Patrick Rabe

Maria der Lebendigen (Da haben die Dornen Rosen getragen)

 

Es gibt kein zurück, bist du einmal gestorben,

kein neuer Glanz mehr, und nie wieder ein Morgen.

Nur warum viele weinen um den, der noch lebt,

und der immer noch so wie die Weinrebe strebt,

einem Lichte entgegen, das die meisten nicht seh’n,

das kann und das werde ich niemals versteh’n.

 

Ihr wählt einen Totentanz und seid am Leben,

ihr müsstet euch nicht dem Gevatter ergeben;

wer sagte euch, Gott mag das Dunkel nicht leiden?

Er hat es geschaffen, als das eine von beiden.

Wer es mir beweisen könnt‘, immer sei Tag,

dem gäbe ich ohne Schwert den Ritterschlag.

 

Doch auch in die Nacht ruf ich: Wo ist die Grenze?

Wo sind denn der Katze neun peitschende Schwänze?

Und wo sieben Leben? Wer das eine nicht achtet,

ist Tags und auch Nachts wie ein Schatten umnachtet.

Ich werf‘ es nicht weg, nur den Müll in die Tonne,

darum sehe ich Nachts wie Tags etwas wie Sonne.

 

Mal wach ich, mal schlaf ich, mal drinnen, mal draußen,

seh‘ Häuser von innen, seh‘ Häuser von außen,

seh‘ Menschen, die leben, seh‘ Menschen, die tot,

und an jedem Morgen das morgendlich‘ Rot.

Und in Oberflächen, da find ich sie nie,

es stimmt nur in der Tiefe, dort ist’s mehr als Chemie.

 

 

 

© by Patrick Rabe

 

 geschrieben am 29. September 2020, Hamburg.

 

 

 

Der in Klammern gesetzte „Untertitel“ dieses Gedichtes bezieht sich auf den Choral „Maria durch ein‘ Dornwald ging“. Man möge mein Gedicht als Ode an Maria bzw. die Madonna begreifen, obwohl ihre Verehrung bei evangelischen Christen ja eher verpönt ist.

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