Patrick Rabe

Heimat

 

Es kommt der große Niedergang,

der Meister starrt euch ins Gesicht,

aus Augen, die in Nacht getaucht,

und wer schon blind ist, sieht ihn nicht.

 

Tiberius und Marcus schwanken,

sie fallen, und sie kehren um,

dort, wo kein Römer jemals sein wird,

dort liegt mein heiß‘ Imperium.

 

Und Rüstungen und Togen fallen,

und Schweiß und Körper stinken geil,

er bläst den Nachtwind in Roms Feuer,

und pflanzt in ihren Schoß sein Teil.

 

Und wenn er abtaucht in die Tiefe,

sieht er das Weib, das er verehrt,

er tanzt mit ihr, die Wände fallen,

und was nicht auch tanzt, wird zerstört.

 

 

©by Patrick Rabe, 2. Januar 2021, Hamburg.

 

Meine Heimat ist die Nacht. Nicht Deutschland.  Aber ich bin auch nicht der Mond.

Die Weltuntergangsreligionen und ihre Insignien gehen im blubbernden schwarzen Matsch unter.

Kreuze, Halbmonde, Reichkriegsflaggen, rechts und links drehende Hakenkreuze, Davidsterne, ewige Räder und vielarmige Hindugötter versinken im kalten Moor. Die Moorleichen haben Feierstunde. Die Bibel, der Koran, die Edda, die Baghavad Gita und die Staubsauger-Bedienungsanleitung fliegen aus dem Fenster.

Aber auch Nüchternheit, Normalität und den Geist leugnender Atheismus.

Das Temporäre vergeht. Die Masken fallen. Die wilden 20er haben begonnen.

Alle Prophezeiungen hatten unrecht.

Die bleichen Priester zittern. Der Vatikan bricht auseinander.

Die Brücke brennt. Der Kaiserkeller bebt. Du riechst so gut. Angsthasen nicht zugelassen.

Fürchtet ihr euch?

 

(Schon mal über den Satz nachgedacht „Ich habe einen Johannes, ich bin nicht Johannes?“ Oder über den Satz „Der Diener steht nicht über dem Herrn“? In manche Frauen sollten Leute, die den passenden Namen nicht haben, ihre Schwänze auch nicht stecken. Ich jedenfalls heiße Patrick. Das kommt von Patricius, hergeleitet aus dem Lateinischen „Pater Ricius“ (Der reiche Vater). Und Pingel-Lateiner, die mir mit Mumpfgesichtern auseinandersetzen, dass das „der überfließende Vater“ heißt, schreie ich mit Hitlerstimme ins Gesicht: „Wo soll denn da der Unterschied sein? Lies mal die Bibel! Außerdem kommt das Wort „Reich“ von „Ricius“, „Überfluss“ „Fülle“. Das heißt aber weder „Da ist zuviel“, noch „Da ist genug für alle.“ Lass  deine Wasserbäche nicht auf die Straße verströmen. Erfreue dich der Frau, die du jung geheiratet hast. Aber sieh auch die Zeichen der Zeit. Die Ehe ist eine Fessel. Sie kettet an eine Institution. Egal, ob an einen Staat oder an eine Kirche. Und nackt tanzen kann man nicht so gut, wenn eine Hand an der Wand festgebunden ist.)

 

 

© by Patrick Rabe, 2021, Hamburg.

Tja. Provokativ wie immer ins neue Jahr. Wer hatte was anderes erwartet?

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Die Glaubens-und Liebesgedichte von Patrick Rabe sind mutig, innig, streitbar, vertrauens- und humorvoll, sie klammern auch Zweifel, Anfechtungen und Prüfungen nicht aus, stellen manchmal gewohnte Glaubensmuster auf den Kopf und eröffnen dem Leser den weiten Raum Gottes. Tief und kathartisch sind seine Gedichte von Tod und seelischer Wiederauferstehung, es finden sich Poeme der Suche, des Trostes, der Klage und der Freude. Abgerundet wird das Buch von einigen ungewöhnlichen theologischen Betrachtungen. Kein Happy-Clappy-Lobpreis, sondern ein Buch mit Ecken und Kanten, das einen Blick aufs Christentum eröffnet, der fern konservativer Traditionen liegt.

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