Inge Offermann

Federbachlichter

Malvenschimmer an Straßenrainen,

letzter Lavendel am Kreisel,

gelbgefleckte Linden und

Ockerkastanien säumen

die Ortseinfahrt, und

dichte Hecken schließen

die Oktobergärten

mit teeroten Dahlien

und violetten Astern ab.

Rubinrosen nicken an Spalieren,

wilder Wein rankt sich

burgunderfeurig empor.

Spätstrahlen streifen

honigblättrige Walnussbäume,

wenn die Westsonne über

Streuobstwiesen wandert.

Unter grünen Schleiern

verstecken Weiden

den dunklen Arm

des Federbaches.

Halme treiben auf

goldgetupftem Spiegel.

Im Schilf leuchten noch

zitronengelbe Nachtkerzen,

während sich Rotklee und

Wasserminze zwischen

hellen Pilzen ducken.

Habichtskraut erinnert

farblich an warmes Tageslicht,

Beinwell, wilder Majoran

und Pyrenäenstorchschnabel

hüten ihre Blütenträume

in abendfeuchtem Gras.

Über breitkronigen Platanen

thront ein leeres Storchennest,

die Bewohner längst ausgeflogen.

In den Ufergärten verabschieden sich

letzte Herbstanemonen und

Schmuckkörbchen pastellfarben,

sternt keck noch ein blauer Borretsch

oder ein Löwenmaul züngelt gelb

aus Granatrachen, während

im Buntlaub Birnen und Äpfel grüßen,

Leinkraut und schwarzer Nachtschatten

rissige Stämme umschmiegen.

Schmale Wege steigen an

Schöllkrautmauern zum

alten, verwinkelten Ortsteil an,

andere Straßen senken sich

zur Federbachbrücke, wo

Gartenlichter im Uferschilf

um einen hölzernen Schattenvogel träumen

und weiße Lampions über Butterblumen,

Wegwarten und Bärenklau

in der Dämmerung schweben,

die in Farnen, Springkraut

und Brombeerranken nistet.

Der Abendstern blinkt über

dem alten Brunnenhaus und

teilt Erinnerungen an frühere

Freundschaftsjahre bei Hausaufgaben

in einem gemütlichen Dachzimmer.

Wie Herbstfalter umtanzen Erinnerungen

silberweiße Lampen auf dem Tisch

unter dem Scheunendach, wo einst

fröhliches Lachen geselliger Runde erklang.

© Inge Offermann

 

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