Aylin

Glaubenssache

Glaubenssache

 

Mit dem Glauben, das ist so eine Sache. Es gibt den religiösen Glauben in vielfältigen Mutanten, von der jede den Anspruch auf die einzige Wahrheit erhebt. Wir leben in einem christlichen Land. Ich glaube das nicht, denn, wenn eine alte Frau auf der Straße hinfällt, dann gibt es nicht viele, die ihr aufhelfen. Das ist nicht christlich. Aber unsere Regierung glaubt es, dass wir christlich sind. Und deshalb ist es auch so.

Das ist das, was ich mal „Alltagsglauben“ nennen möchte. Eine Art gesellschaftlicher Kodex, den man religiös hinterlegt und dessen Basis man das Gegenteil nicht beweisen kann.

Ich glaube das nicht, denn ich glaube nicht, dass es heute noch viel nutzen würde, meinen Mops auf dem Altar zu opfern, damit der Eisregen in der Eifel aufhört und unsere Freunde wieder vor die Tür gehen können. Außerdem weiß ich nicht, ob er ein Erstgeborener ist. Ist Glauben also nur das, was man nicht weiß oder nur das, was man nicht beweisen kann?

Glaube ich also an die Aufarbeitung der Kindesmissbrauchsfälle in der katholischen Kirche, wenn ein bleichgesichtiger Wölki in Köln Passagen des Gutachtens schwärzt und danach ein neues vorlegt? Glaube ich ihm, weil ich gläubig bin oder weil ich ihm das Gegenteil nicht beweisen kann? Glaubenssache eben.

Meinen Hunden glaubte ich - immer, weil sie nie Falsches an sich hatten und dazu über einen untrüglichen Instinkt verfügten. Mein deutscher Boxer zum Beispiel. Der liebte Kinder, aber der mochte den katholischen Pfarrer nicht und wollte ihm immer knurrend unter die Kutte. Dies inspirierte mich damals zu einem Limerick. Ich glaube, der ist unverschämt.

 

Den katholischen Pfarrer in Weiden,

den mochte der Boxer nicht leiden.

„Der ist aber groß, Herr!“

„Ja, stammt vom Mollosser.“

„Ach die! Warn ja immer schon Heiden…“

 

Kann man glauben oder auch nicht glauben. Man kann auch Merkel glauben, wenn sie sagt, dass man in der Coronastrategie keine Fehler gemacht hat. Viele haben ihr bereits geglaubt, damals, als sie sagte: Wir schaffen das. Denn beweisen können wir das Gegenteil nicht.

Beweisbarkeit ist etwas für die Juristen. Die katholische Kirche aber hat ihre eigene Gerichtsbarkeit, quasi eine Nebenjustitia neben dem Grundgesetz. Wenn mir das jemand erzählen würde, dann würde ich das nicht glauben. Denn das kann es ja gar nicht geben. Schließlich sind die Angestellten der Kirchen ja deutsche Bürger. Und für sie muss darum auch das Strafgesetzbuch gelten. Ich glaube aber nicht, dass unser Heimatminister das durchsetzt. Auch, wenn es dringend geboten wäre.

Zudem könnte eine andere große Religionsgemeinschaft, die sich hier im Land immer weiter verbreitet, auf ihre Rechte pochen. Die hat nämlich auch eine eigene Gerichtsbarkeit, die Scharia. Auf Grund des Diskriminierungsgesetzes könnten die auf die Idee kommen, dasselbe Recht auf eigene Justitia zu fordern wie die katholische Kirche. Ich glaube aber nicht, dass die das machen. Aber weiß man es? Also brauchen wir den mittelalterlichen Islam, um unsere mittelalterlichen Fragmente der katholischen Kirche zu reformieren? Ich glaube nicht. Aber ich kann mich auch irren…

So wie damals, vor vierzig Jahren, als ich im arabischen Ausland arbeitete und mich ein Scheich unbedingt heiraten wollte. Ich sagte, um ihn loszuwerden, dass ich einwilligen würde, wenn morgen ein roter Ferrari vor meiner Tür stünde. Ich hätte nie geglaubt…Als ich jedoch beim Frühstück am nächsten Morgen den roten Ferrari sah, da wusste ich, dass Glauben gefährlich sein kann. Ich schaffte es so gerade, meine Sachen zu packen, zum Flughafen zu fahren ( nicht im Ferrari) und in ein Flugzeug mit beliebigem Ziel in Europa zu steigen, das eine Stunde später abhob. Es war offenbar nur ein kleiner Scheich, keiner mit großer politischer Macht. Glück gehabt.

Seitdem bin ich vorsichtig mit dem Glauben, auch, wenn das eigentlich bedauerlich ist. Denn nie wieder in meinem Leben wollte mir jemand jemals wieder einen roten Ferrari schenken.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.02.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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