Karl-Konrad Knooshood

Reine Koinzidenz in Zeiten von


 

Ich hab mich nur verlaufen,

wollte Zigaretten kaufen,

und landete auf dieser schmucken Eisenbahnbrücke,

und wenn ich mich geschwollen ausdrücke:,

Erpicht auf die pittoreske, illustre Aussicht,

war ich, was mich spontan bewog,

so es mich, hastig wie im Flücht',

direkt über die Schienen zog,

- ungelogen, Herr Wachtmeister!,

 

Diesen neuen Messerblock gab's bei WMF,

in unsrer Küche bin ich Koch und Küchenchef,

- wie's halt so ist, gibt schon mal Streit,

allzu schnell läuft man mal hinein,

in solche Klingen, liegen sie verstreut,

und nicht im dazugehörigen Messerblock,

alle Gerätschaft ist sicher sonst vertäut,

doch das viele Blut ist doch ein Schock,

Ein Malheur, Missgeschick, ich schwör,

Woher 's rührt und kommt?,

Da fällt Antwort prompt,

schwer, doch man steckt nicht drin, daher…,

tja…,

Herr Kommissär…,

 

Der Autoauspuff schien defekt zu sein,

ich als Laie dacht: Na fein, ich blas da rein,

da wurd mir schummrig bei, sehr übel,

meine Lunge wirkt extrem sensibel,

da lag wohl die Ohnmacht nah,

sowas passiert! Wer kontaktiert denn gleich,

die Werkstatt, was Unfallursach', Fehler war,

und ich bin ja nun nicht steinreich,

ob des nicht unnötig prassen,

sondern selbst die Finger von lassen,

das hab ich nun gelernt,

Herr Doktor, ich wüsst' zu gern,

wieso ich hier bin,

und entfern'n Se das Bettgespinst…,

 

Blattschuss geben wollend pirscht' mich an,

auf heißer Fährte, tief im Tann,

an das, das ich hielt für 'nen Fasan,

- doch mein Staunen dann,

kaum nicht auf Daunen heran:,

Sorry, Herr Richter, ich seh es genau,

mir schien der bunte Vogel wie ein Pfau,

- eine Drag-Queen wie zu Karnevals Helau,

respektive ein Mann, staffiert wie 'ne Frau,

Mich trifft 's wie Fuchs im Fuchsenbau,

mir tut's leid, ein Unfall – bitte nicht in den Bau!,

 

Mein eignes Blut machte 's Hemd mir nass,

im Grunde war's ein dummer Spaß,

ein Blick zu tief ins volle Glas,

von der Rolle, außer Kontrolle durch Gras,

verschafft' ich mir 'nen Aderlass,

da ich im alten Buche las,

dass Entspannung brächte das,

Natürlich verlor ich's rechte Maß,

da abzubinden ich vergaß,

End of Story, Doktor, ja, das war's,

Ich ahn', wie's für Sie wirken muss:,

"Der Junge hatte arg Verdruss,

und wollte ziehen blut'gen Striches Schluss",

doch das ist Kokolores, Tinnef, Stuss…,

tja, das…,

 

Die Schlange war bei mir, anmutig schlängelnd,

und ich mag's nicht, 's Tier zu gängeln,

mich packte nur der Übermut,

bekanntlich: Der tut nicht gut,

Ich wollt' sie zum Spielen, Apportieren animieren,

das kriegte sie wohl in den falschen Hals,

nun ist mir klar, im Fall des Falls,

nimmt 's dies Vieh als Provozieren,

und beißt dann giftig zu,

schon fiel ich in ewige Ruh…,

 

Wie das so ist: Wenn man in der Wanne splentert,

schon mal das Spielzeugbötchen kentert,

ist der Spaß auch stark geentert,

Sie wissen ja, wie's einen dann verändert,

Man lehnt sich mit dem Kopf an den Rand,

- und jäh einem das Mütchen schwand,

Der Wasserstand, höher, gemächlich,

bis er sehr beträchtlich,

- das rächt sich, man wacht auf,

das Verhängnis nimmt seinen Lauf,

man ertrinkt beinah – in eigner Wanne!,

"Die Wanne ist voll, uh-hu-hu…,

 

Es lief wie folgt: Ich hatte heftige Kopfschmerzen,

die wollte ich schleunigst kräftig ausmerzen,

Mit solchem Ungemach ist nicht zu scherzen,

man werfe keine Nebelkerzen,

Kurzerhand nahm's Pillendöschen ich zur Hand,

da, wenn schon mal ein Zipperlein will reizen,

darf man mit Methoden nicht recht geizen,

also 's Mäulchen weit aufspreizen,

das Pillenpfund in den Schlund, Magen fand,

Spät drauf wurd mir komisch hin bis elend,

was wohl an der Tablettenmenge lag,

die Kopfschmerzen wichen zwar umgehend,

doch dann fiel ich in trübe Ohnesmacht,

Als ich erwacht, in Ihrem Krankenhaus,

in dieser Psychiatrie, ans Bett gebunden,

sah das für Sie, Herr Psychoarzt, anders aus,

als hätt ich einen Weg gefunden,

aus dem Leben zu scheiden,

Nun, dies Missverständnis, guter Arzt,

wollt' ich unbedingt vermeiden,

doch jetzt bin ich ja angebunden…,

 

Ich weiß nicht, was ich mir gedacht hab,

als ich einen miesen Gag gemacht hab,

das falsche Genderpronomen nahm,

was nicht allzu gut ankam,

Genderisten, Feminist*innen liefen Sturm,

doch ich bin unter Fernerliefen – Mini-Wurm,

und hab's echt nicht so gemeint,

in meiner Zelle still geweint,

Nun, Herr Henker, walten Ihres Amtes Sie,

ich hab's verdient, für meine Tat gibt’s kein Pardon,

kein Fall für Chance auf Amnestie,

Mein letzter Wunsch: Begrabt mich in 'nem AMAZON-Karton,

 

Mir ist da – aus Versehen,

was ziemlich Dämliches geschehen,

Ich möchte nicht auf Quoten eingehen,

denn ich kann's gar nicht einsehen,

wieso man wen aufgrund irgendeiner Eigenschaft,

(ausgenommen Behinderung, wo Lücke klafft),

bevorzugen sollt', für die er nichts kann,

Nur weil er eine Sie oder ein Mann,

oder Migrant oder schwarz statt Weißer,

oder ein polyglotter Globetrotter oder Rio-Reiser,

meine Prio eher einfach ist, bemisst,

sich an reiner Qualifikation,

ein wenig spielt auch Sympathie eine Rolle,

Ich steh nicht auf Zwang und Drangsal,

komme, was da wolle…






(25.01.2021)(C) 2021 - Morke Mooshood/Knorke Knooshood



Stulle: Was ist das hier, Knorke? Eine Mischung aus Mord- und Selbstmordballade?

Knooshood: Nein, eine halbironisch gemeinte Auseinandersetzung mit "Koinzidenz" und "Unfällen" oder
diversen Versuchen, seinem eigenen Leben (seltener dem anderer) ein Ende zu setzen. Gedanken, die in
diesen trüben Zeiten jedem kommen (können)...

Stulle: Das mit den vielen Kopfschmerztabletten gegen Kopfschmerzen kommt mir bekannt vor...

Knooshood: Das ist aus der Verfilmung eines autobiografischen Romans einer jungen Dame, die in den
1960ern in die Psychiatrie eingeliefert wurde, nachdem sie versucht hatte, sich durch die Einnahme einer
krassen Überdosis Kopfschmerztabletten umzubringen. Ich fand den Satz witzig, den die
Hauptdarstellerin des Films ("Durchgeknallt", 1999), WYNONA RYDER, in ihrer Rolle sprach, als sie auf
das Warum ihres Selbstmordversuchs angesprochen wurde: "Ich hatte Kopfschmerzen!" Sie hatte ihre
Erkrankung nicht wahrhaben wollen, es war wohl Borderline mit selbstverletzendem Verhalten und Co.
Etwas, das in diesen Zeiten wieder vermehrt auftreten kann. Der Versuch, dem Traurigen, Tristen, Üblen
noch etwas Positives bzw. wenigstens leidlich Witziges abzugewinnen.

Stulle: Es bedürfte einer Triggerwarnung, nicht wahr?

Knooshood: Was? Etwa einem "Don't try this at home!" oder "Bitte nicht nachmachen, liebe Kinder!"? Wir
sind doch alle erwachsen! Niemand wird sich doch wohl ernsthaft was antun wollen auf Basis DIESER
Zeilen?! Das wäre ja hirnrissig. Brächte man sich nach einem HELENE-FISCHER-Konzert um? Wäre das
so die Musikrichtung dafür? Wohl eher nicht, nicht wahr?

Stulle: Man kann nie wissen. Was ist nun Deine Botschaft?

Knooshood: Ich finde, Storys und Gedichte müssen nicht immer eine Aussage/Botschaft haben. Der
verkrampfte sozialkritische oder gesellschaftskritische Einschlag meiner üblichen Bedeutungsschweren
findet hier nicht statt.

Stulle: Danke für das Gespräch, Knorke.

Knooshood: Immer wieder gern, Stulle.
Karl-Konrad Knooshood, Anmerkung zum Gedicht

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