Patrick Rabe

Die Briefkastentante von Stephen King

(für Thees Uhlmann)

 

Ich kenne eine Frau,

die wohnt schräg hinter einem Deich,

und manchmal (eher oft), wünsch ich,

wir hätten uns gereicht.

Wir küssen uns in Träumen,

und seh’n uns virtuell,

der Bildschirm leuchtet,

„Hölle“ heißt auf friesenenglisch „hell“.

 

Thees Uhlmann macht `ne Platte,

während Jane die Fliesen putzt,

ich zitter‘ heimlich um ihn,

weil man Menschen nicht benutzt.

Auch nicht, um zu verbinden,

was sich lange nicht mehr fand,

und draußen vor dem Fenster

sieht man ein Wüstes Land.

 

Thees malt so wie Bob Dylan

desperat,  „Time out of mind“,

die Dinge fliegen weg um ihn,

und doch, die Sonne scheint;

und Hamburg und Hannover,

Klein Rönnau und Berlin

verbinden Autobahnen,

darauf kann man entflieh’n.

 

Soll man nun Hitler danken,

weil er sie ja gebaut?

Evangelisch hat `ne Grenze,

ein Hund schlicht nicht miaut.

Und Allversöhnung klappt auch nur,

wenn man besoffen ist,

ich glaub, ich fahr zu Thees mal runter,

ich bin wohl doch kein Christ.

 

Ich setz mich auf mein Motorrad,

und sehe Riesenspinnen,

die Schleswig Holstein zurr’n in Netze,

ich fahr mit off’nen Sinnen.

Und LSD fliegt aus dem Fenster

meiner Augen fort,

begeht in einem Hinterhof

als Axtmörder `nen Mord.

 

Und „Redrum“ steht an Wänden,

und Carries Mutter kreischt,

und Carrie wird nackt aufgespießt,

denn sie ist eingefleischt,

um nicht zu sagen: inkarniert,

doch ihre 12 Dämonen,

die richten noch ein Blutbad an,

sie werden niemand schonen.

 

Ganz knapp verpass ich Thees‘ Konzert,

es sieht sich, was sich liebt,

drum sehe ich vor Lübeck,

wie man Flüchtlinge abschiebt;

ansonsten eine Zombiewelt

aus alten Pappkulissen,

die Lindenstraße ist da auch,

gleich ganz kurz hinter Rissen.

 

Und Christus kommt wie immer spät

mit seinem Rasenmäher,

er erntet Stoppelfelder ab,

es ruft ein Eichelhäher.

Bei Kurzhaarfrisen liebt man nicht,

was Tocotronic hassten,

die Diktatur will’s raspelkurz

für all die Angepassten.

 

Ich seh‘ kurz auch Bob Zimmerman,

sein Motrorrad fährt schneller,

die Küchenuhr bei Uhlmanns tickt,

Spaghetti auf dem Teller.

Ein Scharfschütze legt auf mich an,

 da gibt es einen Knall,

so war’s in „Easy Rider“,

es war kein Bootsunfall.

 

Ich fühl mich so wie Kubrick,

„Weltraum 2001“,

ich kessel durch die Grenze,

und seins und meins wird deins.

Ich lege es ins Gaspedal,

in meinen Penis groß,

adrenalingepeitscht als Baal

leg ich’s in deinen Schoß.

 

 

© by Patrick Rabe, 14. Februar 2021, Hamburg.

 

Dieses Gedicht ist eine späte Hommage an Thees Uhlmanns Album „Junkies und Scientologen“. Ich hatte, als es rauskam, schon mal eine geschrieben. Letztendlich ist es aber auch noch ein bisschen mehr als das. Es ist eine Reflexion über die wirren, anstrengenden und hammerharten, wenn auch mit  „Joys and wonders“ angefüllten letzten drei Jahre. Und über die Tatsache, dass man Winke mit dem Zaunpfahl manchmal erst versteht, wenn Dr. van Helsing sie einem schon in der Gestalt von Vampirjäger Geiermeier als Holzpflock ins Herz getrieben hat. Zum Glück ist das oft beidseitig. Einsame Frauen und Männer hinter DEICHEN gibt es viele. Dennoch bin ich der Ansicht, dass man deswegen nicht über wahllos viele LEICHEN gehen sollte. In HH fahren U-und S-Bahnen von Nord nach Süd und umgekehrt. Ich halte es für eine draculaeske Fehleinschätzung, dass „die Mächte der unsterblichen Zeit aufgehalten werden können, wegen eines einzigen Ziels.“ Oder, man könnte sagen… kommt auf das Ziel an. Einige „Bestellungen beim Universum“ können das Universum auch überstrapazieren. Besonders, wenn es intakte Bahnverbindungen gibt. Kurzhaarfrisen sind übrigens was anderes Kurzhaarfriesen. Beide passen sich an irgendetwas an. Der Kurzhaarfriese an die s-teife Brise und die Kurzhaarfrise an des Müllers Lise. Ich gehöre daher ganz klar nicht zur „Diktatur der Angepassten“ (ein Blumfeld-Song), sondern zum anarchistischen Freistaat der Langhaarigen.

 

© by Patrick Rabe, 2021.

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