Patrick Rabe

Fee me, Show we und der Hähnchenkopf

 

Die Frauen setzen sich Hähnchenköpfe auf

und werden zu Hühnern,

gackern und scharren im Hof jeden Tag.

Sie hoffen, dass sie damit meiner Gewalt schon entgehen,

sie sehen nicht wirklich, wie sehr ich sie mag.

 

Und sie picken mit Schnäbeln hysterisch in Augen,

damit keine Blitze aus ihnen je schießen,

servieren mir Hühnersuppe für meine Seele,

und kippen vom Küchenstuhl mich, um mich zu gießen.

 

Doch die eine dort mit diesem rötlichen Kamm,

sie hat keine Angst, und sie will mich genießen,

jedoch nur die Schwarze saugt nicht wie ein Schwamm,

sie will über mich kommen, und in, mit mir sprießen.

 

Sie ist meine Godiva, und sie gab mir die Lanze

des Soldaten, mit dem ich gut Freund war, zurück,

stieß sie mir in den Rücken, ritt mich tot in der Küche,

doch heute, da leben wir. Was für ein Glück.

 

Und die Hühner, sie rennen laut gackernd nach draußen,

und zücken die Smartphones, um mit Freunden zu chatten,

aber da kommt ein Laster und rast einfach drüber,

dieser Hahn hatte wohl keine Eier zu retten.

 

Und dann nehme ich einfach den Pappkopf herunter

von der Beethovenbüste und schaue sie nackt,

die Tarnhühner fragen die Rote, sie gackert:

„Er hat nie `nem Hühnchen den Kopf abgehackt.“

 

 

 

© by Patrick Rabe, 18. November 2020, Hamburg.

 

Erinnert sich jemand noch an die Fernsehserie „Neues aus Uhlenbusch“ und das Titellied „Au weia, au weia, der Hahn legt keine Eier!“? In dem gezeichneten Vorspann war zu sehen, wie ein Hahn über eine Straße geht, von einem Lastwagen überfahren wird, und alle seine Federn verliert. Ich glaube, ich habe alle meine Dachschäden von diesem traumatisch wirkenden Serienvorspann. Es gibt ja eben auch nicht nur Frauenfeindlichkeit (Misogynie), sondern auch Männerfeindlichkeit (Misandrie). Ich finde, das muss mal gesagt werden. Daher widme ich dieses Gedicht Ogynie, Andreas, dem Andri aus dem Theaterstück „Andorra“, Kirke, Medea, der Kunst, Männer in Schweine und Frauen in Hühner zu verwandeln, der Unart, Hühnern den Kopf abzuhacken und dann zuzusehen, wie sie noch drei Runden weiter laufen, dem Gelangweiltsein, wenn einem einer/eine nach dem Mund redet, der Freude daran, von einer Göttin überwältigt zu werden und der Absurdität des unseligen Wortes „Frauenarzt“.

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Patrick Rabe).
Der Beitrag wurde von Patrick Rabe auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.11.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

Buch von Patrick Rabe:

cover

Gottes Zelt: Glaubens- und Liebesgedichte von Patrick Rabe



Die Glaubens-und Liebesgedichte von Patrick Rabe sind mutig, innig, streitbar, vertrauens- und humorvoll, sie klammern auch Zweifel, Anfechtungen und Prüfungen nicht aus, stellen manchmal gewohnte Glaubensmuster auf den Kopf und eröffnen dem Leser den weiten Raum Gottes. Tief und kathartisch sind seine Gedichte von Tod und seelischer Wiederauferstehung, es finden sich Poeme der Suche, des Trostes, der Klage und der Freude. Abgerundet wird das Buch von einigen ungewöhnlichen theologischen Betrachtungen. Kein Happy-Clappy-Lobpreis, sondern ein Buch mit Ecken und Kanten, das einen Blick aufs Christentum eröffnet, der fern konservativer Traditionen liegt.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Satire" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Patrick Rabe

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Nasser Hund von Patrick Rabe (Absurd)
Wunderwasser Noni von Karl-Heinz Fricke (Satire)
> > > B e i s p i e l < < < von Ilse Reese (Erfahrungen)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen