Patrick Rabe

Oh, wie grau rauscht der Morgen

Eine expressionistische Hymne auf Staubpartikel und Bitterstoffe

 

 

Das Morgenrauschen gebiert mir Billie Eilishs Gehirn

in meine sexbesessenen Synapsen,

in denen das graue Wasserattentat vernichtet wird,

mit dem mein Nachbar sich seine Clusterkopfschmerzen wegspült.

Mit einem mumpfig erstickten Stöhnen

kippt er unter der Dusche um,

gestopften Mauls durch alte Zeitungsausschnitte.

Das All reihert eine neue Folge von

„Verfaulte Zombieinnereien werden zu Menschen, die sich selber als Tiefkühlkost bei Rewe kaufen“ mit Vollkaracho in mein drittes Auge,

ein Reh rast, verfolgt von einem

sechsendigen Hirsch im Trenchcoat

aus dem Wald hervor,

kracht in meine Küche,

und schüttet sich den Kaffee

in meinen stinkenden Hals hinunter.

Danach bittet es mich, den Hirsch in seinem Namen bei Metoo anzuschwärzen.

Aber ich sage ihm: Leider geht das nicht.

Erstens bin ich auch ein Mann,

zweitens bin ich kein Sprachrohr für die Tiere des Waldes,

und drittens darf man bei Metoo keine Fakeprofile benutzen.

Da wird das Reh zu einer schlanken, nackten Frau,

die sich auf meinen Schoß setzt

und meinen Eiffelturm höher aufschießen lässt

als es je irgendein Turm des World Trade Centers hätte sein können.

Meine Kaffeelatte durchdringt die Rehfrau

bis nach oben ins Gehirn

wo die Spitze meines Lovesticks

ihr das Licht ausknipst.

Sie wird zu Vögeln, die zwitschernd

durch mein geschlossenes Fenster

davonfliegen.

Billie rast und tanzt in meinem Gehirn

vor Eifersucht

und ich hole mir einen runter,

und kippe besoffen in die Clusterkopfschmerzen meines Nachbarn.

Unerträglich schwillt das Morgenrauschen an,

und wird zu mehrspurigem Verkehr

auf der A7.

 

 

Patrick Rabe, 3. November 2020, Hamburg.

© by Patrick Rabe

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.11.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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