Hanns Seydel

A R T E M I S


"Freude war in Trojas Hallen,
Eh die hohe Feste fiel;
Jubelhymnen hört man schallen,
In der Saiten goldnes Spiel;"
( Anfang von Schillers "Kassandra")




Sie war die Göttin der emsgen Jagd,
bewundert von jeder einzeln` Magd.
Denn ihre Schnelligkeit war brausend wild
und zum Schutze trug sie einen Schild.
Zeus, der frühen Griechen Götter König,
sein` erst` Geliebte kam von den Titanen :
Leto, nymphoman, sie war der Lust nicht wenig,
Artemis, sie konnte nur von ihr abstammen.
Sie war nicht nur die Göttin des weiten Waldes,
sondern auch des riesig weit` entfernten Mondes.

Pallas Athene, Göttin der Weisheit und Strategie,
war ihre Schwester und Artemis vergaßet nie,
dass sie beide waren Kämpferinnen,
denn sie waren beide Jägerinnen.
Ares und Apollon warn ihr` Brüder,
die gerne sahn die schöne Schwester.
Ihre Schwestern waren kräftig,
des Wagemutes dauernd mächtig.

Und Pallas und Artemis gemeinsam sahn,
wenn Gefahr dem Olympe sollte nahn.
Artemis trug spitze starke Riesenpfeile,
die wuchteten wie hoch geschwungne Beile.
Deren Schärfe war so scharf wie Keile,
Wer sie sah, entfernte sich mit hastger Eile.
Ihre Speere stießen sie in Feindes Brust,
vorbei war deren Sieges eitle Lust.

Der Wald war der Artemisen Heimat,
und wenn sie sah der Jägern jähe Jagd,
niemals ward sie schwächlich matt,
sie schützte diese wichtge Statt.
Denn im Walde kanns gefährlich sein,
wenn Tiere unheilvoll sind nicht mehr fein.
Wolf und Leopard greif` an den Puma und den Tiger,
doch der Löwe und der Panther, die sind Sieger.

Mammutkräfte sind am Wirken stärkstens,
wenn übermächtig ist der Strom des Willens.
In Artemis, wie bei Athene, brannt` ein Feuern,
das sie vorwärts trieb und sie war am Steuern.
Tiefverwurzelt war der Artemisen Drang,
sich zu bewegen in rasantem Gang.
Wie ein Vogel flog sie über Wälder,
durchstreifte schnellstens alle Felder.

Für Männer hatte sie nichts übrig,
sie zu achten, war für sie nur müßig.
Im Olymp war sie nicht die Einzige,
für die Alleinsein war das Richtige.
Hestia, die Göttin des Herdfeuers,
verzichtete ebenfalls auf Zweisamkeit,
so wie auch Athene allen Ernstes,
denn sie wollten absolute Freiheit.

Ares, der schon Aphrodite hat verführt,
vor Liebe brennend, hätt` sie maßlos gern berührt.
Doch Artemis blieb unbeweglich ungerührt,
wie sehr sich Ares auch hat viel bemüht.
Artemis war Hüterin der Frauenehre,
für oberflächlich Denkende `ne Lehre.
Denn wertvoll soll nur sein Begierde,
auch wenn man wild ist wie ein Stiere.

Über Tiere war sie weise Herrin
und war gut zu ihnen von Beginn.
Bei ihrem Streifen durch den Wald,
des Waldes Tiere kamen bald.
Dem so lieblich blickend` Reh,
sie verhindert, dass ihm tat `was weh.
Ob der Dachs, der Fuchs, der Biber,
Eichhörnchen, sie wurd` ihr immer lieber.

Es warn die hehren Horen,
die Göttinnen der Zucht und Ordnung,
die ihr dauernd warn gewogen
und sorgten für ihr` Schonung,
wenn Zeusen war entrüstet,
als Artemis sich hat gebrüstet,
lieber als im Olymp sei sie auf Erden,
wo sich zeiget ihres Streifens Stärken.

Mit Hekate, der Göttin der Magie,
die alten Griechen hatten sie verglichen.
Denn Artemisens Kraft versiegte nie,
wenn dies sahn die Götter, sie erblichen.
Und es war des Mondes Göttin schön` Selene,
die war der Artemisen hehre hell` Cousine.
Auch Helios, der Herrscher über Licht und Sonne,
war mit ihr ganz eng verwandt und hatte Wonne.

Und Orion, der Riesen größter Jäger,
mit Artemis, er jagte früher und auch später.
Doch Orion, er wollte töten alle wilden Tiere,
Löwen, Tiger, Panther und auch Stiere.
Da kam heran ein giftiger Skorpion,
der brachte um den wild gewordnen Orion.
Sowohl Orion, als auch der Skorpion,
ein Sternbild am Himmel war ihr Lohn.

Die Giganten, ein riesenhaft` Geschlecht,
den Olympos hatten angegriffen.
Gration, ein Riese, der war nie gerecht,
von Artemis mit Pfeilen ward getroffen.
Herakles, des Olympens brausend` Kräftigster,
gab Gration den letzten Stoß als Mächtigster.
Kallisto, als Nymphe der Artemis Begleiterin,
sahs voraus, sie war `ne hehre Seherin.

In der Epiklese, der Götteranrufung der Antike,
da war Agrotera der Artemisen Bei-Name.
Selbst Göttermutter Hera bewunderte ihrn Stile,
der immer frei war von jed` herbem Grame.
Mit Schwester Pallas war sie Hoffnungsgöttin,
für Tier und Menschen in der Not die Retterin.
Agrotera Artemis, auf Münzen wurde abgebildet,
in Ephesos von manchen Griechen angebetet !



( E N D E )
Hanns SEYDEL, 18.02.2021 - 21.02.2021
( Werk 231 )


"Ihre bleichen Larven alle
Sendet mir Proserpina;
Wo ich wandre, wo ich walle,
Stehen mir die Geister da."
( aus Schillers "Kassandra" )

Hinweis :
Die Zitate aus Schillers "Kassandra" sind insofern sinnvoll, als Artemis aufgrund ihrer Männerfeindlichkeit mit Kassandra die Jungfräulichkeit gemeinsam hatte. Daher waren sie bei den frühen Griechen weniger beliebt als andere Göttinnen/Frauen in der Mythologie. - Hanns Seydel




 

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