Patrick Rabe

10th Avenue Daytime Nitemare

10th Avenue Daytime Nitemare

 

Tenth Avenue und ein Dime flutschte aus der Hand einer reichen Lady,

rollte die Straße hinunter, und erinnerte sich daran,

dass Albert Grossman ihn bereits einmal in der Hand gehabt hatte.

Geldbörsenklingelnd rollte er ein paar Meter zu weit in Richtung Börse,

da fielen die Walls der Wallstreet um,

und Roger Waters dachte in London: „Das müsste man in Berlin mal als Rockoper aufführen.“

Im selben Moment kam Bob Dylan fröhlich aus einem der Gebäude gelaufen.

Er hatte ein Fotoshooting, und genoss den Frühling.

Außerdem war er ein bisschen bekifft.

„Roll mal diesen Reifen die Straße runter!“,

sagte der Fotograf.

Bob tat, wie ihm geheißen.

Der Autoreifen rollte drei Meter weit,

und kippte dann um.

Kaum, dass die Kamera geknipst hatte,

ging in New York das Licht aus.

Zuerst die Reklametafeln,

und dann die Sonne.

Es war stockdunkel

und Bob starrte auf diesen Autoreifen, der da vor seinen Füßen lag.

Da sah er plötzlich in dem Autoreifen

den abgetrennten Kopf von Leadbelly,

der ihn aus hilflosen Augen ansah.

Rasende Lichter leuchteten und flackerten aus den Fenstern der Wolkenkratzer.

„My girl, my girl, don’t lie to me…

Tell me, where did you sleep last night?“,

sang Leadbellys Kopf.

„His head was found in a drivin‘ wheel“,

dachte Bob Dylan,

„But his body never was found.“

Und da sah er hinein

in die voodooschnatternden Südstaaten,

wo die Leichen der umgebrachten schwarzen Sklaven aus den Sümpfen kamen,

und er sah Onkel Tom und Onkel Joe, sie pickten immer noch Cotton,

und der Deal war immer noch rotten,

lange bevor Johnny einen Platz in einem Neil-Young-Song bekam.

Und Allen Ginsbergs Stimme hallte über den Platz:

„Moloch! Moloch!“

Und die Augen von tausend Überwachungskameras drehten sich mechanisch

in eliptischen Halbkreisen.

Nackt gingen Jesus und Karl Marx

die Straße hinunter

und fingen mit dem Christentum und dem Kommunismus von vorne an.

Und eine Spur von Engeln folgte ihnen im Neuschnee.

Bob Dylan beobachtete sie eine Weile

und dachte: „Man müsste ein Kaddish singen. Oder überhaupt mal ein neues Lied.“

Er setzte sich in einen Bus ins Greenwich Villiage und las dort ein Schild:

„Alle Neger bitte auf der rechten Seite des Busses sitzen.“

Und er erinnerte sich, wer er war,

und dass in Deutschland in den dreißiger Jahren

ähnliche Schilder in Bussen und an Geschäften gehangen hatten,

und dabei ein gelber Stern.

Und er sah St. Augustine einsteigen,

in denselben Bus,

und er hatte einen goldenen Schlafsack unter seinem Arm.

Da weinte Bob Dylan,

und lehnte seinen Kopf an die Glasscheibe des Busses.

Draußen schneite es

und drei Engel standen gut sichtbar

auf einem Podest.

 

 

© by Patrick Rabe, 23. Februar 2021, Hamburg.

 


Das Gedicht nimmt sowohl Bezug auf die jüngeren Vorgänge in Amerika, wie auch auf leider scheinbar dort gleichbleibende Dinge. Nur möchte ich die Gesellschaftskritik in diesem Gedicht, das sich formal und inhaltlich an Songs und Gedichte von Bob Dylan, Leadbelly, Allen Ginsberg, Leonard Cohen, Neil Young und Pink Floyd anlehnt, schon längst nicht mehr auf Amerika begrenzt wissen. Ich erlebe so etwas wie das hier geschilderte Szenario jeden Tag, wenn ich U-Bahn fahre. Und nicht nur das. Denn das klänge so, als würde ich das Ganze nur als fast unbeteiligter Zuschauer wahrnehmen. Das ist aber nicht so. Ich sitze genauso in derselben Scheiße wie alle anderen hier auch. Mein "Intellektuellenbonus" auf den ich nie besonders stolz war, denn für meine Intelligenz kann ich nichts, scheint so langsam aufgebraucht. Hier vor Ort brauche ich sowieso niemandem zu beweisen, dass ich trotz Buchverkäufen von den "Stütze" lebe. Nur erachte ich das nicht als Schande. Denn ich habe fast mein Leben lang auch immer wieder probiert, in "normale Brotberufe" oder Jobs zu kommen. Jedoch, dass ich es jetzt, mit 44 Jahren, nicht mehr will, weil ich seit gut drei Jahren mit meinen Büchern nämlich wirklich beginne, Geld zu verdienen, und ich ohnehin fast nichts anderes richtig kann, als Schriftstellerei (und Schauspiel und Musik), scheint der Staat nicht akzeptieren zu wollen.

 

 

Mal abgesehen davon, dass ich ohnehin schon mein ganzes Leben lang in die Abgründe dieses Systems blicke. Und zwar wirklich nicht als Gewinnler. Meine Eltern sind ein Parkettleger, der dann fast bis zur Rente als Hilfsautomechaniker arbeitete, und meine Mutter hat als Sekretärin, Buchhalterin und Putzfrau gearbeitet. Meine beiden Eltern waren sehr feinsinnige, zarte und sensible Menschen, die von diesem rauhen und unbarmherzigen Leben, das ihnen hier zugemutet wurde, aber auch hart und unflexibel wurden. Beide waren einmal sehr gebildet. Mein Vater war Zeit seines Lebens Sozialdemokrat und meine Mutter ist eine aus einer zum Christentum konvertierten Judenfamilie stammende Frau, deren Eltern einen kleinen Bauernhof hatten.

 

Sie achteten schon bei meiner frühen Erziehung darauf, dass ich gute und wertvolle Bücher las, und vor allem meine Mutter las mir auch oft aus der Bibel und der Kinderbibel vor. Sie sagte auch immer, es sei vor allem die Herzensbildung wichtig. Mein Vater erzog mich zur Ehrlichkeit und Geradlinigkeit. Er war ein ganz lieber Mensch, der, wie ich es vor einer Woche hier schilderte, als kleiner Junge den Hamburger Feuersturm Ende des zweiten Weltkrieges überlebt hatte. Manchmal war er deswegen vielleicht ein bisschen schreckhaft und gleichzeitig ruppig. Er liebte mich jedoch mit einer innigen Zärtlichkeit und glaubte auch schon früh an mein Talent als Sänger, Dichter und Schriftsteller. Er konnte mich lediglich nicht darin unterstützen, weil er dieses Talent nicht hatte. Er hatte allerdings einen Hang zum Kabarett. In der Jugend war er in einer Theatergruppe vom Roten Kreuz gewesen. Manchmal übten wir beide für Familienfeiern Sketche ein, die ich meistens auch selber schrieb, und spielten sie dann zu zweit. Wir drehten auch mehrere Filme gemeinsam, z.B. ca. 1985 den Anarchokrimi "Der Bauer und Frau Wutschrei" (noch mit Super8-Kamera), und Anfang der 1990er den nicht ganz vollendeten Kurzfilm "Der Unsichtbare" (mit Videokamera). Dass er nicht fertig wurde, lag daran, dass ich damals im Schulstress war. Für meine 1993 gegründete Schülerband "The Temperaments" drehte mein Vater ein Video zu unserem Cover von "Paint it black" von den Rolling Stones. Das war aber schon die Zeit, in der meine Eltern mit mir in Unstimmigkeiten verfielen, weil ich Rockstar werden wollte, und ihnen die Musik, die ich machte, eindeutig zu wild war. Vor allem, als ich auch noch anfing, für diese Band eigene Songs mit sozialkritischen Texten zu schreiben, und mich als Waldorfschüler dann in diesen Texten zu den Anschlägen auf Asylanten in Rostock und Hoyerswerda äußerte, bekam ich viel Kritik, und meine Mutter äußerte „Mein Sohn entgleitet mir!“. Dabei war das die normale Pubertät. Jedoch empfanden das viele in meinem damaligen Umfeld schon als "Klappe zu, Affe tot." Ein Lehrer sagte mir nach einem Konzert von uns: "Wir hätten sie am Liebsten von der Bühne geholt." Wie stark Waldorfschulen ins rechtsradikale Millieu verstrickt sind, war mir damals noch nicht klar. Sonst hätte ich sicher mindestens ab der Oberstufe die Schule gewechselt.

 

Auch, wenn das nach einer Erfolgsgeschichte klingt: Ich wurde in der Schule fast die ganze Zeit gemobbt, und auch nicht selten zusammengeschlagen. Und damit meine ich keine Raufereien unter Kindern. Oft war es der Neid auf jemanden "der mehr kann als andere".  Und es gibt zur Waldorfschule, die ja tatsächlich als Eliteschule für sensible Kinder gilt, auch noch eine dunkle, nicht so bekannte Nebenwahrheit. Nämlich, dass diese Schulen Naziverbänden und bestimmten Zionisten dabei helfen, Kinder nach rassischen und genetischen Kriterien schulisch zusammenzulegen, und darauf zu achten, dass „sich das ab der Pubertät rassenverträglich mischt“, also auf gut deutsch, dass die Wertlosen mit den Wertlosen poppen sollen, und die Wertvollen mit den Wertvollen. Es gibt daher Waldorfschulen „für Gesunde“ und Waldorfschulen für „Behinderte und Verhaltensgestörte“ (das heißt nur heute anders.). Zu meiner Zeit fuhr man schulisch eine Mischform, wo auch Gesunde und Behinderte zusammen unterrichtet wurden. Meine Lehrer hatten offenbar Angst, ich könnte mich in eine Behinderte verlieben. Das war aber nicht der Fall. Mit 16 verliebte ich mich in ein hübsches Mädchen aus schwierigen, elterlichen Verhältnissen, die ich in der Kurzgeschichte „Die Begegnung“ zur Protagonistin mache. Sie war ganz kurz mit mir zusammen, es kam aber nicht zum Sex, weil sie mich unerfahren fand. Auch, als sie mich abblitzen ließ, blieb ich ihr noch drei Jahre lang treu. Nachdem ich die Schülerband gegründet hatte, war ich bei machen Mädchen sehr beliebt.

 

Allerdings war bereits meine Einschulung auf dieser Schule überschattet von „dunklen Vorzeichen“. In unserer Siedlung sprachen Leute immer vom „Behindertenbus“, der „die missratenen und genetisch missgestalteten Kinder der Linken“ abholt. Es hieß: „Der holt die Kinder der reichen `68er zur Sonderschule ab, die alle einen Gendefekt haben, weil es bei denen alle mit allen getrieben haben!“ Meine Mutter hatte immer Angst davor, dass ich doch irgendwann „in diesem Bus sitzen könnte“, und ging deswegen andauernd zu irgendwelchen Ärzten mit mir, die aber jedesmal bestätigten: „Mit ihrem Kind ist nichts!“. Mein Intelligenzquotient war normal, eher hoch, und körperliche „Defekte“ hatte ich auch keine, bis auf zwei nicht ganz gleich lange Beine (ca. ein bis zwei Centimeter Unterschied.). Der betreffende Arzt, der das untersuchte, sah darin schon gar keinen Sinn mehr. Ich war auch ein gesundes, munteres und fröhliches Kind, dass sowohl draußen als auch drinnen gerne spielte. Ich hatte nur etwas Angst vorm alleine Einkaufen gehen, weil bei uns in der Nähe Helmut Schmidt wohnte, dessen Wohnung immer von Polizeifahrzeugen überwacht wurde. Das fand ich ein bisschen bedrohlich. Zur Info: Das war keine große Reichenvilla, wo Helmut Schmidt wohnte.  Es war ein normales Arbeiterreihenhaus, wie alle anderen dort auch. Manchmal waren dort in meiner Kindheit auch Politgrößen wie Jimmy Carter, Nikita Chruschtschow und Leonid Breschnew zu Gast. Herr Schmidt und seine Frau Loki waren freundliche, angenehme Menschen. Ich traf sie in meiner Kindheit und Jugend recht oft auf der Straße.  Das ewige Gehen zu Ärzten fand ich merkwürdig. Zum Beispiel auch immer Augentests, ob ich schiele. Und immer, wenn meine Mutter raus ging, sagte der Augenarzt: „Du weißt hoffentlich, dass du nicht schielst. Deine Mutter hat einen Knall.“ . Irgendwann, als es um dasTragen einer Brille ging, die ich bis heute auch  nicht brauche!- klebte mir ein Arzt ein Auge ab. Die Verklebung blieb mindestens eine Woche drauf. Seither schiele ich auf dem betreffenden Auge wirklich manchmal zur Seite, meistens bei Stressreaktionen oder, wenn ich mit Blitz fotografiert werde.

 

Ich kann das aber selber durch Augenbewegungen korrigieren. Meine Mutter wollte, dass ich auf eine christliche Bekenntnisschule gehe, mein Vater war dagegen. Es gab bei uns sowieso nur eine katholische Schule Nähe Langenhorn Markt, (heute Bekenntnisschule der Mormonen bzw. Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage), in der Nonnen unterrichteten. Schon der erste Probetag dort schockte mich. Ich lernte dort auch einen Jungen kennen, mit dem ich mich im Erwachsenenalter dann später wieder anfreundete. Dann bekam meine Mutter den Tipp „Waldorfschule“. Und ich wurde dort eingeschult. Meine Mutter war zutiefst geschockt, als sie erkannte, dass der Schulbus dieser Schule der vorher erwähnte, berühmte „Behindertenbus“ war. Sie organisierte eine Fahrgemeinschaft mit einer anderen Mutter, weil sie nicht wollte, dass die Anwohner von unserem Stadtteil, und meine dortigen Spielkameraden, die mich alle als gesund kannten, sahen, wie ich in diesen verschrieenen Behindertenbus einstieg, unter anderem, weil einige Nachbarn das auch mal über meine Eltern gesagt hatten, „dass die es mit allen treiben“ und „noch mal irgendwann ein ‚Bankert‘ zeugen werden.). Seit 1998- nach einer mich überfordernden mystischen Erfahrung während meiner Krankenpflegeausbildung im Ruhrgebiet- ,  habe ich den Status "Psychisch krank", habe mich aber nie darauf ausgeruht, sondern konsequent immer weiter an meinen Standbeinen als Schriftsteller und Musiker gearbeitet. Am längsten und konstantesten übte ich neben der Schrifstellerei meine Tätigkeit als Schauspieler aus (15 Jahre lang), in der Theatergruppe "Theaterlabor 82". Ich war aber auch immer wieder in der Psychiatrie und erlebte schwere Schicksale von anderen mit, mit denen ich teilweise bis heute befreundet bin. Auch viele meiner Freunde aus Künstlerkreisen waren schon einmal in einer Psychiatrie. Mein Lebensfokus lag jedoch nie auf meiner Erkrankung, sondern immer auf der Kunst. Unter anderem deswegen, weil mir klar war, dass viele Künstler, auch berühmte, einen Hau weg haben. Man darf sich einfach nicht etikettieren lassen. Der NDW-und Gothicsänger Joachim Witt war ja auch einige Male in Ochsenzoll, und wurde von der Öffentlichkeit als Rocksänger und nicht als psychisch Kranker wahrgenommen, der zum Spaß ein bisschen Musik macht.

 

In Amerika wird mit dieser ganzen Thematik jedoch offener umgegangen. Eine Lösung dafür haben sie indes auch nicht. Für die Amerikaner ist die Aufdeckung ihrer Psychiatrieskandale (Lobotomie, Psychiatrisierung aus rassistischen Gründen, Auslöschung von gesunden Gehirnen durch zu starke Medikamente und Elektroschocks) durch Dichter wie Ginsberg, Kerouac und Burroughs ein ähnliches kollektives Aufarbeitungstrauma, wie für uns Deutsche das dritte Reich und der zweite Weltkrieg. Ginsberg, der wegen einem zu hastigen Aussteigen aus einem Taxi, bei dem er den Taxifahrer aus Schreck anschrie, in die Psychiatrie kam, schreibt in "Howl": "Die besten meiner Generation vernichtet durch den Wahnsinn!" Bob Dylan besuchte den von ihm verehrten Folksänger Woody Guthrie, der nach mehreren kommunistisch orientierten Aktionen ebenfalls psychiatrisiert worden war, in der Psychiatrie, was er (Dylan) erst in seiner eigenen Autobiographie "Chronicals" so beim Namen nennen durfte. Die offizielle Variante lautete, Woody Guthrie habe als Kriegsveteran des Koreakrieges in "einem Krankenhaus" gelegen, und sei dort elend an einem koreanischen Virus namens "Chorea Huntington" gestorben. Dylan war geschockt, als er merkte, dass es sich bei diesem "Krankenhaus" um eine Psychiatrie handelte. Die Wahrheit war, dass Guthrie den Kriegseinsatz in Korea verweigert hatte, und danach unter anderem wegen kommunistischer Umtriebe "einkassiert" worden war, und in der Psychiatrie langsam mit Medikamenten zu Tode gebracht wurde, während im Radio des Amerikas der späten 1950er ausgerechnet immer "This Land ist your Land" lief, der einzige Song von Guthrie, den man patriotisch interpretieren konnte, und auch das nur bei ganz viel bösem Willen. Dylan liebte aber gerade diesen Song, und wollte ihn voller Freude Guthrie am Krankenbett vorspielen, da sagte dieser traurig: "Nein Junge. Bitte nicht "This Land is your Land." Spiel "Pastures of plenty". Dylan war niedergeschmettert und bat Guthrie leise: "Aber darf ich wenigstens "This train is bound for glory" für sie spielen? Er gibt mir so viel Hoffnung!" Woody sah ihn traurig an, und sagte nur: "Mir nicht mehr." Da weinte Dylan und flüsterte: "Glauben sie denn an gar nichts mehr?", und stimmte dann dennoch diesen Song an: "This train is bound for glory, this train..." In späteren Jahren, nach der Nixon-Ära, wurde dieser Song wieder zur heimlichen Hymne von Amerika, neben Dylans "Blowin' in the wind", "Masters of war" und "Chimes of freedom". In "Desolation Row", von dem ich auf e-stories eine Übersetzung veröffentlicht habe (von „Chimes of freedom“ auch) , setzte Bob Dylan, der sich bis heute für die Rechte der farbigen Bevölkerung von Amerika engagiert, auch allen ungesehen Gescheiterten von Amerikas Gegenkultur der 1960er ein Denkmal.

 

Ich widme dieses Gedicht ihm, Sinnead O`Connor, Alanis Morrisette, Fiona Apple, Joan Baez, Pete Seeger, Bruce Springsteen, Neil Young, the Band, Bob Marley, Tom Waits und dem kürzlich verstorbenen Laurence Ferlinghetti.



Insbesondere ist es für Tracy Chapman.

Und für alle traurigen, verunsicherten und traumatisierten
Farbigen, Türken, Araber, Perser, Ägypter und Griechen, die hier bei mir im Stadtteil leben,
und so viel Liebe, Freundlichkeit und Engagement in unser Land mitgebracht haben, oder teilweise erst seit ein paar Jahren als Flüchtlinge bei uns leben, und immer noch vor Angst zittern, wenn laute Geräusche ertönen, oder weglaufen, wenn jemand schnell auf sie zukommt. Sie erleben seit einigen Jahren so viele Feindseligkeiten hier. Und dafür schäme ich mich. Ja, ich möchte es hier wieder einmal öffentlich schreiben: ICH SCHÄME MICH, EIN DEUTSCHER ZU SEIN! Vor allem wegen des Satzes, den ein türkischer Bahnhofsbäcker, den ich schon seit über 20 Jahren kenne, zu mir gesagt hat: "Was ist bloß aus euch geworden! Das gerade haben wir immer so an euch geliebt. Eure warmherzige christliche Freundlichkeit, Nächstenliebe, Brüderlichkeit und Zugewandtheit." Oft schauen mich jüngere farbige Frauen beinahe erschreckt, aber dann sehr glücklich an, wenn ich sie in der Bahn freundlich anlächle. Und ein türkischer Betreiber eines Kumpir-Imbisses im Schanzenviertel machte mir heute deutlich, dass sogar dort viel Hass von Deutschen auf sie zukommt, wenn auch eher nicht von Anwohnern.


 

Für Agnes. Gib nie die Hoffnung auf!


Patrick Rabe, 2. März 2021, Hamburg.

© by Patrick Rabe, 2021, Hamburg.

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