Hanns Seydel

W I T E G E

( Hinweis zur Aussprache :  Bei "Witege" liegt die Betonung auf der zweiten Silbe, bei "Wittich" auf der ersten. - Hanns Seydel )

Des Mannes hohe Ehre,
sie ist seine große Würde.
Willenskraft, das ist sein Ethos,
wuchtend mit gewaltgem Pathos.
Leidenschaftlich ist des Mannes Streben,
pathetisch gehet er durchs Leben.
Witege, der auch Wittich ward genannt,
als großer Krieger war bekannt.

Wieland der Schmied war sein Vater,
der überstand die schlimme Marter,
die König Nidung sich ersann,
denn Wielands Sehnen ward durchtrann.
Doch des Schmiedes Riesenkraft,
sie überstand die grauenhafte Qual.
Wieland hat geschmiedet auch bei Nacht,
die späte Uhrzeit war nach seiner Wahl.

Er schmiedet Wittich das Schwerte Mimung,
das war noch schärfer als des Siegfrieds Balmung.
Er schmiedet ihm die stärkste Rüstung,
die war so stark wie der Brücken Brüstung.
Den massivsten Helm, er hatte ihm geschmiedet,
um den ihn andre Kämpfer hatt` beneidet.
Denn auch in allerschwerstem harten Kampf,
gegen diesen Helm verfliegt des Gegners Kraft wie Dampf.

Und Wieland ermahnte Wittich,
was ist wirklich wesentlich :
"Hör zu, was ich Dir jetzt sage,
denn Du hörst es nicht alle Tage :
Wenn auch ist die größte Plage,
dann helfet niemals eine Klage.
Sei ein großer hehrer Kämpfer,
der kennet keinen Dämpfer."

Dietrich von Bern war einst sein Freund,
doch durch die Rabenschlacht, er wurd` sein Feind.
Dietrich kämpfte gegen Ermenrich,
doch im Stiche ließ ihn Wittich.
Die Söhn` von Hunnenkönig Etzel,
sie starben in ei`m grauenhaft` Gemetzel.
Dietrich und Wittich warn sie anvertraut
und Wittich hatte Dietrich nicht getraut.

Durch Dietrichs Unbedacht, es starben herbe
des Etzels beide jungen Söhne.
Krass erschlagen wurden Beide,
da hörte man ein grauenhaftes Todgestöhne.
Und in einer spätren schlimmen Schlacht,
die wogte bis in die allertiefste Nacht,
Witege tötet Dieter, des Dietrichs jungen Bruder
und jede Ordnung geriet dort aus dem Ruder.

Jetzt war Gigantenkampf nur angesagt,
nach Versöhnung war da nicht gefragt.
Und Beide sagten sich im Innren :
"Wohl sehn` ich mich nach Bessren.
Doch, ich bin in einem Alter,
in dem der Tod ist schlimmst` Gestalter.
Dieser Kampf, er geht auf Leb` und Tod,
Jeder wird erleb` die größte Not."

Die Sonne war im Tiefstand,
der Abend kam ins Land.
Sie kämpften an des Ufers Strand,
die Sonne hat den Sand verbrannt.
Und Gigantenkräfte warn am Wirken,
als Jeder zeigte seine Stärken.
Unerbittlich ist der Rache Hass,
alle Wangen werden dort fahl blass.

Bei Wind und Wetter kämpften sie,
sie, die Ängste kannten nie.
Des Donners derber Dunst
erhöhte ihres Kampfes Kunst.
Sie sahen sich gefahrvoll an
und Jeder wusste, was der Andre kann.
Selbst Odin und die Götter waren sprachlos,
dieses krasse Treiben war noch mehr als groß.

Sie stachen sich ein Auge aus,
es war der reinste Graus.
Sie hieben sich ein Ohre ab,
das blutend fiel hinab.
Ihr Atem wurde immer schwerer,
doch ihr Wille wurde immer stärker.
Gnadenloser Mordtrieb ward verheerend wach,
die Schwerter schallten mit dem größten Krach.

Und Dietrich war der Stärkere,
Wittich nicht der Härtere.
Da ergriff Witege die Flucht
und gelang zu des Meeres Bucht.
Er stürzte sich mit Pferd und Rüstung
in die brausend brodelnd` Brandung.
Die Meerjungfrauen nahm` ihn auf,
sein` möglich` Tod, er nahm in Kauf.

Und Ruhe wie des Friedhofs Frieden
war dem Schlachtfeld ernst beschieden.
Ein Hauch von Ewigkeit war dort am Wirken,
Gottes Allmacht war am Winken.
Und befreit ist Menschens Seele,
wenn er wichtge Ziele nicht verfehle.
Der feste Wille sieget immer,
seine Wucht wird niemals stiller.

Witege war wie Wieland wuchtig
ein Mann der Taten feurig fruchtig.
Den Mann, es dränget in die Ferne,
die so weit ist wie die weiten Sterne.
Doch dauernd ehern und erhaben,
das Kämpfertum ist riesenhaft erhöht.
Alles Dunkle, es ist dort begraben,
Siegerwille war noch nie verblüht.

Des Kämpfers düstrer Drang,
er ziehet an dem stärksten Strang.
Wie wenn würd` der Hölle Rachen
sich gebärdet wie der grellste Drachen,
aufbäumt sich geg` jeden Widerstand
der Niedere, auch am engsten Rand.
Der eigne Wille ists, der zählt,
das Festgefügte hat der Mann gewählt.

Lächelnd sind der Winde Wehen,
doch donnernd drohend strahlt der Sturm.
Das Schlimmste kann der Mensch bestehen,
er ist ein Kämpfer und kein Wurm.
Mond und Sonne gehen unter stets,
der Mensch geht unbeirrbar seines Wegs.
Ob Tag, ob Nacht, ob Morgen oder Mittag,
das Kämpfertum schlägt Schlag auf Schlag.

Und aufrecht ist die Überzeugung,
die den hohen Menschen prägt.
Seine Kraft, sie kennet keine Beugung,
das Wesentliche ihn stets trägt.
Des Mannes Kraft ist unverwüstlich,
bärenstark, er holt stets weitest aus.
Bei ihm geht niemals etwas in die Brüch`,
das Kräftigste muss brennend raus.

Durch die Meerjungfrauen in des Wassers Höhe,
Wittich ward letztendlich noch gerettet.
Sie brachten ihn an Land, in seiner Heimat Nähe,
doch die Verhältnisse, sie warn zerrüttet.
Denn erbarmungslos, sie hassten sich,
der gnadenlose Dietrich und der unterlegne Wittich.
Und so, sie sahn sich niemehr wieder,
rein gar nichts mehr war dort wie früher.

Des Mannes mächtges mutges Fordern,
höchste Kräfte kann befördern.
Doch wenn Hass und Rache wirken,
dann ist nichts Gutes zu beginnen.
Und der Weltgeist richtet nach sein` eigenem Gesetz,
auch wenn Mancher fühlt sich oft verletz`.
Bebend und verwegen, gehend ihre eignen Wege,
das warn Dietrich und der eherne Witege !



( E N D E )
Hanns SEYDEL, 13.03.2021 - 20.03.2021
( Werk 237 )


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.03.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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