Hanns Seydel

DER TAGE UND NÄCHTE WITTERUNG


Umrahmt von zweien Nächten
ist ein jeder neuer Tag.
Der Mensch, er schafft nach Kräften,
der Nature Kraft kommt Schlag auf Schlag.
Doch die Mitternacht, sie ist der Anfang,
die den neuen Tage bringt in Gang.
Und einsam trostlos und verlassen
sind die sonst belebten Gassen.

Im Winter ists bei Nacht stets kalt,
im Sommer könnt` man noch gehn durch den Wald.
Doch Winters Kälte zeigt ihr` Kräfte,
es gefrieren selbst die tiefsten Schächte.
Frühlingsnächte, sie sind angenehm,
denn selbst die Sonne macht es sich bequem.
Geschäftger Mensch, er ist ermüdet und genießet da
ein herrlich, herrlich äußerst mild gewordnes Klima.

Doch auch die Nacht, sie ist nicht frei
vom Sturm, der brüllt mit ärgstem Schrei.
Gewitter, Regen, starker Sturm
zerstören jeden winzgen Wurm.
Wohnet man im Dachgeschoss,
dann höret mans wie ein Geschoss.
Durch Regens Prasseln, der Schlaf ist dann geraubt,
denn in der Schräge, die Fenster sind verschraubt.

Doch die schlaflos` Nacht des Menschen
seinen Tatendrang kann nicht zerbrechen.
Der Tag ist nunmehr angebrochen,
die frühe Luft wird gern gerochen.
In Tages frühster Frühe,
der Bauer melket seine Kühe.
Er scheuet niemals Mühe,
bei ihm gibt es kein Gestöhne.

Denn jede Nacht, sie geht vorüber
und der Tag, er kommt hinüber.
Die Bäuerin sieht nach dem Acker,
begleitet von ihrm Bub, dem Racker.
Das Mägdlein gehet mit bedächtgem Schritt,
der Weg, er schreibt sein` eigne Schrift.
Ins heimsche Haus zurückgekehrt,
schon wieder hat Natur belehrt :

Denn auf Fensterschrägen wieder donnern
Regen, Hagel und die krass` Gewittern.
Zurückgezogen hatte sich die Sonnen,
Kindchen, Hündchen, Kätzchen sind am Zittern.
Der Ruhe hat der friedlich` Mensche sich verschworen,
des Wetters Hektik ist für ihn nur derb verdorben.
Doch die Natur hat ihre eignen Schwüre,
sie schrecket nicht zurück vor heftigstem Gewühle :

Denn Blitz und Donner wuchten riesig,
wenn das Wetter ändert sich so mächtig.
Fast so dunkel wie die Nacht es wird der Tag,
des Sturmes Schäden bringen Plag`.
Unversöhnlich ist die Witterung,
erbarmungslos ist ihre Änderung.
Von Sonnenschein zu Regens Prasseln
wechselt Witterunge seine Launen.

Abend ist es nun geworden,
des Tages Helle ist gestorben.
Es wird gedacht an nächsten Morgen,
der neue Tag bringt neue Sorgen.
Ist die Witterung gewogen
des Gartens blühend` Pracht,
wenn der Sturme ausgegoren
im weiten groß` Gelände kracht ?

Denn auch der Abend, er ist nicht gefeit
gegen Witterunge Gegensatz.
Oft schon hat der Mensch bereut,
das manche Arbeit, sie ist für die Katz.
Gesät war Saat für das Gemüse,
das erfreuet Magen und Gemüte,
gewachsen wars in Frühlings Blut,
vernichtet wards durch Sturmes Glut.

Des Sommers riesge Hitze,
sie eilt mit krasser innrer Hetze.
Im Garten sitzet es sich gut,
wenn die Witterung sich blendend zeigt.
Doch am späten Abend wird es kühl,
ins Haus getragen werd` die Stühl`.
Und die Witterung, sie ist am Wirken,
durch den Wind, es biegen sich die Birken.

Später, die neue Nacht hat ihrn Beginn,
doch die Witterung hat eignen Sinn.
Schlaflos ist des Menschen Nacht,
wenn kommet mit verstärkter Macht
wildem Wetters wuchtge Witterung,
die wächst mit höchster Steigerung.
Auch in der Nacht könn` Stürme branden,
wenn Regen, Sturm, Gewitter sich da fanden.

Verwahrlost ist die ganze Stätte,
wenn in dem ganzen groß` Gelände
gewütet hat des Sturmes Riesenkraft,
die zeiget ihre schlimmste Macht.
In DEN Momenten gibt es nicht Veränderung,
und damit dort auch keine Besserung.
Das Geschaffene, es ist verschüttet,
im Garten, da ist viel zerrüttet.

Doch des Menschen hohe Würde,
sie ist der Seele höchste Ehre.
Gegen alle höchst` Gewalten,
der Mensch kann Seins gestalten.
Es stehet still selbst Gewitters Toben,
wenn der Geiste kommt von droben.
Draußen bebet Witterung entsetzlich,
doch im Hause arbeits immer fleißich.

Einsam ist so mancher Lebensweg,
so einsam wie der schmalste Steg.
Auch im Leben gibts `ne Witterung,
die unabhängig ist von Tag und Nacht,
der Starke kennet nicht Zersplitterung,
zum Besten hin er immer tracht`.
Und festgefügt sind Menschens Werte,
sie sind sicher in dem Schoß der Erde.

Imponierend sind Naturens Mächte,
die gebähren dauernd neue Kräfte.
Und siehe, jede Witterung,
sie kennet auch Veränderung.
Es lechzet nach dem besten Wetter,
auch wenn drohet ein Gewitter,
der Leute heitrer froher Sinn,
dern Gesinnung nie verrinn`.

Und wenns wirbelt wie des Donners Krachen
und das Wüten will wildest sich entfachen,
dann kann nur der Wille dort erstarken
und rein gar Nichts, es kann dort erkranken.
Grausam geht Gewitters greller Gang,
wenn Erwachsne und Kinder werden bang.
Es stürmt herunter nur die stärkste Kraft,
da zeiget sich Natures herbster Saft.

Jed` Gewitter, jedes Donnern, dem Tode ist geweiht,
denn dem dauernd Neuen ist die Witterung geneigt.
Und plötzlich ströhmet aus der höchsten Höhe
hinab in des kantgen Kellers tiefster Tiefe
ein Heer von Fliegen, gefolget von viel` Bienen,
als wenn das Unheil sie nur riefen.
Und nur langsam kommet wieder Ruhe,
die erwachet auch in frühster Frühe.

Gigantisch und gewaltsam gehet ernst
die Witterung, als wär` sie ein Gespenst.
Und fordernd stürmt Gewitters Flut,
die vernichtet jedes Hab und Gut.
Doch des Menschen hoher Stolz,
der ist härter als das stärkste Holz.
Festgefüget ist der Seele Witterung,
die kennet nicht Zersplitterung.

Gegen der Nature Widerstände
wirken Menschens starke Hände.
Denn er ist stabil wie wuchtge Wände
und seine Werke sprechen Bände.
Wuchtet grauenhaft ein schlimmer Wirbelwind,
der für Ängst` der Fraun und Kinder ist besimmt.
Die Witterung, sie kennet kein Erbarmen,
doch unterschätze sie nicht die Starken.

Und unaufhaltsam, unaufhörlich,
unermütlich wirkt der Wille,
der niemals stehet stille
und sich niemals zeiget ungebührlich.
Denn gegen des Gewitters Sturm
ist festgefüget Menschens Stamme,
der überstehet jede Schramme.
Die Natur ist wachsend stärker,
doch der Mensch wird immer härter.

Und wenn der Kampfbefehl der Witterung
ertönet krass in grauenhaftem Ton,
dann ist die Natur in höchst` Erzitterung,
denn unerbittlich ist Gewitters Sohn.
Das Gewitter, es ist immer wutentbrannt,
alles Ruhevolle ist bei ihm verbannt.
Negativ verändern wollen ist sein Ziel,
so wie des Lebens wechselvolles Spiel.

Im Sinkflug strömet stets hernieder
das Unheil, das erstarret alle Glieder.
Das Wetter kann Menschliches zerschmettern,
doch es wird niemals können dies vernichten.
Zerbrochen und zerschlissen sind die Pflanzen,
die dem donnernd` Gewitter nicht könn` standhalten.
Und fluchend, wie wenn Zeus würd` Alles ächten,
der Mensch ist außer sich und das Kinde sich am Fürchten.

Die Witterung kennt keine Gnade,
bei Nacht nicht und auch nicht am Tage.
Und der Mensch gedenket seiner Sinne,
er hört auf seine innre Stimme,
Des Menschen wuchtig stetger Drang
überwindet Witterunges strengen Strang.
Die Substanz, die ists, die sieget,
auch wenn das Unglück herbest flieget.

Die Witterung hat ihre eignen Ziele,
doch der Mensch, er zeiget sein Profile.
Und wenn der Sturme sich verstärket,
dann ist des Menschen Will` verhärtet.
Überwindung ist für ihn stets wichtig,
er besieget jede Witterunge kräftig.
Die Witterung kann viel vernichten,
doch nicht des Menschen Will` zerstören.

Und milde wird des Menschens Blick,
wenn er wachsen sieht Natures Glück.
Die Gedankengänge sind verschieden,
denn das Wechseln ist der Witterung beschieden.
Gegen Sonnenscheine kommet krass
Blitz und Donner ohne Unterlass.
So denkt der Mensche ernsthaft :
Wird sich mildern der Nature Kraft ?

Riesenhaft sind alle Monsterwogen,
die in dem Sumpf der Tiefe werd` geboren.
Alles Helle, es ist dort gestorben,
diese Urkraft, sie ist herb verdorben.
Finster zeigt sich die Natur,
wenn sie wütet stärkstens stur,
ihre Macht fährt aus mit ärgster Kraft,
die nur die Kräftigsten verkraft`.

Ersterbend ist die starke Stimme,
wenn der Mensche sieht Natures Sinne.
Kein Freiheitsschlag kann Stürme stören,
die Sonne, sie kann dort nicht betören.
Denn prangend prächtig prall geballt
kommt immer wieder Sonns Gestalt.
Der Sonne Kraft kann nichts erschüttern,
doch Gewitters Kälte muss ernüchtern.

Ergriffen siehet man die Kälte kommen,
die entfernet sich von heißer Sonnen.
Denn unberechenbar und herb
ist Wetters wilder Wechsel stets.
Sein Motto heißet lebe oder stirb
und sein Wesen kennt nur vorwärts.
Der Witterung veränderlich` Gestalt
hat oftmals schrecklichen Gehalt :

Denn wenn Naturgewalten herb herniederrasen
selbst auf die breitesten Terrassen,
nicht beachtend der Menge mächtger Massen,
dann bleibt unbeschadet auch auf engsten Straßen
das stabile fest verankert` Fundament,
das bestehet aus dem allerstärkst` Zement.
So formet auch des Menschenwesens innre Stärke
der Seele Höhe, Blüte und die Wärme.

Die Natur kann furchtbar sich gebärden,
doch gewappnet` Leute kann sie nicht gefährden.
Und wenn auch wie in der Hölle heller Höhle
des Wetters Ungeheuer, es ist draußen derb am Wühle`,
dann weiß man Eines ganz genau :
Der Nature allerstärkst` Gesichter,
sie zerstören zwar den stärksten Stau,
doch nicht zerstörn der Freude Lichter.

Wie wenn wüten würde Wetters wildest` Wille
ist beim Gewitter verschwunden alles Helle.
Verwahrlost ist die sonstge strahlend` Stätte,
unsanft legt man sich zum Schlaf ins Bette.
Wenn Sturm gewütet hat mit unerbittlicher Gestalt,
dann erwischts den Menschen bitterkalt.
Leidenschaftlich wallet der Nature Wetter
und beim Sturme gibt es nie `nen Retter.

Rasend wütet das Gewitter,
es gehöret zu dem ärgsten Wetter.
Fordernd ist Gewitters Walten,
die sonstge Ruhe kanns nicht halten.
Aggressiv und bitterböse
ist Gewitters herb Getöse.
Doch ist dies stets nur Episode,
was stetig zählt, das ist Epoche.

Aufgeregt sind Mütter, Kinder,
wenn Witterunge wuchtet wie ein Schinder.
Und wieder ist es Abend neu geworden,
des Tages Helle ist gestorben.
Und wieder ist die Nachte angebrochen,
alle Tiere haben sich verkrochen.
Finster ist der Nachte Dunkelheit,
bei Kält` verhindert sie die Heiterkeit.

Des Menschen ernste Ausrichtung
nicht hemmet der Natur Vernichtung.
Gewitter, Stürme können dort zerstörn,
wo vorher war das schön` Verwöhn`.
Und siehe, wie des Herrgotts Gnade wirkt :
Des Menschen hoher Ethos überwindet
Witterunges Laune, die verschwindet
und des Menschen Wille ists, der zählt !



( E N D E )
Hanns Seydel, 01.03.2021 - 05.03.2021
( Werk 234 )

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.03.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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