Brigitte Waldner

Wenn er einbricht… (Chant royal)


Die Hündin Elena gehört zu mir,
ich habe sie vom Tierheim adoptiert,
sie ist ein wunderschönes, treues Tier,
das mich ihr Leben lang begleiten wird.
Ihr schwarzes Fell glänzt blau im Sonnenlicht.
Das Haar ist kurz und liegt besonders dicht.
Ich brauche sie, das hat schon einen Grund:
Alarm-Anlage ist für mich der Hund.
Als Dank dafür wird sie speziell ernährt,
dann bleibt sie mir auch hoffentlich gesund,
dass sie den Nachbarn, wenn er einbricht, hört.
 
Der Nachbar stiehlt sehr viel in seiner Gier,
aufs Schlüssel stehlen ist er  glatt trainiert,
er kommt dann ohne Einbruchsspuren hier,
sein Doppelleben wird perfekt maskiert.
Mit meinem Schlüssel kommt der böse Wicht,
mit einer Stirnlampe auf dem Gesicht,
seit fünfzig Jahren treibt er es so bunt,
er tut ja nichts, tut er verlogen kund,
obwohl er regelmäßig wiederkehrt,
deswegen brauche ich ja einen Hund,
dass sie den Nachbarn, wenn er einbricht, hört.
 
Komplizen hat der Nachbar mehr als vier,
sie gehen aus und ein wie einquartiert
in meinem Haus und plündern mein Revier,
und alles wird durchwühlt und observiert.
Beweisen kann man diese Untat nicht,
sie ist perfekt getarnt, dass man zerbricht,
man kriegt sogar den Maulkorb vor den Mund,
man wird bedroht, tut man das wahrhaft kund.
So, wie man mit dem Opfer hier verfährt,
schließt man ja besser mit der Hündin einen Bund,
dass sie den Nachbarn, wenn er einbricht, hört.
 
Es tut so weh, ich denk an mein Geschirr,
für ihn hat jeder Diebstahl sich rentiert,
dann lügt er noch, dass ich das fantasier,
das ganze Haus hat er mit Schmutz verschmiert.
Auf Neuwertiges ist der Dieb erpicht,
der die Gesetze und die Regeln bricht,
er stahl viel Geld und wurde davon rund,
drauf angesprochen lacht er nur: „Na, und.“
Vergiftet hat der Räuber mich vermehrt,
doch eines Tages machte ich den Fund,
dass sie den Nachbarn, wenn er einbricht, hört.
 
Was brauchbar war, das nahm der Nachbar mir,
auch meinen Körper hat er ruiniert,
und eines noch verrate ich nur dir,
ihn anzuzeigen hat nicht funktioniert.  
So schreibe ich darüber ein Gedicht,
aufs Mich-zu-Wehren, übe ich Verzicht.
Ich fühle, mein Besitz erleidet Schwund,
und meine Seele blutet. Sie ist wund.
Es nützt ja nichts, wenn man sich wo beschwert,
doch, was mich tröstet, das ist jetzt mein Hund,
dass sie den Nachbarn, wenn er einbricht, hört.
 
Des Nachbarn Enkel ist ein junger Spund,
der Räubersohn schlug ihm auf seinen Mund,
er redete zu laut, ward ihm erklärt,

und damals hatte ich noch keinen Hund

dass sie den Nachbarn, wenn er einbricht, hört.
 
© Brigitte Waldner

Französische Gedichtform aus dem 14. Jahrhundert, wurde nur in Frankreich entwickelt.
Typisch ist: 5 Strophen zu je 11 Versen zu je 10 Silben, im Reimschema abab ccdd ede,
wobei sich der elfte  immer passend wiederholt. Es war Königsgesang mit einer Abschlussstrophe ddede.

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