Ralf Tarin

Ödipus

Beim König von Theben und seiner Frau,

war's Eheleben ziemlich mau,

sooft sein Zepter auch begehrt,

`nen Sohn zu zeugen, blieb verwehrt.

Um an dem Frust nicht zu verzagen,

wollt‘ Laios das Orakel fragen,

was ihm in Delphi prophezeite,

seines Fluches dunkle Seite…

Auf keinen Fall zeug einen Sohn,

denn dieser wird in Bälde schon,

den Papa erschlagen und - nicht lachen -

der Mama danach einen Antrag machen.“

………………..

Trotz Fluch gebar die Iokaste,

ein‘ Sohn …. was sie veranlasste,

das Kind - bevor es macht Beschwerden,

so schnell wie möglich loszuwerden…

Man durchstach dem kleinen Mann,

die Füße erst und band sie dann

zusammen…..und hat's - welch grausig Wort,

am Berg Kithairon drauf entsorgt…

………………….

Das Mitleid war’s, was ihn gerettet,

denn König Polybos hat es gebettet...

die Wunden heilten und er wurd' schick,

…nur seine Füße blieben dick,

weshalb man ihn - nicht sehr galant,

hat Oidipus („Schwellfuß“) genannt.

Stigmatisiert - mit schlechtem Karma

wurde sein Leben dann ein Drama.

..................

Trotz Adoption durch Polybos,

ließ ihn die Frage nicht mehr los,

woher er komme, was mal war,

wes' Haus er stammt, wer ihn gebar.

Die Antworten vom Zieh-Papa

und Merope, genannt Mama,

befriedigten nicht seine Fragen,

…drum sollte Google es ihm sagen,

(was damals man Orakel nannte)

worauf er auch nach Delphi rannte.

…………………….

Obwohl allwissend, gut vernetzt,

hat Googles Antwort ihn entsetzt…

es sagt, was es schon Laios fluchte,

weshalb er schnell das Weite suchte,

damit nicht passiert, was ihm prophezeit,

er hätte die Witwe Merope gefreit.

So nahm das Drama seinen Lauf,

…die Katastrophe hielt nichts auf.

……………….

Tief grübelnd und voll Unbehagen,

fuhr Ö. mit seinem Pferdewagen,

…sinnierte über‘s Lebens Sinn,

auf seinem Weg nach Daulis hin.

Einem Taxi war er viel zu lahm,

der Kutscher drauf ne Waffe nahm

und ohne Zögern - zack, peng, bumm,

fiel eins von Ödi‘s Gäulen um,

…..was dessen Zorn sofort erregt

und er den Kutscher drauf erlegt,

in dem Blutrausch - wie von Sinnen,

schied auch der Fahrgast noch von hinnen…

nicht ahnend, was er angerichtet,

denn - so wurde es berichtet:

Der Ödi war, man ahnt es schon,

des Fahrgastes sein leiblich Sohn…

……………………………..

(So kam es:)

Der Laios war nicht mehr am Leben,

sein Schwager wurde Chef von Theben,

doch die antike alte Zeit,

hielt reichlich Grausamkeit bereit.

Die Sphinx lauert vor Theben rum,

mit Rätseln für Touristen, um...

alle zu verschlingen mit Haut und Haar,

wenn die Antwort der Ärmsten nicht richtig war.

Dem neuen König wurd` das zu viel,

weshalb er auf die Idee verfiel,

wollte jeden, der es schafft die Sphinx zu entthronen,

mit der Krone und Schwester Iokaste belohnen.

 

Nur Ödipus hatte die Lösung bereit

und hat Theben mal eben von der Sphinx befreit,

…darauf den Thron und Iokaste gewonnen,

und so seine Mutter zur Frau genommen….

………………………..

So hatte der Fluch doch ein gutes Ende,

…doch nur bis zur dramaturgischen Wende.

Eine furchtbare Seuche kam über Theben,

was viele Thebaner kostet das Leben

worauf man mal wieder das Googakel befragt,

welches als Lösung das Folgende sagt:

Bringt den Mörder von König Laios,

hinter Riegel und auch hinter Schloss,

dann ist mit der Seuche sofort vorbei,

und euer Leben ist wieder frei…

Nicht ahnend, wem er damals das Leben nahm,

es Ödipus so ganz gelegen kam,

…bis ihm Teiresias eröffnet hat,

das Ödipus selbst war Täter der Tat,

…dass Laios sein Vater gewesen war

und seine Gattin ihn früher gebar…

 

Das war zu viel für die liebenden beiden,

sie wollten hernach aus dem Leben scheiden…

Iokaste überlebte ihr Ende nicht,

Ödipus nahm sich das Augenlicht…

und wandelte blind - bis zu seinem Ende, 

durchs Land, im Büßer- und Bettlerhemde...

(auch wenn es andere Finale gibt,

ist diese Variante besonders beliebt)

………………..

Der Ödipus lebt heut theoretisch fort,

denn Mutterbegehren und Vatermord,

so sagen Sigmunds Freud‘sche Lehren,

ist unbewusstes Aufbegehren

der Rivalität zwischen Vater und Sohn,

in der ödipalen Phase schon.

 

Ich hab’s - Gott sei Dank - bis ins Alter geschafft,

ohne, dass es einen dahin gerafft…..

(rutari)

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Ralf Tarin).
Der Beitrag wurde von Ralf Tarin auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.11.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Facetten der Sehnsucht von Marija Geißler



Gedichte von Maria Geißler aus Deutschland und Selma van Dijk aus den Niederlanden.
"Facetten der Sehnsucht" erzählt von der Sehnsucht nach unerfüllter Liebe, erzählt aber auch von der Sehnsucht nach den Dingen im Leben, die einem Freude bereiten und Spass machen.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Humor - Zum Schmunzeln" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Ralf Tarin

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Liebe geht eigene Wege von Ralf Tarin (Beziehungen)
Folgenschwer von Karl-Heinz Fricke (Humor - Zum Schmunzeln)
Göttliche Nacht von Franz Bischoff (Romantisches)