Hans Fritz

Wer wird kommen?


Die populäre Kleinbühne feiert ihr «25-Jähriges» und führt zu diesem Anlass einen Jubiläums-Einakter auf.

[Ankündigung im Feuilleton einer Tageszeitung]
Der Autor aktuellen Stücks
ist der Jimmy Rappelbüx.
Und es ist der grosse Hit,
dass er selbst tut spielen mit.

[Im Theater. Ausrufer auf einer Art von Vorbühne]
«Kommt ihre Leute, kommt,
Zögern heute keinem frommt.
Wir bieten an ‘ne spannende Geschichte,
die spielt in zeitgemässem Lichte.
Es geht um Liebe, Hass und Eifersucht,
mit Worten voller Glanz und Wucht.
Doch was ist der Kern von diesem Stück,
ein Unheil, unverdientes Glück?
Geht’s um Sühne oder Schuld?
Ihr sollt’s erfahren, habt Geduld.
Unentwegt wird hingewiesen
mit Worten, die so flott gar fliessen,
auf einen, der erscheinen muss,
doch wer, doch was? Ein Musikus?
[Ein Zuschauer in der ersten Reihe ruft «Godot»]
Wir warten nicht auf Herrn Godot*,
der wird erwartet anderswo.
Doch damit soll der Prolog genügen,
ich wünsche allen viel Vergnügen».

[Die Aufführung geht ohne nennenswerten Zwischenfall über die Bühne.
Wir blenden die letzte Szene ein und schenken zunächst einem Clown Gehör]

«Tri und tra und tralala,
bald ist der heiss Ersehnte da!»
«Wer ists denn jetzt, der kommen soll?»
fragt Tante Bo erwartungsvoll.
Da spricht der Jimmy Rappelbüx:
«Der Schluss des Jubiläumstücks».

[Die Darsteller sprechen nun im Chor]
Oh oh oh,
jetzt sind wir alle froh,
denn das Spiel ist aus.
Wir bitten höflichst um Applaus!

[Einige Zuschauer schütteln sich in Gänze vor Lachen, andere schütteln nur den Kopf,
wieder andere schütteln nichts. Doch fast alle klatschen. Aus der letzten Reihe ertönen
ein paar Bravorufe. Der Vorhang fällt]

*In Anspielung auf das Theaterstück ‘Warten auf Godot’ von Samuel Beckett
 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.10.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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