Patrick Rabe

Hitchhike

 

Du musst furchtlos sein,

ich weiß, das seid ihr alle nicht.

Ihr geht durch den Wald,

und hofft dort auf ein Licht.

Die Dunkelheit verschluckt euch,

das ist angenehm.

Doch jene Dunkelheit, die ICH kenn,

die ist nicht bequem.

 

Ein Kreischen reißt euch

aus der Nacht, und aus der Sicherheit,

die Blair Witch oder Schlimmeres

hat euch befreit.

Sie sitzt euch in den Nacken

mit dem Heil’genschein,

mein Licht umfängt euch wie ein Trost,

und doch bin ich allein.

 

Sagt, was ihr wirklich fürchtet:

Taglicht oder Nacht?

Wer hat euch für die Begegnung

mit mir reif gemacht?

Ich lieb nur eine oder keine,

doch in jeder Frau,

und ihr seid viele, doch alleine,

wisst ihr, wem ich trau?

 

Ich lag mit zerschlag’nen Knochen

 in `nem Krankenhaus,

ich kam ohne Geld per Hitchhike

aus der Hölle raus,

meinen Michel-den aus Holland-

sah am Brocken ich,

den die Hexen Blocksberg nennen.

Für wen hältst du mich?

 

Und du kannst gern Hitchhike machen,

das ist Risiko.

Es kann sich als Glück erweisen,

und als Griff ins Klo.

Lieber fährst du selbst und machst es selbst,

frei ist die Tat.

Wenn man hinten sitzt,

ist unsicher ein Motorrad.

 

Und ich rufe meinen Schatz

über die Autobahn.

Sie hat schöne, dunkle Haare,

und kann sicher fahr’n.

Sie hat sich, nur sich dabei,

und auch ihr Radio an,

doch lässt sich nicht von ihm lenken,

sie sieht mich nur an.

 

 

© by Patrick Rabe, 8. Dezember, 11. Dezember 2020, Hamburg.

 

Das Lied ist Tocotronic und ihrer Videoserie zu „Die Unendlichkeit“ gewidmet.

Ich hatte kurzzeitig überlegt, es „Hitchhike on a witchbike“ zu nennen, doch die kleine Mororradfahrerin in den Videos ist eindeutig keine Hexe. Diese muss sich irgendwo in den Wäldern aufhalten, und wird nicht gezeigt. Oder sie ist der alleinerziehende Vater dieser hübschen Tochter. Wahrscheinlich aber die Mutter des an Jesus erinnernden Läufers, der versucht, aus einer Zombiekleinstadt zu fliehen. „Mystikfilme“ nannte ich diese Kategorie Film früher mit meinem Kumpel Stefan. Das ist etwas anderes als Horror-oder Zombiefilme. Das sind Filme wie der (ich vergass mittlerweile den Titel) über ein kleines Mädchen mit besonderen Fähigkeiten – es konnte unter anderem einen Wirbel aus Bienen erzeugen- in einer ultrachristlichen Stadt in Amerika. Das kleine Mädchen (für alle, die jetzt an „Carrie“ denken: Ihr seid auf der falschen Fährte), wo sich am Ende herausstellt, dass alle dort lebenden Menschen, trotz ihrer Bibelsprüche, die dort an fast allen Häuserwänden und Plakaten stehen, Satanisten sind. Mich erinnert dies sehr stark an das Dorf meiner Großeltern. Jedenfalls im Nachhinein.

 

 

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