Andreas Vierk

Liebe Irene

 

 

 

Heute jährt sich Dein Todestag zum zweiten Mal. Ich bin traurig, denn mit Dir war die Welt besser, als sie ohne Dich ist.


Ich hatte Dich erst 2015 persönlich kennen gelernt, über e-Stories komischerweise. Aber es war schicksalhaft, denn hätte es diese merkwürdige Scheinwelt nicht gegeben, dann hätte ich Dich sicherlich in einem Café getroffen – oder wohl doch eher in einem Museum.

 

Mit Dir hat mir e-Stories mehr Freude gemacht, als jetzt ohne Dich. Wir schrieben Parallelgedichte, Gemeinschaftsgedichte, Antwortgedichte. Du schriebst viele Geschichten. Telefonisch oder unter vier Augen formulierten wir unsere gegenseitigen Kommentare. Wir lachten herzlich über so manche Stilblüte. Bei aller Ernsthaftigkeit der Literatur, war e-Stories damals ein heiteres Spiel.

 

In vier Zimmern breitete sich Deine Fossilensammlung aus, und darüber hingen Deine leuchtenden Aquarelle. Du brachtest mir die Erdgeschichte nahe. Wir schwammen in eiszeitlichen Seen (aber welcher See ist nicht eiszeitlich?) Du konntest sogar im Sitzen schwimmen, wie im Toten Meer!

 

So lange Du noch funkeln könntest, würdest Du funkeln, sagtest Du den Ärzten im Sterbehospiz. Ich sah Dich dort noch zwei Wochen vor Deinem Tod. Die Ärzte hatten an der Tür gelauscht, wie wir uns miteinander über Geschichte stritten, wie die Könige und Politiker aller Zeiten um einander flogen wie Kometen. Dazwischen klassifizierten wir Halbedelsteine. Einen sehr merkwürdigen Stein entlarvtest Du als versteinertes Holz, und wir rekonstruierten miteinander die Geschichte des Blattes eines Baumfarnes Millionen Jahre vor den Dinosauriern.

 

„Du bist auf Blumenwellen fortgetrieben,

da musste ich an einen Buddha denken.“,

 

schrieb ich Dir als einen verspäteten Nachruf. Ich vermisse Dich, denn mit Dir war die Welt besser, als sie ohne Dich ist.

 

Dein Andreas

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.09.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Septemberstrand: Gedichte Taschenbuch von Andreas Vierk



Andreas Vierk schreibt seit seinem zehnten Lebensjahr Prosa und Lyrik. Er verfasste die meisten der Gedichte des „Septemberstrands“ in den Jahren 2013 und 2014.

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