Patrick Rabe

Nachtma(h)ria (Sie und Sie)

 

Sie ist hungrig, und sie fragt sich, warum ich nicht zu ihr kam,

was ihr dumpfes Herz kennt, wagt sich aus der Tür, wie’n Opferlamm,

und es rennt die ganzen Wege, weil es sein Zuhause spürt,

sieht die Tiger im Gehege, wo der Pfad vorüberführt.

 

Doch ich selber bleibe zögernd, merke ich auch, wie ich brenn‘,

weil ich von dem dumpfen Herzen auch die Unterseite kenn‘,

die Skorpione und die Hunde, die in seinem Innern ruh’n,

und beim Kuss von diesem Munde schnell ihr übriges dann tun.

 

Ja, ich komm aus einem Stadtteil, der sich immer selbst aufbaut,

und dann wieder fällt in Trümmer, das ist alles mir vertraut.

Und die Spitze seh‘ ich ragen eines Turms, der Flaggen hisst,

aus dem Meer der kleinen Plagen. Kletter rauf: Wirst‘ aufgespießt!

 

In den Schlünden  zwischen ihnen, zwischen ihr und zwischen Ihr,

liegen Land-und Silberminen, schlafend manches wilde Tier.

Und den Weg kann ich wohl kommen, notfalls geh ich ihn auch blind,

doch werd‘ fallend ich genommen, bin im Abgrund ich ein Kind.

 

Und ich bleibe, wo das Meer ruft salzig mich mit frischem Wind,

denn ich weiß, dort muss sie fliehen, dort tanz ich so wie ein Kind.

Halt die Hände meiner Liebsten, schau mit ihr die Sonne an,

und dann küss ich ihre Lippen, das, was ich verwandeln kann.

 

Sie ist hungrig, und sie fragt sich, warum ich nicht zu ihr kam,

doch ich wohn schon lange in ihr, ich krön‘ sie mit Hahnenkamm,

krön‘ sie mit der wehen Sehnsucht, die sie hin zu mir stets zieht,

und ihr Herz, es schlägt im Süden, und im Norden wird’s mein Lied.

 

 

 

© by Patrick Rabe 

geschrieben am 1. Oktober 2020, Hamburg.


Teil 2 meiner angepeilten "Maria-Trilogie".

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.10.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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