Patrick Rabe

Das Gelaber eines geisteskranken Diakons

Das Gelaber eines geisteskranken Diakons

aus dem Mund eines Fischleins,

das ihm zu lange zugehört hat

 

Der Horror kommt nicht, wenn du mit ihm gehst,

der Horror kommt dann, wenn du widerstehst.

Er fängt dich auf, und Meereswellen tragen,

musst doch nur einmal die Fische fragen.

Thomas wusste es, er hat’s bewahrt,

das Wort, des Weglassung uns hat genarrt.

„Folg den Vögeln nicht, und nicht den Fischen,

folg dir selbst, man wird dich nicht auftischen.“

Folge Menschen, solang du es brauchst,

du bist erwachsen, wenn du eine rauchst.

Drum sieh dem Rauch zu, er verweht am Himmel,

die Ziese wird zu Asche, denn sie ist kein Pimmel.

Steck dir einen in den geilen Mund,

kannst ja gleich meinen nehmen, ist gesund.

Triton kennt wirklich mehr als zwei Enden,

denkst du dir, und doch, in seinen Händen,

wird dir anders, und als Nikolaus

pflanzt er dir Ruten, und du kotzt vorm Haus.

Wasser ist für Fische nicht so schlimm,

doch Kirchen sind an Land, darum sieh bloß gut hin.

Hat er `ne Glazte wie ein Weihnachtsmann,

dann zeigt er dir die Fratze, die nicht weggehn kann.

Der Horror kommt nicht, wenn man mit ihm geht,

der Horror kommt dann, wenn er wieder steht.

 

 

 

 

© by Patrick Rabe, 20. 12. 2020, Hamburg.

 

 

 

Das Zitat in meinem Gedicht lehnt sich an einen Spruch aus dem Thomasevangelium an (Logion 3).

 

Triton ist eine Bezeichnung für den Meeresgott oder Wassermann, andere Bezeichnungen sind Neptun und Poseidon. Er kann auch ein Hinweis auf das sogenannte „Wassermannzeitalter“ sein, zu dem ich ein unschlüssiges Verhältnis habe.  Er sieht auf vielen Darstellungen der bildenden Kunst ähnlich aus, wie Gott auf manchen Gemälden oder Statuen. Der schwebt ja aber auch in der Luft. Die Gefahr (und aber auch die Hilfe) für Menschen kann nur ein anderer Mensch darstellen. Und auf festem Boden steht man gut. Alles, was schwimmt oder fliegt, holt sich zu leicht der wilde Watzmann. Will sagen: Ein Mensch kann vielleicht gerade noch schwimmen, aber schon nicht mehr aus eigener Kraft fliegen. Und an Land verteidigt und flieht es sich besser. Nur nicht in Sackgassen und Gebäuden. Aber für freundliche Meerjungfrauen ist auch schon manchmal das Auftauchen in einer Kirche an Land, oder einer allzu ländlichen Kirche zum Verhängnis geworden. Fly, swim or walk. Do whatever makes you feel safe and good.

 

 

Ich selber bin in der Kirche zwar nicht missbraucht, aber schwer sexuell traumatisiert worden. Und ich habe ja auch das „Glück“, ein Mann zu sein. Schmierige Pfaffen trauen sich dann offenbar immer noch eher an Mädchen ran. Wieder einmal eine Einladung an Mädchen (heute Frauen) und Jungen (heute Männer), die mit mir im selben kirchlichen Kindergarten und später vielleicht auch in der selben Konfirmandenstunde waren, mal zu erzählen, was da so abging. Und habt nicht immer ausgerechnet Angst vor den Mitopfern (selbst, wenn einige davon auch später zu Tätern geworden sein mögen.) Räumt den Tätern von damals bitte keine Macht mehr ein. Sofern sie noch leben, sind sie heute alt. Dennoch vielleicht nicht von ihrem schlimmen Tun geheilt. Lasst uns zusammenhalten, und gemeinsam drüber reden. Und manchmal hilft eine Anzeige eben doch. Sexuelle Straftaten und meines Wissens auch Gewalt gegen Kinder und Jugendliche verjähren nicht mehr. Aber bitte nicht mehr so einen Schrott bringen, wie mich anzuzeigen, weil ich ja vielleicht heute auch pädophil sein könnte. Das bringt es nicht. Die Frau, die an mir konkret schuldig geworden ist, heißt Irene Bolte. Sie lebt nicht mehr. Manche andere, die ihr vielleicht noch erinnert, auch nicht. Nicht jeder muss ein ganz schlimmer Täter/Täterin gewesen sein. Manchmal reichen schon subtile Dinge, wie unterschwellige Mobberei, oder das, was man heute „Bodyshaming“ nennt. Ich kann mich definitiv an einen Fall erinnern, wo ein Diakon zu einem Mädchen sagte: „Mann, hast du dicke Dinger.“ Oder das latent Bedrohliche und rigide strafende am christlichen Glauben, das ich dann in derselben Gemeinde, Jahre später, zum Glück nicht mehr in derselben Weise vorgefunden habe. Von den „falschen Leuten“ erzogen worden zu sein, kann ein ganzes Leben ruinieren. Daher eine Bitte: Alle, die furchtbare Dinge in ihrer Kindheit erlebt haben, mit Erziehern und Erzieherinnen, Eltern, Kindergärtnern und Kindergärtnerinnen, Lehrern und Lehrerinnen, Priestern, Pastoren, Diakonen und weiblichen Angestellten der Kirche, mit Männern und Frauen, die sie nicht kannten, und die sie vielleicht irgendwohin lockten und ihnen dann in irgendeiner Weise Gewalt antaten und auch wenn Gleichaltrige, wie z.B. Bruder oder Schwester, etwas mit einem gemacht haben, was man nicht wollte (z.B. ein sexueller Übergriff); nicht mehr schweigen, Leute! Es ist Zeit, dass wir zusammenhalten, und gegen die wirklichen Täter vorgehen, anstatt immer tiefer in unseren Traumata und psychischen Störungen zu versinken, und uns gegenseitig zu Teufeln zu erklären.

 

Für Billie Eilish

 

„My V is for vendetta“

 

 

 

 

Patrick Rabe, 20. Dezember 2020.

 

© by Patrick Rabe, 20. Dezember 2020.

 

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