Hanns Seydel

DAS RITTERTUM


Die Ritterburg, sie raget hoch
aus des Tales tiefem Loch.
Fürstlich eingerichtet sind die Zimmer,
es funkelt überall der Prachte Schimmer.
Und prächtig sind Gelage,
die der Ritter richtet aus.
Herrlich wie in alter Sage,
die Gäste gehen aus sich raus.

Nicht schematisch ist des Ritters Denken,
denn Beweglichkeit ist ihn am Lenken.
Doch der Überzeugung feste Werte,
sie geben ihm die innre Stärke.
Des Charakters stärkste Kraft
erfüllt den Ritter stets mit Macht.
Wie ein unendlich rinnend` Saft
erfüllts den Ritter auch bei Nacht.

Dem Ritterorden, dem Deutschen Orden,
gehört der edle, edle Ritter an.
Im Rittertum ist nichts verdorben,
denn das Edle schlägt in seinen Bann.
Dort wirkt der allergrößte Wert
wie des Ritters wuchtges Schwert.
Gläubig immer Gott ergeben,
kann den Ritter nur das Best` bewegen.

Doch den Ritter drängts, zu reisen,
so ist er mehr als oft am Reiten.
Am Kreuzzug nimmt er teil,
im Kämpfen sieht er Heil.
Denn leitbildhaft gepräget
ist ein ehernes Gemüte,
dessen Feuerdrang verstärket
der Gerechtigkeiten Güte.

Jedoch, die Heimat immer ruft,
der Ritter will atmen bekannte Luft.
Zwar ist dort auch mancher Schuft,
doch der wird enden in der Gruft.
Die Verbundenheit zur Heimat
macht den Ritter niemals matt.
Dort, da kennt er jede Stadt,
sie zu rühmen, hat er niemals satt.

Der Ritter besteigt seinen Rappen,
auf seinem Harnisch prangt sein Wappen.
Ihm zur Seite ist sein Knappe,
der trägt `ne ledern wertvoll` Kappe.
Auf gehts jetzt zur Edelfrau,
die Minne erfüllt den edlen Ritter.
Sie bringt ihm Freude immer neu,
und Er, Er ist für sie Erneuerer.

Der Ritter kommt zur Edelfrau und sagt :
"Nach Dir, ich habe immer nachgefragt.
Mit Dir erlebe ich die hehrste Minne,
die Liebe spricht mit stärkster Stimme."
Die Edelfrau ist so entzückt,
dass sie gern wird oft beglückt.
Des Rittersmannes Feuer brennt
wie nichts Sonstiges in dem Geländ`.

Der Ritter ist flexibel,
die Edelfrau sensibel.
Im Rittertum herrscht hehre Minne,
und zwar vom allererst` Beginne.
Der Liebe höchst` Gefühle
bewirken schönste Schwüre.
Die Edelfrau wird hehr verehrt,
sie, nur sie der Ritter stets begehrt.

Der Fraue lange Beine,
oh, wie hüpfet seine Seele.
Der Liebe wunderbarst` Ergüsse
den Ritter läßt die Welt vergesse`.
Denn drängend driftet sein hoher Sinn
nach den wertvollst` höchsten Lüsten hin.
Die Minne ist im Rittertum
ein menschlich wirkend` Heiligtum.

Doch des Ritters Wesen ist der Kampf,
ihn zieht es zum  Turnier.
Er brodelt wie rauchend hoher Dampf,
ist fest wie stabiles stark` Spalier.
Der Turnierkampf ist gekommen,
es blitzen die Lanzen in der Sonnen.
Gegen der Lanzen hartem Stahl
wirkt alles Hölzerne schwach fahl.

Rüstungen wie pralle Panzer
die Ritter immer schützen.
Der Ritter ist ein Mann, ein ganzer,
seine Kraft weiß Jeder zu schätzen.
Diese Kampfkraft ist des Ritters Stütze,
sie brennt wie Sommers höchste Hitze.
Denn der Ritter ist und bleibt ein Kämpfer,
der niemals kennet einen Dämpfer.

Und Rittertum heißt Heldentum,
das stürmet wie der größte Sturm.
Da bleibet keine Stimme stumm,
kein Charakter dort ist krumm.
Doch in Turnieres herbem Kampfe
wird fließen der Gegnern Blute.
Der Kampf wird derart krasse,
dass vergessen ist das Gute.

Die Gegner sitzen jetzt hoch zu Ross,
auf den Rängen sitzt der Leute Tross.
Auge in Auge sehen sie sich an,
ihr Innres ist am Rasen dann.
Entfesselt ist ihr Will`, zu siegen
und Keiner läßt sich unterkriegen.
Der Rittern Herz schlägt immer höher,
die Entscheidung kommet mächtig näher.

Sie reiten erreget aufeinander zu,
verflogen ist jede und jede Ruh.
Die Pferde der Ritter, sie schnauben,
angstvoll verschwinden des Himmels Tauben.
Denn selbst Himmels alle Tiere,
sie sehen, dass wie wilde Stiere
die Ritter sind Kämpfer und stürmen wild,
es ist ein gefählich grauses Bild.

Der Rittern Kämpfe bracht` zum Weinen
die Fraun und Kinder herb zum Heulen.
Im Kampf, da gings um Leb` und Tod,
der Unterlegene sah Blutes Rot.
Doch Heldenmut ist Rittern eigen,
die Edelfrauen ihm sich neigen.
Die Ritterehre ist ein fester Wert,
der dauernd wird von Fraun begehrt.

Der Leidenschafte höchst` Bewegung
in des Ritters Seele war daheim.
Für hohe Wert` Begeisterung,
beim Ritter ist der Keim.
Gottbefohlen, unverhohlen
ist der Seele hoher Wert.
Der Ritter schleichet nicht verstohlen,
aufrecht geht er durch die Welt !



( E N D E )

Hanns SEYDEL, 01.01.2021 - 04.02.2021

( Werk 225 )



 

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