Hanns Seydel

HÖHEPUNKTE DER VÖLKERWANDERUNG


Es war noch vor dem Mittelalter,
als Veränderung war stärkst` Gestalter.
Das mächtge Westrom war im Untergang,
die Germanen warn im Vorwärtsdrang.
Die Langobarden warn im Aufruhr,
in andre Länder wollt` sie nur.
Doch die Markomannen warn die Ersten,
die ihr` Heimat donnerhaft verließen.
Und Marbod, ernster Fürst der Markomannen,
war der Erst`, den konnte nur der Aufbruch bannen.

Wie wenn Wotan wildest wüten würde
in der Götter weitem Reiche,
warn diese Zeugen herbster Kriege,
doch die Verlierer scheuten keine Bürde.
Wie trümmerhaft zurückgelassen
war die einstge hehre Heimat.
Einsam, grauenhaft nur elendig verlassen
warn Häuser leer, die zeugten von frührer Tat.
Kreidebleich warn ihr` Gesichter,
denn beim Aufbruch sahn sie keine Lichter.

In Asgard, dem Götterreich, war Götterdämmerung,
in Midgard, dem Erdenreich, war Völkerwanderung.
Odin, Fricka, Thor und alle Göttinnen und Götter
sahn, dass in Midgard Alles wurde schlechter.
Denn in Midgard, der irdschen Völker Reich,
Unruh` war entstanden ohn` Vergleich.
Die Germanen warn in Angst und Schrecken,
befürchteten, die Götter ließen sie verrecken.
Aber deren Ängste konnte nicht verhindern,
dass am End` zum Guten Alles wird sich ändern.

Doch vorher, Horden von Hunnen fielen metzelnd ein
in ganz Europa weit und breit - schauderhaft !
Viele Völker wollten traurig nicht mehr sein
in der geliebten Heimat - grauenhaft !
Die Hunnen warn Berserker,
die wurden krass und krasser härter.
Ihr extremer Hange zur Gewalt
hatte schlimmste, schrecklichste Gestalt.
Bestialisch waren ihr` Methoden,
so wollten sehen nur die Toten.

Attila war nicht zu bremsen,
er war maßlos machtversessen.
Er dachte nur ans Herrschen
über viele, viele Menschen.
Versteinert war sein eisenhartes Herz,
Mitleid kannt` er nicht mit jedem Schmerz.
Und Aufbruchstimmung wie noch nie
zwang manche Mächtge in die Knie.
Doch die Völker wollten trotzdem wandern,
ihren Lebensraum für immer ändern.

Sie zogen aus bei klirrend` Kälte,
doch sie trotzten Winters Härte.
Wortgewaltig rief des Aufbruchs Führer :
"Das Ziele zu erreichen macht uns kühner,
und dieses zu erreichen, wir gelobten."
Und unendlich stärkste Stürme total tobten,
als des Aufbruchs heiß ersehneter Beginn
erfüllte den lang bedachten ernsten Sinn.
Der Aufbruchstimmung starke Absicht
jeden Widerspruche strengstens bricht.
 
Jetzt waren sie krass ausgesetzt
des Wetters derber Ungestalt.
Regen hatte Alles arg benetzt
und Winde zeigten ihr Gehalt.
Sie kamen zu der Meere breitem Ufe`,
dort, wo nirgends ist `ne rettend` Stufe.
Sie rochen der Meerluft herbe Kälte,
doch ihr Sinnen war das Weite.
Wenn der Meere Kräfte auf sich bäumen,
dann wird Keiner mehr dort säumen.

Denn der Nature stärkste Zähne,
immer sind sie bohrend zähe.
Der Nature allerderbeste Gewalten,
ausgeliefert warn der Völker Wanderern.
Regen, Sturm und strömend` Hagel,
nicht konnte hemmen ihren Weg.
Und unveränderlich wie nur der Nagel,
sie gingen sicher über engsten Steg.
Auch trotz Nebel, die Völker wanderten
und Nichts konnte Ihren Sinne ändern.

Sie begegneten Gestalten,
mit ei`m schrecklichen Verhalten.
Ihn` kam` entgegen wildest` Tiere,
Löwen, Tiger, Panther und auch Stiere.
Doch stark wie Stahl ist stärkster Wille,
der vorwärtsdrängend in der Eile
in des Eifers höchster Schnelle
schwebet auf der höchsten Schwelle.
Gigantisch niederschmetternd sind Gebilde,
die schildern der Dramatik donnerhaft` Gemälde.

Doch auch des Raubtiers derbe Krallen
ward nicht beacht`, und das von Allen.
Denn der Gedanken weiter, weiter Reichtum,
sie beflügelte, im Drange dort war Keiner stumm.
Und in Euphorie erschallten ihre Stimmen :
"Lasst Uns jedes Hindernisse stämmen !"
Doch donnernd krachend ist die Wut,
die rasend stürmt in jed` Gemüt,
wenn Gewitters krasse Wogen,
stürmisch heuln in hohem Bogen.

Auch dumpfer Moor und tiefste Sümpfe,
die verbreiteten die ärgsten Dämpfe,
sie konnten halten niemals auf
des Vorwärtsdranges größten Lauf.
Sie riefen an die hehren Götter,
die sollten sein in Not der Retter.
Sie scheuten nicht des Wetters Wilde,
denn das Ziel sollt` formen das Gebilde.
Und bei allen Bergen eckigst` Klüfte`,
sie genoss` das Wehn der lauen Lüfte.

Und wieder wütet düster das Gewitter,                    
das vertreibt das schöne helle Wetter.
Entgegenkrachend sind des Sturmes Kräfte,
die Natur zeigt ihre größten Mächte.
Und wieder an Meeres Ufer angelangt,
rastend an sei`m breiten Strand,
um den Legenden haben sich gerangt,
zogs trotzdem weiter sie ins ferne Land.
Wohlbehalten war dann dort die Ankunft,
es wartete `ne befreit` gelöste Zukunft.

Des Gedankenreichtums weites Schweifen
die Völkerwanderung hat ausgelöst.
Denn des Vorwärtswillens langes Reifen
hat den Freiheitsdrange noch versüßt.
Und wo wuchtig wirket größt` Veränderung,
da kann Vieles komm` zur Besserung.
Immer edel ist des Friedens Wille,
denn Der, er zeugt von höchster Helle.
Stets mächtig wirkt es stark apart,
wenn Geist und Wille sind gepaart.

Die Wanderer der Völker, endlich kamen
zu den Geländen in dem neuen Land.
Erleichtert waren dort die Damen,
sie sonnten sich am neuen Strand.
Und Attila konnt` nicht verhindern,
dass die Völker wollten ändern
ihr böses Joch, also hieß es: Wandern
bis zu der Europa Ländern Rändern.
Doch Wehmut erfüllte die Wandrer, sie,
wenn sie an ihr` Heimat dachten, die.



( E N D E )
Hanns SEYDEL, 13.02.2021 - 17.02.2021
( Werk 230 )


Hinweis : "Wotan" (2. Strophe) war die südgermanische Bezeichnung für "Odin" (nordgermanisch)



 

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