Horst Werner Bracker

Das Moor - im bann der "braunen johanna" -

 

 
 
 
Das Moor - im bann der »braunen johanna!«
 
 
 
Ballade
 
Verborgen, - in dem Moor schweigen.
Steht ein Häuschen, das eine Hütte ist.
Kein Weg, - kann Unbefugten, zeigen -
Wo, - dies geheimnisvolle Refugium, ist.
 
Das tiefe Moor verbirgt, denn tückischer Pfad
An seinen Rändern lauert das Verderben;
Wehe den, der leichtfertig zur Seite trat!
Er wird im tiefen, braunen Moor, sterben.
 
Langsam, achtsam, mit großem Bedacht -
Gehe ich den schmalen Pfad, bleibe oft stehen,
Die Zeit hat den Pfad unkenntlich gemacht.
Die Biesterei der »Braunen Johanna«, ist zusehen!
 
Sie ist mit Boshaftigkeit, Arglist verbandelt.
Die Dämonie beugt ihr satanisches Haupt.
Sie treibt sich herum, im Moor und handelt -
Welch verabscheue, - als des Teufels Braut!
 
Unsicher tastend, mit überlegten Schritten
Erreichte ich wohlbehalten mein Ziel –
Ein kurzer Sprung, ich, stand auf mitten,
Festem Grund, in mir, ein erlösendes Gefühl
 
Ein Kahn, der angekettet am Bootssteg liegt,
Brachten die Imker, sicher zu ihren Bienen
Seit achtzig Jahren, es den Bienenstand gibt!
Vor der Haustür stehen noch Opas Pantinen!
 
Mit grünem Moos hat die Zeit sie, aufgehübscht!
Ach Opa, ich sehe, dich noch wie damals:
Dein fröhlich‹ Gesicht, oft leicht beschwipst
Vergesse die Zeit mit dir, - wohl niemals! –
 
 Lange Zeit, - bin ich nicht mehr hier gewesen,
Alles steht noch an seinen Platz, die Zeit -
Ihr zerstörerisches Tun trieb ihr Unwesen.
Verwandelt Menschenwerk in Ursprünglichkeit!
 
Der rostige Schlüssel zur Tür hängt am Nagel.
Hohe Brennesselen haben die Hütte umstellt –
Die Fensterscheiben zerstörte wohl der Hagel.
Den gläsernen Gärballon hat der Frost zerschellt.
 
Den mit bernsteinfarbenem Mett gefüllten Behälter -
Gefüllt, mit süßem Honigwein, den Göttertrunk
Ein köstliches Gebräu, das Opa liebte, je älter -
Selbst gekälteter Honigwein, ist gesund, hält jung!
 
Ein Steinmarder hört meine Schritte, flieht
Mit wilden Sprüngen im dichten Birkenwald
Ein Fuchs, der den Marder springen sieht,
Flüchtet, durch die geöffnete Tür, alsbald
 
Mäuse, Vögel, bewohnten die alte Hütte,
Kleingetier ohne Zahl, - einfach überall!
Im zerfallenen Brotkorb, auf des Tisches Mitte
Liegt ein mumifiziertes Tier, ein Trauerfall!
 
Nahm Platz, auf die Bank, die, Opa gebaut.
Saß still und schaute in Gedanken versunken,
Sah‹ Gestalten, hörte Stimmen, die mir vertraut,
Opa? Vater? Hörte das Rufen der Gelbbauch Unken.
 
Beklommenheit schlich sich in mein Herz.
Opas gruselige Moorgeschichten wurden wach.
Wer ist die: »Braune Johanna? », Opa erklärt -
Welch garstig Wesen, viel Böses hat sie gemacht!
 
Die Zeit verrinnt im Staunen, es gibt so viel zu sehen.
Kindheitserinnerungen schlagen mich in ihrem Bann.
Ich höre, sehe Gestalten, sah‹ Opa am Fenster stehen!
Bemerke nicht, den beginnenden Sonnenuntergang.
 
Stille liegt übers Moor, irgendwo bellt ein Fuchs.
Eine Rohrdommel ruft, in die Dämmerstunde
Mir ist's, als hörte ich trommeln, das Moor, gluckst
Fledermäuse fliegen lautlos taumelnd ihre Runde.
 
Schnell senkt sich die Dunkelheit übers Moor.
»Zu spät!« Finsternis lässt mich den Pfad nicht finden.
Die »Braune Johanna« hat Böses mit mir vor –
Mir Böses zu tun? Haha! Wird ihr nicht gelingen!
 
Werde im Moor schlafen, dort die Nacht verbringen!
Aus Alten, Jacken, Mänteln baue ich mir ein Bett –
Kenne keine Angst, - höre mich leise singen?
Der Himmel leuchtet an seinen Rändern, blauviolett!
 
Lege mich nieder, der Mond schaut mich an und lacht -
Welch‹ eine Pracht, das, himmlische Sternenmeer!
Der Mond, Milliarden von Sternen, halten die Wacht.
Stille liegt übers Moor, erste Nebelschwaden ziehen umher.
 
 Lange Zeit lag ich wach, meine Augen vielen zu -
Wanderte durch dehnbare Welten und stellaren Räumen.
Sah‹ schöne Bilder, unfassbare Geschehnisse immerzu.
Durchwanderte dunkle, kalte, - Endzeiträume –
 
Leise wispert, verhaltenes Lachen, viele Augenpaare
Durchbohrten mich mit Blicken, es weckte mich, die Natur.
Gefahr in Verzug sah‹ gespenstische Gestalten, an Totenbahre.
Sangen sie aus Grün phosphoreszierende Totenpartitur –
 
Dunkle Lieder, von Tod und Sterben,- dem Leben so fern
Trommelten mit knöchernen Fingern und Armen –
Aus ihren Leibern quoll eiternd, madig das Gedärm!
»Oh, - mein Gott, mein Gott«! wo ist dein Erbarmen?
 
 Die »Braune Johanna« stand an mein nächtliches Lager
Frivolität blickt aus ihren Augen, zeigt ihre braunen Zähne
Wenn sie lachte. Ihr grobschlächtiges Gesicht ist hager
Aus derbem Filz, ihr braunes Kleid, verfilzt, ihre Haarmähne
 
Wenn Hässlichkeit den Preis gewöhne, sie wäre die Siegerin!
Alles an ihr war derb, als seihst gemacht, für die Ewigkeit
Sie ist des Bösen, des oft beschriebenen Teufels Sudlerin
Statt Menschlichkeit, Moral, Empathie, nur: Eckigkeit!
 
Heiß schien die Sonne, auf mein, Kleider Bett
Mein Trauminferno ließ mich lange Zeit nicht los –
Mein Rücken war steif, wie ein trockenes Eichen Brett
Im Hals steckte, würgend mir, ein bittersüßer Kloß!
 
Ich wusch mich, trank vom braunen Moor Wasser, -
Als ob es Kaffee wäre, hängte den Schlüssel am Nagel.
Ging davon, mit einem Lächeln, - mein Gesicht, müd, blasser,
Im Herzen, ganz tief, - spürte ich Kummer und Tadel!
 
ALLES, ALLES MUSS VERGEHEN!
 
(10.09.2018) E. Storie
 
Was ich noch sagen wollte:
 
Ein älterer Kollege, seinen Namen möchte ich nicht nennen, kommentierte, eine meiner
35. Versen lange Ballade, mit dem Satz, das Gedicht ist zu lang. Das kann ich nicht lesen! Ich bitte um Verständnis, Horst Werner! Gewährt mein Freund!
Das Alter hält immer wieder Überraschungen bereit. Manches Unstrukturiertes, lässt sich finden. Doch das Alter verzeiht.
Anders verhält es sich mit dem Zustandekommen von Kommentaren!
Die Statistikliste verrät, wie man zu Kommentaren kommt.
Schreibst du mir, schreib ich dir!
Eitelkeiten geben sich die Hand. Kommentare werden in Reime geschrieben!
Egomanie schmerzt das Aug‘!
Übrigens: Bei Balladen handelt es sich um lange Gedichte, die häufig aus Strophen, Reimen und einem festen Metrum bestehen. In ihnen wird mitunter eine Besondere.
Stimmung und Atmosphäre durch verschiedenste formale und sprachliche Mittel
hervorgerufen, was kennzeichnend für Gedichte ist.
H.W
 
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