Andreas Vierk
Ich fließe in das Lindenblatt
Ich fließe in das Lindenblatt,
in Aderwerk und Saft,
das Raupe, Wurm und Milbe hat,
sterbensfertig, lebenssatt
und bald dahingerafft.
Doch seh ich tausend Buddhas tanzen,
und Chlorophyll und Viren
und auch die Füßchen grauer Wanzen,
die Rindenrippen, scharf wie Lanzen,
mit ihrem Licht verzieren.
Sie sind dem Auge unsichtbar,
durchdringen jedes Wesen.
Nur eine Seele nimmt es wahr:
wie hell sie sind, wie sonnenklar,
kann sie in sich lesen.
Sie atmet Licht und Engel ein
und Lava aller Weiten.
Und alles muss sie selber sein,
schockiert vom überhellen Schein
aus allen Wesenheiten.
Sie ist nicht ich, ich bin dein Traum,
zerflossen in dein Glück.
Was ist die Seele: zarter Schaum,
will nicht in Welteins, Pore, Raum,
nicht in sich selbst zurück.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.12.2020.
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