Angela Pokolm

Der erste Schnee



Still höre ich den Regen fallen -
er klingt mir wie ein traurig' Lied.
Schwer tropft es von den Bäumen allen,
ihre Zweige hängen so müd'.

Der Garten ist nun ohne Leben -
wohin ist sein Blumenmeer?
Hat es einmal Sommer gegeben?
Wie lang' scheint dies schon her!

Ganz welk ist der Rasen geworden,
und dürr und leer jeder Strauch.
Wo einst Vogelnester geborgen,
ist jetzt alles ohne Laub.

Doch horch! War da nicht ein Flüstern?
Gar samthell klang's an mein Ohr.
Es schien mir wie zartes Wispern
von feinen Stimmen im Chor ...

Voll Staunen lauf ich nach draußen
und seh' ein'n quirlenden Glanz:
Statt Regens müdvollem Rauschen
spielt Winters Lied auf zum Tanz!

Was ist das nur für ein Reigen!
Mein Aug' wird ganz wirr dabei,
wenn sich so viel' Bilder zeigen
im Schneeflocken-Ringelreih!

Dann steigt die Dämmerung nieder
und hüllt mit weich-tastender Hand
Winters froh spielende Kinder
in dunkel-samtenes Gewand.

Gern geh' ich zur Ruhe heute, -
ich werde am Morgen wohl seh'n -
zu meiner so großen Freude
neu's Leben im Garten ersteh'n!

Der Rasen prunkt im Festtagskleide,
scheint rein aus Seide gemacht,
und glitzert wie köstlich' Geschmeide
in seiner schneeweißen Pracht.

Bäume und Sträucher sind fürwahr,
ganz wie es im Märchen geschieht,
bedeckt mit der Elfen Goldhaar …
Und Hoffnung ins Herz mir einzieht,

Dass der Zauber des Winters verwehe,
was düster mir war und voll Pein,
dass in neuem Gewand es erstehe!
Ach, möcht' der Winter noch lang sein!

Angela Pokolm

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