Patrick Rabe

Mystik

 

oder

Warum man den Maker nicht mieten kann

 

(für Andreas Vierk)

 

 

Und er führte mich rauf nach Nürnberg,

und sagte: „Ich will dir was zeigen.

Dort, wo sich nichts ballt und niemand eindringt,

da treffen sich Geister zum Reigen.“

 

Und er führte mich dorthin, wo Hitler einst sprach,

zum Reichsparteitaggelände,

es war niemand da, es lag alles brach,

doch dann stürzten um Tür und Wände.

 

Und es tummelte sich, und ein Massenauflauf,

weiß und kreischend, mit schreienden Augen,

von Göring und Goebbels nur mühsam gezähmt,

knieten witwengleich, Hölle zu saugen.

 

Und da brach er hervor und stand auf der Tribüne,

und er stürzte vornüber ins Brausen,

und mit schwarzem Gelächter riss er sie herab,

mich erfasste ein unendlich‘ Grausen.

 

**

 

Und er führte mich in die Mojave und sprach:

„Ist die Wüste dein Glück, das du suchst?

Du kannst ihn hier finden, nur wisse danach,

von welchen Konten du buchst.“

 

Und Bob Dylan kam zu mir, und sagte: „Mein Freund.

Komm, ich zeig dir den Joshua Tree.

Weil dort stets für jeden die Wahrheit aufscheint.“

Er zeigte ihn mir und sprach: „Sieh!“

 

Da wurd‘ ich von Freude so tief übermannt,

und schwarzgelbe Horden, sie ritten,

stampften über die Wüste, und mich in den Sand,

doch ER stand gütig-mild in der Mitten.

 

Und Bob wurde bleich: „Sag, wer bist du, mein Freund?

Das hat nicht mal Bono gesehen!“

Ich sagte: „Ich bin es, von dem es dir träumt,

komm, lass uns ein Stück des Wegs gehen.“

 

**

 

 

 

Da sahen wir Bono mit leuchtendem Scheck:

„Meintet ihr, die Tarantel zu zähmen?

sie wartet auch euer, sie war nur kurz weg,

doch ICH hätt‘ gern meine Tantiemen!“

 

Da fragten wir beide: „Die deinen? Warum?

Wir haben doch selbst hergefunden!“

„Das stimmt.“, sagte er, „Das Gedicht ist nicht dumm,

doch ihr habt zuviel damit verbunden.

 

Und es war mein Erwachen  am Joshua Tree,

seitdem bin ich Paul, nicht mehr Bono,

wer eindringt und ballt, sieht Wahrheiten nie!

Überweist bitte an Yoko Ono.“

 

Da kamen auch John und Jim an den Ort,

und zwei Reiter, ein schwarzer, ein gelber,

die sagten: „Wo ist Yoko? Masken nun fort!“

Bono lächelte: „Ich bin es selber.“

 

***

 Und ein bleiches und dünnes Chinesengesicht,

das grinst: „Ich hab nie wen geschont.“

Und es öffnet den Mund: „Seid nun ihr mein Gericht!“

Und es saugt alle tief in den Mond.

 

*******

 

Und nur ich blieb zurück, und da stand sie vor mir,

und sie lächelte. „Du?“ „Ja, genau.“

Und sie fragte: „Nur eins noch. Was siehst du in mir?“

„Ein Mann“, sagte ich, „ist keine Frau.“

 

 

*

 

 

 

 

 

© by Patrick Rabe, 8. Februar 2021, Hamburg.

Schwarzgelb ist nicht nur eine Wespe und eine Koalition zwischen CDU und FDP. Sondern auch die mongolischen Reiter unter Dschingis Khan. Man bringt ihn in der geschichtlichen Gesamtwahrnehmung auch oft mit Attila, dem Hunnenkönig zusammen, der als Etzel auch im Nibelungenlied erwähnt ist. Ob Hunnen und Mongolen dasselbe sind, und wer da während der eroberungskriege in der Völkerwanderungszeit voranritt, darum mögen sich Historiker, und nicht Dichter kümmern. Leider wird ja mittlerweile sogar die Völkerwanderung als Solche angezweifelt. Und da muss ich dann, auch wenn ich Dichter bin, doch zumindest als Bildungsbürger modernen Historikern ihren allzu schnell rollenden Rädern in die Speichen greifen und ihnen sagen: "Die wanderten ja auch nicht. Die wurden gejagt." Manchmal lohnt es sich, Worte noch zu verstehen. Und Innehalten lohnt sich auch immer. Besonders, bevor man freimütig verkündet: "Dieses oder jenes aus der Geschichte der Menschheit hat gar nicht stattgefunden."

 

Der Joshua Tree in der Mojavewüste (ein großer Kaktus) ist ein „Baum“, an dem in der Tat schon viele Menschen mystische Erfahrungen gemacht haben. Unter anderem Jim Morrison, Bob Dylan und Bono. Sie variieren, je nachdem, ob man staunend davor stehen bleibt, dann anfängt, über das Wunder, das man sieht, zu reden, oder ob man ein Stück von dem Kaktus abschneidet und isst. Vor allem Hippies in den 1960ern dachten ja, in allen Kakteen seien halluzinogene Säfte. Der Joshua Tree ist ein Naturdenkmal. Wenn man ein Stück aus ihm herausschneidet, isst, und schaut, ob man dann halluziniert, ist er vor allem eins: Nicht mehr ganz.

 

 

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