Ingrid Bezold

Land im Nebel ( Ballade )

Land im Nebel

Kreischend irrt ein Unheils - Schrei
durch die lange, finstre Nacht....
Stirbt hin,
verstummt,
ist schon vorbei.

Was bleibt ist öder, nasser Schein,
in dem wer lacht.
Ja, lauthals lacht.

Ein Mann in grauer Gummijoppe,
stapft scheu in Nebelsuppe hin.
Am Teich, die Jungen, drohn mit Kloppe -
aus Spaß und ohne jeden Sinn.


Der Mann eilt weiter - hin, zum Ziel:
Die Kirche, mit dem Funzellicht.
Bis dahin Schwärze - viel zu viel
und wenig bis gar keine Sicht

Schwere Nebel wehn und ziehn
träge vom Nordmeer her.
Die Letzten - auch die Jungen - fliehn,
als gäbe es kein Morgen mehr.

Die Türe quietscht.Der Mann tritt ein.
Die Schritte knarrn auf Bohlen.
Im Kirchenschiff aus Glas und Stein
wird ihn die Stille holen.

Ein Schatten huscht im trüben Licht
durch dunkle, schmale Gänge;
doch die Gestalt, die sieht er nicht -
hört nur bedrohend laute Klänge.

Der Orgel Schall dringt ihm ins Ohr.
Er hebt den Blick zu der Empore.
Nur er hier. Niemand sitzt davor.
Kein Mensch betrat nach ihm die Tore.

Er zieht sich die Kapuze über.
Die Bank bewegt sich unter ihm.
Er hält sich fest, beugt sich vornüber.
Es ist zu spät, jetzt noch zu fliehn.

Die Orgelpfeifen schwirren nun
lautklirrend ihm um Kopf und Kragen.
Er kam hierher, um auszuruhn
und um sich selbst zu hinterfragen.

Er suchte Stille...nicht Dämonen.
Das war der Grund, hier zu verweilen...
im Haus, in dem auch Engel wohnen
würd´ihn das Unglück nicht ereilen.

Angstschweiß rinnt ihm in den Kragen
und seine Hände zittern kalt.
Genauso, wie in jenen Tagen
sieht er vor sich nun die Gestalt:

Die Bernsteinaugen dieser Frau
hielten ihn fest in all den Jahren.
Er sieht sie noch im Morgentau -
sie brachten ihn stets in Gefahren.

Er wollte Sie nie wiedersehen.
Die Wunden waren viel zu tief.
Jetzt fühlt er sie dicht vor sich stehen.
War sie´s, die Geister in ihm rief?

Der Mann erschaudert vor dem Spuk -
will weg hier und weiß nicht mehr, wie.
Ist alles Wahrheit oder Trug?
Und lebt er nur in Phantasie?

Da - plötzlich spürt er ihre Hand.
Von ihrem Mund den kühlen Hauch.
Ist Wirklichkeit ersehntes Land
und die Gestalt, dort, auch?

Das Tor fliegt auf.
Der Mann eilt fort -
dem Winken, Locken hinterher.
Niemand sah ihn je wieder dort.
Und noch mehr Nebel kam vom Meer.

Kein Mucks - schon Tage - wochenlang,
als Nachtschwarz Land und Mensch verschlang.


( c ) Ralph Bruse & Ingrid Bezold





 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.09.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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