Hanns Seydel

DIE NEUNTE VON BRUCKNER


In Österreich, in Österreich
Musik hat ihren festen Platz.
Nur wenig kommet diesem gleich,
es ist ein unermesslich` Schatz.
Mozart, Bruckner, Mahler
des Volkes größte Söhne sind.
Unabhängig ist vom Alter
Musikgenuss, der gut beginnt.

Der Sinfonien großer Meister,
von Werk zu Werk, er wurde besser.
Ist sein` Acht` bereits markant,
so ist sein` Neunt` ein echt` Gigant.
Geheimnisvoll, so hebt das Werke an,
es schlägt und schlägt Ein` in den Bann :

Urnebel wirket dort,
alles Laute ist weit fort.
Jed` Oboe, Klarinette,
oktaviert durch all` Fagotte,
in Registers tiefster Tiefe,
sie sind wie in ein` Grotte.
Die hohen Streicher spielen tief,
im Tremolo, sie sind bewegt.
Acht Hörner zeigen reif
wie aus der Tief` die Höhe steigt.
Im Unisono des riesigen Orchesters
das Hauptthema in Oktavschritten
wuchtet nach der Art des Meisters,
bei dem Drama ist gar nichts mehr zu retten.
Denn reine Tragik dies` Musik ausdrückt,
zermalmend wirkt sie aufs Gemüt.

Seitenthema bietet schwachen Trost,
denn es wird nicht wirken oft.
Dritte Themengruppe wieder tragisch,
hier wirkt das Ernste bitter magisch.

Die Durchführung kommet jetzt,
alles Helle ist hier nur begrenzt.
Die Oboen spielen einsam As
gegen der Posaun` und Tuba tiefes Ges.
Trostlos trübe Traurigkeit
flächenmäßig macht sich breit.
Schicksalsschwere Stimmung
vertieft die ganze Trübung.

Die Reprise ist erreicht,
doch das Dunkle nicht entweicht.
Des Hauptthemas Riesenkraft
im ganz` Orchester tönt mit Macht.
Seitenthema, drittes Thema
genial ertön` nach Meisters Schema.

Traurig hebt die Coda an,
Tragik ist am Wirken dann.
Die Steigerung ist schaurig schön,
das Drama, es wird ausgedehn`.
Triolen erheben sich zum Gipfel,
als erreichten sie des Himmels Zipfel.
Jetzt geht ein tönern` Donnern los,
das riesenmächtig wirket groß.

All` Posaunen, alle Hörner
im Fortissimo werd` stark und stärker.
Die Geigen spielen hohes D und A,
machtvoll ist Dramatik da.
Die Trompeten heulen Quint` und Quart` hinauf,
ihr` Wucht, sie dröhnet ohn` Verschnauf`.
Es gegen D und B gegen A
dröhnt der Trompeten schallend` Schar.
Der Dissonanzen hämmernd` Heulen,
nichts Helles kann sie beugen.
Dies ist ein Weltuntergang,
der in Tönen machet bang.
Der Bläser Blech ziehet an stärkstem Strang,
es wirket hier der mächtigst` Drang.

Das Scherzo, es kann nichts retten,
der Streicher geisterhaftes Pizzicato
begleitet Oboe und die Klarinetten,
Blechbläser kommen hinzu mit Staccato.
Des Seitenthemas bittre Wehmut
nahe ist an herber Schwermut.

E-Dur ist die weihevolle Tonart
von des Meisters letzt` vollendet` Satz.
Mit größter Innerlichkeit hat er nicht gespart,
eine solch` Musik, sie ist ein Schatz.
Dies` Adagio ist ein Grabgesang
wie ihn die Musike sonst nicht kennt.
Musik von allerhöchstem Rang
das Ewige vom Irdschen trennt.
Jedes weitre Wort wär` hier zuviel,
Ewigkeit hat Bruckners Stil !



( E N D E )

Hanns SEYDEL, 01.10.2020 - 09.10.2020

( Werk 170 )

 

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