Patrick Rabe

Der Wahnsinn im verrotteten Kopf

 

Das Ungeziefer quillt mir aus den Augen.

Maden und Würmer fallen aus dem Mund.

Die Motten werden geboren aus den Eiern in meinem schwarzfauligien Gehirn,

und fliegen durch die geborstenen Unlichter meiner sehenden Augen fort,

als rasende Kotze, die durch die Fenster der Hütte

hinein in die eiskalt verschneite Nacht fliegt.

Ich wanke starrend, an meinen Pass geklammert,

durch die grellen, bunten Straßen,

im viel zu heißen Sonnenlicht,

und spüre, wie der Honig  mich hinsaugt

zu der Alten mit der Whiskeyflasche.

Sieben Mal kann ich ihr ausweichen in den Schatten einer Kirche.

Beim achten Mal gehe ich mutig in die große Kathedrale.

Ich bin entkommen, denke ich.

Dann knie ich nieder, um zu beten.

Doch es kommt nicht Gott.

Sie kommt.

Und höre sie von hinten lallend, keckernd und murmelnd auf mich zutaumeln.

Ich spüre noch den fauligen Alkoholatem – es ist mieses Billigbier,

sehe ihr aufgequollenes Gesicht mit den irren Hassaugen,

und dann schlägt sie mir die Flasche von hinten auf den Kopf,

stellt den Fuß auf meinen rottenden Korpus

und gähnt ihren toten Irrsinn auf mich.

Dann kommt der Pastor von hinten

und rammt ihr das riesige Altarkruzifix durch den Leib.

Verendend ruft sie noch ein Wort:

„Uahhhhhauaoaloehalealianomiale.“

Dieses Wort steht am nächsten Morgen groß als Schlagzeile

auf allen Zeitungen.

 

 

 

 

© by Patrick Rabe, 20. März 2021, Hamburg.

 

Über meine Erfahrungen in Basel. Der Versuch, das Grauen in Worte zu fassen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.03.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Die Glaubens-und Liebesgedichte von Patrick Rabe sind mutig, innig, streitbar, vertrauens- und humorvoll, sie klammern auch Zweifel, Anfechtungen und Prüfungen nicht aus, stellen manchmal gewohnte Glaubensmuster auf den Kopf und eröffnen dem Leser den weiten Raum Gottes. Tief und kathartisch sind seine Gedichte von Tod und seelischer Wiederauferstehung, es finden sich Poeme der Suche, des Trostes, der Klage und der Freude. Abgerundet wird das Buch von einigen ungewöhnlichen theologischen Betrachtungen. Kein Happy-Clappy-Lobpreis, sondern ein Buch mit Ecken und Kanten, das einen Blick aufs Christentum eröffnet, der fern konservativer Traditionen liegt.

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