Patrick Rabe

Gott. Augen. Blicke. Zwei Begegnungen


Es war 1945 und sie standen hinter mir,

mit geladenen Gewehren in der Zellentür.

„Wollen sie noch etwas sagen?“, fragte Heinrich S.

„Ich hab Hunger!“, sagte ich, S. knurrte nur: „Dann, Jude, fress!“

 

Und sie schossen in den Rücken, ohne mich zu seh’n,

 mein Gesicht, das ihre kannte; und ich musste geh’n,

ich fiel wie ein Sack Getreide vor die beiden hin,

für mich war es dann zu Ende, für sie war es ein Beginn.

 

Und die Sonne, die dann scheint, kann eine andre sein,

der Kamerad, der bei dir war, er lässt dich dann allein,

es gibt nun Haferschleim statt Braten von Gans, Rind und Schwein,

doch Wasser fließt in Elbe, Wolga, Mosel, Donau,  Rhein.

 

Es ist nun 2020, Kälte plagt das Land,

doch es ist nicht mehr die Kälte, die man einstmals gekannt.

Die Augen, die dich jetzt ansehen, sind die von Saskia H.

Der Mund hinter der Maske schweigt, doch es ist offenbar.

 

Und sie schossen in den Rücken, als ich weiterging,

mit `nem Blick voll Sehnsucht, der an Meinem Feuer fing.

Und sie fielen auf den Boden, wo sie ganz verschämt

auf ein Centstück starren, Liebe scheint gelähmt.

 

Und die Sonne scheint in Herzen, deren Mitleid siegt,

deren tiefer Lebensschmerz doch niemanden bekriegt,

es gibt Gans und Rind und Schwein und auch vegane Kost,

doch nur am Fluss der Liebe trinkt man Jesu Most.

 

 

„Gott schläft im Stein, atmet in der Pflanze, träumt im Tier, wacht auf im Menschen.“, sagt ein uraltes Weisheitswort. Aber was macht er dann im Menschen? Und was macht der Mensch mit diesem Göttlichen in sich? Ab wann ist „Gott tot“, oder ein Mensch „gottlos“? Und kann Gott zurückkommen?

 

 

Patrick Rabe, 4. Oktober 2020, Hamburg.

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