Patrick Rabe

Ich mach mir meinen eigenen Ostblock auf

 

Ich mach mir einen Ostblock auf, weil mir der alte fehlt,

als neuen Ostblock hab ich mir das Nachbarhaus erwählt.

Ich sitze hier im Westen rum, und weiß: Ich habe recht,

da drüben ist die DDR, und dort ist alles schlecht.

 

Da leben nur die faulen Ossis, die nie zur Arbeit geh’n,

sie wollen uns bestimmt bekriegen, das kann man deutlich seh’n.

An ihren T-Shirts, ihren Augen, an ihren Smartphonetönen,

und wenn sie nachts da drüben bumsen, hört man sie zu laut stöhnen.

 

Ich überlege ernsthaft mir, sie alle anzuzeigen,

denn sie ha’m noch kein‘ Ökostrom, ihr Zeiger ist voll Geigen.

Und weil ich ja der Gute bin (vom Osten kommt das Böse),

bitt‘ ich sehr westlich Shiva drum, dass er sie doch erlöse.

 

Ich frühstücke geruhsam auf mit afrikanisch‘ Kaffee,

der ganz bestimmt fair angebaut, und nicht unter der Waffe.

Dann geh ich in die dritte Welt (mein Klo ein Zimmer weiter),

und schicke einen Flüchtlingsneger runter tief die Leiter.

 

 

 

© by Patrick Rabe, 15. März 2021, Hamburg.

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