Norman Möschter

Großteil der Leute

Dieses Bild stammt aus meiner Kindheit,
es begegnet mir manchmal im Traum.
Es handelt von kollektiver Blindheit
und einem entwurzelten, kahlen Baum.

Es sitzen darauf schwarze Krähen,
die schlau sind und lauthals krähen,
und die mit dem Winde sich drehen,
hören kann ich, aber sie nicht verstehen.

Der Himmel is trübe mit Wolken.
Ich bin froh, dass es nur ein Traum ist.
Doch frag' ich mich, was sie sagen wollten,
dieser Gedanke ist's, der mich zerfrisst.

Heute, 30 Jahre später,
denke ich wieder an diesen Traum.
Es ist wie ein lang drin gelebter,
mit Erinnerungen gespickter Raum.

Jede Einzelheit erzählt Geschichten,
manche sind zahm, manche seicht,
andere können vernichten,
so wie mein Traum mich, vielleicht.

Gerade heute in unruhigen Zeiten,
in unserm weltumspannenden Geflecht,
kann sich alles und jeder verbreiten.
Man ist als Mensch heute stets im Unrecht.

Der Großteil der Leute sieht nicht.
Der Großteil der Leute ist blind.
Der Großteil der Leute will nicht,
weil sie nur Marionetten sind,
weil die Kleinen so klein nur sind.

Der Großteil der Leute spricht alles nur nach,
baut auf, auf dem, was sein Vorgänger sprach,
und der hat's von den Krähen,
die auf dem kahlen Baume stehen:
"Sprich mir nach."
"Sprich uns nach."

Der Großteil der Leute sieht nichts.
Der Großteil der Leute ist blind.
Die Marionetten tanzen im Schein des Lichts
und ich fühl' mich hilflos wie ein kleines Kind,
weil die Kleinen so klein eben sind.

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