Brigitte Waldner

Regenschirm


Es geht die Frau mit altem Schirm,
zerfledert und zerschlissen,
in ein Geschäft, den Plan ausführ‘n.
Das muss man schließlich wissen:
Sie nimmt den schönsten mit,
den sie im Ständer sieht.

Ob dunkelgrün, ob ganz in Weiß,
auch rot und weiß Gestreiftes,
in Bunt und Schwarz und Gelb wie Mais,
verschwunden sind sie meistens.
Der Stockschirm ist begehrt,
nicht mal die Rüsche stört,

so lang er neu und teuer war,
statt einen fair zu kaufen.
Wo ich die Diebin selber sah,
bin ich dann nachgelaufen.
Sie mich sehr blamiert,
dass ich nur spinnen würd‘.

Dass man ihn immer wo vergaß,
vielleicht nicht mehr erkannte,
da würde man im Regen nass,
kann ja nur sein am Rande.
In Kärnten wird der Schirm geklaut,
das habe ich genau durchschaut.

Beschriften bringt auch wenig Glück,
mit Name und Adresse,
die Diebin gibt ihn nicht zurück,
er schützt sie gut vor Nässe.
Sie ruft auch nicht die Nummer an,
dass man ihn selber holen kann.

Ich nehme fortan einen Knirps,
und transparente Säcke,
wohin den regennassen Schirm
ich bei Geschäftseintritte stecke,
den lass ich nicht mehr aus der Hand,
da ich noch keinen wieder fand.

© Brigitte Waldner
 

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