Patrick Rabe

Die schönste Perle

Die schönste Perle

 

Und der Teufel nahm mich mit in die heilige Stadt

und ging mit mir in ein Juweliergeschäft.

„Du hast alle Prüfungen bestanden.“, sagte er.

„Du kannst die schönste Perle haben. Sogar umsonst.“

Und er zeigte mir den glänzenden und funkelnden Laden

mit seinen Diamantenringen

und den blonden und goldenen Nixen und Nereiden,

die sie mir hinhielten,

und zuckersüß lächelten.

 

Da ging ich hinaus, denn das Licht war mir zu hell,

und ich sah dort nur Goldstaub und Plastik.

Und auf der Straße, im Dunklen der Stadt regnete es,

und ich atmete den Regen ein.

Und ich beugte mich nieder,

weil ich etwas im Rinnstein funkeln sah.

Es war eine kleine, wunderschöne Perle aus Perlmutt.

Ich hob sie auf, und strahlte über das ganze Gesicht.

„Da bist du ja.“, sagte ich.

 

Der Teufel war in der Tür des Juwelierladens stehen geblieben

und räusperte sich jetzt ungeduldig.

„Kommst du jetzt?“, fragte er.

„Ich hab hier eine Perle entdeckt,

die sogar mir gefällt.

Aber eigentlich will ich den ganzen Laden.

Also beeil‘ dich!“

 

Als ich immer noch nichts weiter tat,

ging er in den Laden zurück,

holte die Perle und hielt sie in die Höhe.

Da erfüllte sie die ganze Einkaufspassage

in der heiligen Stadt

mit ekelhaftem, bunten Plastiklicht.

 

„Geh wieder rein.“, sagte ich. „Diese hier ist schöner.“

 

Und der Teufel lachte wie ein Doofkopp

und schüttete sich aus.

„Höhöhö. Höhöhö.“

Und dann ging er zurück in den Juwelierladen

und kaufte ihn ganz.

Und alle Frauen im Juwelierladen

wurden genau so dämlich wie er,

und sie machten darin

eine Hochglanzidiotenparty.

 

Ich aber nahm meine Perle hoch,

sah sie strahlend an und küsste sie,

und lief singend und tanzend

mit ihr durch den Regen.

 

***

 

 

© by Patrick Rabe, 15. Februar 2021, Hamburg.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.02.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Die Glaubens-und Liebesgedichte von Patrick Rabe sind mutig, innig, streitbar, vertrauens- und humorvoll, sie klammern auch Zweifel, Anfechtungen und Prüfungen nicht aus, stellen manchmal gewohnte Glaubensmuster auf den Kopf und eröffnen dem Leser den weiten Raum Gottes. Tief und kathartisch sind seine Gedichte von Tod und seelischer Wiederauferstehung, es finden sich Poeme der Suche, des Trostes, der Klage und der Freude. Abgerundet wird das Buch von einigen ungewöhnlichen theologischen Betrachtungen. Kein Happy-Clappy-Lobpreis, sondern ein Buch mit Ecken und Kanten, das einen Blick aufs Christentum eröffnet, der fern konservativer Traditionen liegt.

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