen, am Ende jedoch sicherlich wird mehr als einer weinen.

Und sehen Eltern ein zu spät den blutigen Kredit, die Zinsen zahlt das Kind dann aus, die Botschaft Dynamit.

Auf meinem Sterbebett noch einmal an dich denken, trotz aller Niederlagen froh die Fahne Freiheit schwenken.

Die Fahne gilt nicht mir, der Narr stirbt doch in Ketten, die Freiheit die ist dein mein Kind die ich geschafft zu retten.

Der Sieger dieses Wettbewerbs sein Blut schon bald geronnen, der wahre Sieger du mein Kind, wer nicht spielt hat gewonnen.

Und treffen meine Worte auch hier auf taube Ohren, so nehm ich das recht stoisch hin schon bei Geburt verloren.

Gelernt hab ich nicht viel genug doch aus Geschichte, so schenke ich dir noch diese bescheidenen Gedichte.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.09.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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