Horst Werner Bracker

Der alte Mann und die Feldmaus

Der alte Mann - und die Feldmaus  
-  The old man - and the field mouse -
 
Ballade
Eine Heimat braucht jeder Mann.
Ohne Heimat, - ist er nur ein Vagabund.
Er möcht allen zeigen, was er kann.
Liebt an seiner Seite, den treuen Hund.
 
Er baut ein Haus, ein Nest, für seine Lieben.
Möchte, - dass Frau und Kinder glücklich leben.
Arbeitet viel, zum Ausruhen, keine Zeit geblieben.
Will er sein Ziel erreichen, muss er alles geben.
 
Er pflegt die Gräber der Eltern, die gestorben.
Pflegt den Hausgarten mit liebevoller Hand.
Erntet, die Früchte, des Herbstes am Morgen
Bestellt im Frühjahr, das Gartenland.
 
Hat er sein Ziel erreicht, das Werk vollendet.
Ist er oft ein alter und kranker Mann.
Die Kinder haben das Haus verlassen.
Die Frau hat sich einen Anderen, zugewandt.
 
Nun sitzt er allein, in seinen, Garten.
Die Beete, voll Unkraut kaum zusehen.
Als würde er auf den Frühling warten.
Um zu pflanzen, - das Gemüse einzusäen.
 
Die rostige Bank hat alle Farbe verloren.
Auf den Tisch, davor, wuchert grünes Moos.
Als hätte die Zeit, sein Lebenswerk eingefroren.
Wie die kalten, blauen Hände, in seinen Schoß
 
Es muss Wesen geben, die mich lieben?
Ich habe doch alles, - für Frau und Kinder getan.
Wo ist die Frau, sind die Kinder nur geblieben?
Was hab ihr mir angetan, wir, doch glücklich warn!
 
Eine Feldmaus, alt, zerschunden, das kleine Wesen –
Besteigt den Tisch, bleibt stehen, schaute umher,
Hast du nie, - im Buch der Natur gelesen?
Warst nie zufrieden, wolltest immer mehr?
 
Ich habe nur mein Leben, sprach die Maus.
Ihre Stimme klang so dünn, wie sie selber war.
Wohne im Grill, im wilden Brombeerenstrauch.
Dort bin ich geschützt vor jedweder Gefahr –
 
Und doch, viele Mäusejäger wollten mir ans Fell.
Die Vogelkralle packte mich, ehe ich mich versah –
Ich biss, schrie, wand mich, - gewann das Duell!
Oh Schreck, Teile vom Fell, waren nicht mehr da!
 
Lag verletzt im Grill, im Brombeerstrauch.
Konnte vor Schmerzen, lange Zeit nicht gehen.
Nährte mich, von den Nüssen, dem Haselstrauch.
Habe dich oft, hier am Tisch, sitzen gesehen –
 
Mein Freund, du bist einsam und krank wie ich,
Wollte zu dir gehen, wollt reden mit dir -
Wir sind ungleich. Menschen mögen Mäuse nicht,
Dass ich nicht zu dir ging, mein Freund, verzeih!
 
Der alte Mann, voll Staunen, - rieb sich die Augen.
War alles nur ein schöner Traum? Die Stimme im Ohr
Die feine, klare Stimme der Maus, nicht zu glauben,
Ein Delirium Tremors? Ein Endzeittraum?
 
Er schaute durch die Finger der rechten Hand –
Was er sah‘, eine Feldmaus mit zerschundenem Fell
Er schaute, schaute, eine lange Weile, unverwandt
War das, was er sah‘ Wirklichkeit oder nur virtuell?
 
Müdigkeit, - Verlorenheit umklammerte sein Herz.
Die Augen verloren ihren Glanz, er stürzte ins Dunkel.
Sein Kopf viel auf die Brust verspürte keinen Schmerz.
Gebettet in melodischer Musik und Sternen Gefunkel
 
Schwebte er hinauf, - ins Reich der Gottgeweihten
Sein Leben rauschte wie ein Bach an ihn vorbei.
Er schritt in Freude, durch die vier Jahreszeiten.
Des Waldes leises Rauschen klang, wie Plauderei!
 
Er hörte eine Stimme, alle Mühsal ist nun vorbei!
Komm zu mir, hast in deinem Leben, genug getan.
Schweige in der Stille, - vergiss all Haderei! -
Komm, »Ab Geliebter!«,
vergiss des Lebens Wahn!
*
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.03.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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