Patrick Rabe

Day off in Dulsberg

 

Oh, ist das schön, diese tolldreisten Gesänge

führen mich raus, aus meiner Lebensenge,

in neue Sphären, andre Räume,

und ich laufe gegen Bäume,

alles ist wie Polaroid,

wie erneut.

 

Und in Dulsberg scheint ein grau verhang’ner Himmel,

und ich gehe kurz mal unter im Gewimmel,

lass mich fall’n in die stahlende Tristesse,

und vertraute Fremdheit ist, was ich hier esse.

 

Ist schon klar, das hier ist eine Art Fotolabor,

Schrottgrenze haben es gesungen,

doch es kommt kein Knipser hinterm Baum hervor,

alles vergeht, was man sich mal errungen.

 

Und hinter einem Fenster irgendwo

sitzt du, vielleicht auf einem Klo,

vielleicht auf einem Sofa, andern Betten,

und wer, mein Schalk, wer wird uns vor uns retten?

 

Ist schon klar, das hier ist eine Art Fotolabor,

Schrottgrenze haben es gesungen,

doch es kommt kein Knipser hinterm Baum hervor,

alles vergeht, was man sich mal errungen.

 

Wir ficken es und das System fickt uns,

und Ottos kleine Hardcoreband ist Kunst,

doch ist nicht künstlich, sondern guter Punk,

ich fahr nach Hause, glaube, ich werd krank.

 

Ich glaube wirklich, wir sind Fotos, wir sind aus dem Labor,

wir glänzen noch ganz feucht vor einer Sonne,

die uns betrachtet, unser Singen dringt ihr an das Ohr,

das ihr vor Klingeltönen taub wurd‘, bringt ihr Wonne.

 

Und ich troll mich, zurück zur U-Bahn im Gewühl,

der Alte Teichweg fluoresziert nicht, aber blinkt,

und Google Streetview zwinkert runter, doch bleibt dabei kühl,

weil es nach Hundescheiße und nach Leben stinkt.

 

 

Für Tanja Grahl und Schrottgrenze

 

 

Patrick Rabe, 19. Oktober 2020, Hamburg.

© by Patrick Rabe

 

 

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