Niklas Götz

Fadenpendel

Es ist ein Wunder, fast Magie, wie wir zusammenpassen

Kein Abend endet in Streit, kein Morgen beginnt in Schweigen

Ich erwach‘ in diesem rosa Traum und kann mein Glück kaum fassen

Bist hier bei mir in meinem Herzen, und ich in deinem

Wir haben wieder in andern Betten, andern Städten gepennt

Denn diese Liebe hat nen ziemlich dummen Makel,

Wir wären gern zusammen, aber unser Leben verläuft getrennt,

Du tust dein Ding dort, ich hier – als Paar gibt’s uns nur als seltenes Spektakel.

 

Stets aufs Neue große Spannung, es rast der Puls auf hundertzehn

In meinem Koffer alte Träume, Herzenspläne für die ganzen

Tage welche Wochn ersetzen, in denen wir uns nicht sehn

Alles bereit für Wochenenden voller Hollywoodromanzen

Am Fenster flieht die Welt vorbei, die Zeit dehnt sich wie Gummi

Der Schaffner kommt, der Schaffner prüft, der Schaffner geht – die Spannung bleibt

Auf mein Büchlein starre ich und seh nur dich, in meiner Brust ein Flummi

Sieben Stunden, gefühlt nochmal die letzten sieben Wochen

Auf WhatsApp schreibst du mir, schickst ein, zwei Fotos deines Tages nur

Ich war nicht da, war nicht dabei, nicht bei dir, habs nicht gesehen

Bin Gast in deinem Leben, im Handy meine Kommentarspur

Heute Nacht ist Gastauftritt, du und ich im Doublefeature

Im nirgendwo ein Umstieg, noch schnell die Augenringe kaschieren

Nicht den Zug verpassen, knapp vorm Ziel, es geht los, die Wagons fahren,

Plötzlich hält der Zug, die Massen strömen raus, ich will dich anvisieren

Am Gleise stichts nur du heraus aus den seelenlosen Scharen

So stehen wir nun Aug in Aug und teilen einen Kuss

Vertraut und fremd zugleich, wie erster Schnee nach winterlosen Jahren

Deine Lippen weich wie eh und je, doch es trübt den Genuss:

Wir müssn uns neu entdecken, sind anders, als wir dereinst waren

Bald schon nutzt der Rost sich ab, und unser Band spannt sich wieder straff

Gierig wie Investmentbanker verlangen wir was uns gehört

„Netflix und Chill für einen Abend nur ist nicht genug“, sagst du taff

Drum ist Binge loving das Credo unsrer knappen Tage

 

Eng umschlungen erwachen, Haferflocken kauen, Putzen

An Aldikassen gegen Zeit und eilige Omas kämpfen

In der Bib zu zweit versaurn und gut die Pausen nutzen

Ja in knappster Form wird selbst der Alltag magisch!

 

Die Tage fliehen rasch wie Vögel im Herbst, es bleibt der Frust

Und schon ist tränenreich der letzte Abend angebrochen

Ein letzter Kuss, zum letzten Mal drücke ich dich an meine Brust

Muss ich gehen? Pflicht ruft! Bin zu feige hier zu bleiben? Was hab ich verbrochen?

Ein letzter warmer Kuss am Bahnsteig rechts vom Dönerstand

Ein letzter Blick durchs Fenster, Hauch von Nähe vor den dunklen Zeiten

So sitz ich wieder im Abteil, und wieder wird Texten unser einzges Band

Mein Leben lässt sich von deinem weder trennen noch damit vereinen

In Erinnerungen versunken bin ich auf der Fahrt zurück

Unsre Liebe zehrt von ihnen, hungert dann wochenlang

Wie ein Alligator, der flink ein glücklos Gnu verdrückt

So verzehren wir uns und warten dann im Liebesdrang

Vielleicht ist diese Liebe nur Hoffen auf dieser Qualen Ende

Wir teilen unser Leid, und bleiben stets durchs Netz verbunden

Du schickst ein Frosch-Emoji, nur ich weiß um sein Geheimnis

Ich schicke dir ne Kirsche, schon erreicht sie dich in Sekunden

Entschlüsseln können das nur wir, jedes Wort war unser Erlebnis

Ich komme heim zum leeren Raum, das Zimmerlicht ein kalter Stern

Weiße Wände, Mauern aus purem Eis, kein Leben gibt es hier

Ich bin hier nicht zu Haus, hier find ich keine Ruh – denn du bist fern

Kalt ist das Bett, dunkel die Nacht, wenn niemand über dir wacht

Du sagst du vermisst mich, soll zu dir kommen, jetzt

Doch ich komme nicht, kann nicht, ich wag es nicht

Zu mir rufe ich dich, brauche dich, sehne mich, jetzt

Doch du bist beschäftigt, bist gestresst, hast zu tun.

Sind denn unsre Ziele es wert, unser Ehrgeiz so stark?

Unsre Herzen so zu foltern, uns zu quälen jeden Tag?

Wie lang werden wir Sehnsucht verneinen und weiterstreben

Wie lang werden wir kämpfen bis wir uns geschlagen geben?

Und selbst jetzt stehst du nicht an meiner Seite, bist du nicht hier,

Und doch bist du in meinem Herzen, gleich hier, bist in mir

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.03.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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