Horst Fleitmann

Willy

 

Im letzten Jahr, da lud man vor Silvester,
Kritiker Willy mal ins Theater ein.
Ein Irrtum war's, denn ein Theater - Tester
konnte der Willy, weil ahnungslos, nicht sein.

Zwar lobten ihn die, die ihn gar nicht kannten
und ält're Damen fanden ihn charmant,
doch bei Kollegen und bei den Verwandten
war als Chaot er weithin gut bekannt.

An diesem Abend, als man wieder spielte,
an, wie gesagt, Silvester, gegen zehn
und er bereits zum achten Whisky schielte,
da ließ der Willy sich mal wieder geh'n.

An diesem Tage gab man im Theater
(modern) des Dostojewskij's  "Schuld und Sühne".
Was Willy Dummes tuen konnte, tat er:
Er stürmte, sturzbesoffen, auf die Bühne.

Grad dort agierten eifrig die Akteure
und spielten hier bereits im zweiten Akt.
Und man bedeutet Willy dass er störe.
Doch nun hatte die Kunst ihn fest gepackt.

Laut grölend sprang er über Tisch und Stühle
der Regisseur stand vor dem Schlaganfall.
Man blickte nicht mehr durch, in dem Gewühle.
Ein nie geseh'nes Chaos überall.

Gar niemand holt ihn von der Bühne runter,
jedoch dem Publikum war das egal.
Auch Beifall gab es, tosenden mitunter,
denn Willy's Kunst sah man zum ersten Mal.

Als dann am Ende die Besucher fanden,
dass Sie so etwas bisher nie gesehn
und endlich sie dies schwere  Stück verstanden,
sah Willy man vor'm zehnten Whisky stehn.

© Horst Fleitmann, 2020

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