Lea-Sophie Schock

Rotes Licht

      Gestohlene Zeit /
    Rotes Licht /
  Geruch von brennendem Salbei /
Eine Schwachstelle, wo ein Panzer sein sollte –

    Kerzenlicht und Perlen auf nackter Haut
Geflüsterte Wahrheiten, verkleidet als Lügen
      im Deckmantel des erhitzten Gemüts

Ersticktes Feuer, heiße Glut
und kalte Lippen

          Zwischen Liebkosungen und vorgeschützter Kälte

     Wenn selbst zwei Flaschen Wein
   nicht mehr ins Gewicht fallen,
weil der Rausch ohnehin schon zu stark war -

Zusammen tanzen, Glück im Moment suchen,
      während zerbrochene Wünsche
   wie Scherben am Boden liegen
und sich mit jedem Schritt in die Fußsohlen bohren

     Du kannst mir nie geben, was ich brauche,
          was ich verdiene,
                und ich werde nicht nochmal in die Falle tappen und es von dir verlangen -
Weißt du nicht, dass ich den Wunsch trotzdem nicht unterdrücken kann?

Keine Erwartungen?
        Was für eine hohle Lüge, wie durchschaubar, kennst du mich denn gar nicht nach all der Zeit -
   Ich kann nicht mit dir sein, ohne die Erwartung zu haben, dass du mir gehörst.

Schutzpanzer?
        Mein Herz liegt da, offenbart, in der Asche deiner Zigarette, schau nach unten –

Reife?
       Meine Augen sind vergitterte Fenster, dahinter kämpft
    ein verlorenes Kind verzweifelt nach einer Möglichkeit, auszubrechen und
   von dir bemerkt zu werden.
Doch du schaust nicht in meine Augen –

Kälte?
        Ich habe Öl getrunken und bin
    deinen Funken zu nahe gekommen,
         stehe innerlich in Flammen,
                              die letzten Jahre sind ausgezeichnetes Brennmaterial –

Doch ich bin weise, das kannst du mir nicht mehr nehmen, ich bin weise, ich weiß was ich tun muss, ich kann Impulse kontrollieren, ich bin weise
und du siehst nur das, und du wirst nie verstehen –

Kälte und Weisheit? Selbstliebe?
                        Lass mich dir zeigen, was deine Nähe mit mir macht -
                         von den Toten auferstanden, aus dem Nichts manifestiert -
            lass mich ein Messer nehmen, der guten alten Zeiten willen, und schau zu
                                                            wie ich mir ein Herz in den Arm ritze – verstehst du? Ironisch

         Ich steige aus der Bahn aus, auf den beleuchteten Bahnsteig,
      eine Insel des Lichts in der verregneten Dunkelheit.
   Hoffnungsvoll lasse ich den Blick wandern,
doch du bist nirgends zu sehen –
                                                   enttäuscht, aber nicht überrascht.

         Jonathan. Dein Name -
Ich konnte Drama noch nie widerstehen,
         ich habe eine Neigung zu Dunkelheit und nächtlichen Tankstellenbesuchen,
        zu widersprüchlichen Liebesbekenntnissen und gebrochenen Menschen.
                     Masochistisch, nicht?
Drama, das heißt, obwohl ich es beendet habe, will ich nicht, dass du auch so weise bist –
       du sollst vor meiner Tür stehen, im Regen, betrunken,
            und mir erzählen, dass du dein Leben ohne mich nicht nüchtern ertragen kannst,
                    so wie ich deine Gesellschaft
                         nicht nüchtern ertragen kann.
Du sollst mir einen Teppich aus leeren Versprechungen stricken,
  erzähl mir, wie du dich geändert hast,
    dass du nun verstehst, was für ein wertvolles Geschenk meine Liebe war,
       dass du mich vergeblich suchst in jeder Frau, die du triffst –
    erzähl mir davon, wie einzigartig unsere Verbindung ist,
und dass du Himmel und Erde umkehren würdest, um diese nicht wieder zu verlieren.

Erzähl mir das alles, damit ich die Augen verdrehen
  und deine Worte mit einer wegwerfenden Handbewegung abtun kann.
     Lass mich deine leeren Worte entlarven,
nur um mir im Stillen jedes Wort einzuprägen,
                                                        und sie nachzuflüstern, wenn du gegangen bist.

      Zeig mir, was hätte sein können.
Spiel mit dem Bild von uns, das nur in meinem Kopf existiert,
                                                          und natürlich nach der Apokalypse.

                       Gib mir den nächsten Fix, ich brauche ihn, denn das Zittern hat wieder eingesetzt -
und lass mich das Gift aus meinem System ausschwitzen,
   bis nur nebelige Erinnerungen übrig bleiben,
   durchtränkt von
                  rotem Licht und Räucherschwaden und
                                  Kuscheltieren an Tankstellen.

Und wenn du schreiend aufwachst das nächste Mal,
       fühle die Leere neben dir, in dir,
    und lass deinen Schrei in mir nachhallen,
auch wenn ich nicht mehr in der gleichen Stadt bin wie du.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.03.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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