Liselotte Brand-Cerny

Stosszeit im Bahnhof 13.10.2020

Am Abend:

Mit wenigen will ich in die Stadt hinein,
und Abertausende wollen raus.
Wie Horden laufen sie im Bahnhof ein,
ich möcht' mich verkriechen wie eine Maus.

Da nirgendwo ein Loch zu sehen,
muss ich da durch, durch diese Horden,
und bis ich wieder normal kann gehen,
ist mir doch wirklich schlecht geworden.

Dabei sind die mit normalem Tritt,
noch einigermassen akzeptabel, nur
da sind dann die mit dem Sauseschritt,
die da rennen mit Blick auf die Uhr.

Sie laufen den andern über die Füsse -
zum Glück hat kaum jemand Sandalen an -
und hinterlassen dabei ihre Grüsse,
in Form blauer Flecken, sieh dich mal an!

Ich sollte nun abbiegen da weiter vorn,
das heisst, ich muss einspuren beizeiten,
sonst sehe ich die Ecke nur voller Zorn,
von weitem an mir vorüber gleiten.

Das Spiessrutenlaufen ist nun endlich vorbei,
ich kann wieder atmen und fühle mich frei.


Am Morgen:

Ich und wenige geh'n zu den Zügen,
um aus der Stadt heraus zu kommen,
Abertausende kommen rein und pflügen
durch den Bahnhof. Ich bin wie benommen.

Sonst ist es gleich wie schon beschrieben,
nur ist die Richtung umgekehrt.
Der einzige Trost der mir ist geblieben,
ich bin immer noch unversehrt.

Von Montag bis Freitag, Tag um Tage –
Man kann's überleben, keine Frage.

 

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Liselotte Brand-Cerny).
Der Beitrag wurde von Liselotte Brand-Cerny auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.10.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Gedichte der Liebe. Abgöttisch geliebt. von Barbara Priolo



Von Liebe und Verletzlichkeit sprechen die Gedichte Barbara Priolos in immer neuen,überraschenden Variationen. Sie benennen die Süße erwachender Zuneigung, die Inbrunst fraulichen Verlangens nach Zärtlichkeit, und sie wissen zugleich von herber Enttäuschung, von Trennung und Leid des Abgewiesenwerdens. Deswegen aufhören zu lieben wäre wie aufhören zu leben. ** Das Schönste ist,was man liebt **, bekennt die griechische Lyrikerin Sappho auf Lesbos. Diese Einsicht-aus beselingender und schmerzlicher Erfahrung wachsend-ist Ausgangspunkt der sapphischen Dichtungen.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Alltag" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Liselotte Brand-Cerny

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Zu viel Horoskop 09.10.2020 von Liselotte Brand-Cerny (Humor - Zum Schmunzeln)
Arbeitseifer von Helmut Wendelken (Alltag)
Klare Ablehnung zum Kopftuch im Kindergarten von Margit Farwig (Klartext)