Ernst Wetzel

Nachruf für meine Schwiegermutter (†)

Liebe Schwiegermutter E… (),
 
deine Tochter G… brachte durch ihre Heirat
mich als ihr Ehemann in dein Leben ganz privat.
Damit waren alle Töchter ehelich vergeben,
woraus sich für dich entfaltete ein pulsierendes Leben.
Wir genossen unsere Gemeinschaft, das machte auch Sinn,
du gehörtest immer auch dazu und warst mitten drin.
Ob wir uns zu Geburts- oder Feiertagen zum Kaffeekreis trafen
oftmals war auch ein guter Italiener unser Abendess-Hafen.
Wir pflegten Gemeinschaft, ohne sich auf der Pelle zu liegen,
derart gelebte Gemeinschaft verschaffte dir viel Vergnügen.

Aber ein richtiger Schub ergab sich in deinem Lebenslauf
als die Tochterfamilien mit Enkel(innen) bekamen Zulauf.
Deren Entwicklung ließ dich als Oma nie unbefangen,
bist deren Weg, z. T. unmittelbar betreuend, mit gegangen.
Sie wollten dich in Abgrenzung zur Back- als Koch-Oma loben,
und nicht nur sie hatten dich zum Sterne-Koch erhoben.
Die regelmäßige Einladung zum 1. Advent-Sauerbraten,
war ein Genusstermin, zu dem wir gerne „antraten“.
Klöße und Rotkohl waren angefertigt von der Köchin Hand,
das Fleisch von Berns dazu hatte seinen qualitativen Stand.
dazu den guten Rotwein als voll abrundende Beigabe,
machte dein Essen zu einer mundenden Magenlabe.
Ähnlich legendär war dein Heringssalat zur Weihnachtszeit.
Hering, Rote Beete, Kalbfleisch, Äpfel, Sellerie, Nüsse standen bereit,
kleingewürfelt geschnitten zu werden als gemeinschaftliche Aufgabe,
Pfeffer, Salz, Olivenöl und Balsamico-Essig als würzende Zugabe,
von dir abgeschmeckt und durchmengt dann in den Keller gestellt,
damit er gut durchzieht und den gewünschten Geschmack erhält.
Zu Silvester war es „von der Jugend“ gewünschte Tradition
einen Fondue-Abend zu zelebrieren in familiärer Formation.
Deine Rezepturen für die verschiedenen Soßen sind eine Wucht,
die inzwischen „von der Jugend“ fest im Kopf sind verbucht.
Sie fertigen die Soßen inzwischen aus eigener Hand,
sodass sie noch Jahre unvergessen haben Bestand.

Als Oma wolltest Du immer auch sein darüber informiert,
wo und mit wem sich welcher Abkömmling privat konstituiert,
und wie und wo sich seine berufliche Entwicklung so gestaltet,
er seinen Lebensweg auch zielführend und positiv verwaltet.
Deine Altersweisheit ließ dich verfolgen den getätigten Schritt,
das hielt dich im „Leben der Jugend“, dazu auch geistig fit.

Aber mit zunehmendem Alter wollte der Körper nicht mehr so sehr,
Folgen vergangener Operationen machten dir das Leben schwer.
das führte zu Bewegungseinschränkungen und örtlicher Gebundenheit,
ein Rollator wurde beschafft zur unterstützenden mobilen Freiheit.
Aber zu externen Familienfeiern mussten wir dich transportieren,
und dein zunehmendes Alter ließ bedingt eine Teilnahme blockieren.
So manche Einladung dazu musstest Du deshalb dankend abweisen,
so wären die Hochzeiten bei A… und B… gewesen zu belastende Reisen.
Hinzu kommt noch die dich geplagte habende und bedrohende Angst,
dass du wegen deiner ausgeprägten Osteoporose auch darum bangst,
Knochen könnten brechen und altersgemäß kaum noch verheilen
und du nur dauerhaft im Bett passiv liegend könntest verweilen.

Deinen 90. Geburtstag haben wir noch gefeiert im Familienkreis,
es war ein überzeugender familiärer Zusammengehörigkeitsbeweis,
es kam mir vor, Du schienst diesen Tag dankbar zu genießen,
wir dich aber ins nächste Jahrzehnt eher schwächer entließen.
Ich fühlte durch deine Äußerungen schwindenden Lebensmut,
dieser sich aufgebende Gesamtzustand war einfach nicht gut.
Kurz später, du fielst daheim sehr schmerzvoll aus dem Bett,
wurdest eingeliefert zur Schmerzbehandlung ins St. Anna-Lazarett.
Sie konnten bei allem Bemühen nur schmerztherapeutisch agieren,
aber bei dem Patientenstatus keine wirkliche Gesundheit generieren.
So wurdest du genommen aus dem Krankenhaus ins traute Heim,
mit einem zusätzlich ambulanten Pflegedienst sollte es gehen daheim.
Das konnte eine Zeit lang anscheinend problemlösend gutgehen,
bis sich wiederholte nach kurzer Zeit erneut das gleiche Geschehen.
Nur dieses Mal war es ein Bruch an der künstlichen Knieprothetik,
der bedeutete, als Notfallpatient wieder Einlieferung in die Klinik.
Von dort ging es in ein dir bekanntes gutes Haus der Altenpflege,
dort man den Kniebruch ruhend auszuheilen versuchte bei guter Hege.
Aber aus deinen Äußerungen und deiner Gestik wurde mir wieder klar,
du lieber wünschtest, Gott möge dich rufen, so es werden solle wahr.
Du wurdest nach ärztlicher Beratung schmerzfrei versorgt palliativ,
der Übergang aus dem irdischen Leben damit schmerzfrei verlief.
Es war für dich lebensendlich die gewünschte und beste Erlösung,
und für deine Abkömmlinge zudem eine gewissenhafte Auflösung.


Nun tragen wir dich in trauernder Friedlichkeit zu Grabe,
wunschgemäß trennen wir uns durch erdliche Übergabe,
in der Hoffnung, unser Leben wird sich wieder vereinen,
wenn Gott auch uns zeitverzögert ruft bei ihm anzuleinen.
In diesem Sinne hat dich Bruder G… mit offenen Armen empfangen,
ist er doch viel zu jung und viel zu früh von deiner Seite gegangen.
Wir sind dankbar dich als Mensch hier irdisch erlebt zu haben,
du einigen von uns Leben geschenkt hast und viele weitere Gaben;
Vorrangig bleibt da dein Engagement für die Familie anzuführen,
schon Bruder G… bis hin zu deinen Urenkeln konnten dies spüren.

Dein Schwiegersohn
Ernst

Meine Schwiegermutter war eine sehr familienintegrierende Persönlichkeit.
Das genoss ich in vielfältiger Weise, was ich im Nachruf zu ihrem Tod auszudrücken versuche.
Die Karte habe ich zum Abschied von der Schwiegermutter ihr mit ins Grab gegeben.

Der Kartenentwurf erfolgte mit Microsoft Publisher im DIN A6-(Postkartenformat).
Weil die erste Seite sehr viele datenschutzrelevante Inhalte mitteilt,
muss sie hier außen vor bleiben.
Ernst Wetzel, Anmerkung zum Gedicht

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.12.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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