Patrick Rabe

Lecker! Heiland gebraten! (Ostern bei deutschen Neonazis)

 

Der Fremde sah den Nazitisch,

und warf ihn einfach um,

sie aßen Osterei und Fisch,

cogito ergo sum.

 

Sie handeln mit, so heißt das ja,

sie pflegen schöne Riten,

doch dachten sie nicht drüber nach,

wieviele sie schon brieten.

 

Sie sprachen von Barmherzigkeit,

dass Deutsche soviel leiden,

und dass die Türkenkühe schon

hier steh’n auf deutschen Weiden.

 

Sie aßen den Karfreitagsfisch,

interficere sum,

und weil ein Fisch ja lebend zuckt,

bringt man ihn vorher um.

 

Das ist wohl dann das Selbstverständnis

von frohgemuten Christen,

man tötet, was man gerne hat,

und ab in schwarze Kisten.

 

So seh’n auch manche Autos aus,

das Kriegsgerät macht „bumm!“

und was kommt dann am Ende raus?

Necare ergo sum.

 

 

 

 

© by Patrick Rabe, 30. März 2021, Hamburg.

 

 

„Cogito ergo sum“. Diesen Ausspruch kennt man von Rene Descartes. Meistens wird er mit „Ich denke, also bin ich“ übersetzt. Ist auch richtig. Nur eben, dass „denken“ im Lateinischen noch einen sehr aktiven Klang hat. „Cogito“ ist abgeleitet von co agitare, was Mit-Handeln bedeutet, bzw. mitdenkend Handelnd. Eigentlich muss dann also „cogito ergo sum“ heißen: „Ich handle mit, also bin ich“. Ich stelle mir in diesem Gedicht die Frage, wieviele Christen, die sich an christlichen Bräuchen beteiligen (mit handeln), diese auch in einer Weise verstehen, dass diese Bräuche ihnen helfen können, christlich im Sinne des Wortes zu handeln. Also mitfühlend, nicht verurteilend, und nach Möglichkeit alle segnend. Für mich ist immer noch Jesu Lehre und Auferstehung wichtiger als sein Leiden, sein Tod, und die qualvolle Folter, die er erdulden musste. Die lateinischen Wörter interficere und necare bedeuten beide „Töten“. Beziehungsweise bedeutet „interficere“ „Verzehren“ und „necare“ „Im Keim ersticken“, „zu Boden schlagen“. Die Frage ist ja: Was feiern wir an Ostern? Dass „wir“ den Heiland zu Tode gefoltert haben und ihn jetzt ratzeputz aufessen? Oder, dass er für uns auferstanden ist, und den Tod besiegt hat? Ich plädiere nicht für das Ändern von Osterbräuchen. Ich plädiere dafür, sie zu hinterfragen, und immer wieder zu schauen: wie gehe ich mit meinen Mitmenschen um? Feiere ich das Leben oder zelebriere ich den Tod? Wer Leben im Keim erstickt tut das, was Sheriff John Brown in dem Bob-Marley-Song „I shot the sheriff“ tut. „Kill it, before it grows.“. Jesus sagte aber: „Das Senfkorn ist das kleinste unter den Samenkörnern. Wenn man es aber auf fruchtbaren Boden wirft, wächst es auf zu einem Baum, der wohltueden Schatten gibt, und den Vögeln eine Heimat. Vielleicht kennt jemand die Geschichte vom Propheten Jona, der sich nach seiner Bußpredigt über Ninive darüber ärgert, dass Gott die Stadt verschont. Er selber sitzt aber unter einer Schatten gebenden staude in der Wüste, und klagt, als ein Wurm sie anfrisst, und sie stirbt. Wer in diesen Zeiten ist ein Jesus, wer ein Jona? Wer ist Sheriff John Brown, und wer ist der, der ihn in Notwehr erschießt? Ich glaube, wir dürfen und müssen uns diese Fragen heute neu stellen. „Ich habe den Sheriff erschossen, aber nicht seinen Stellvertreter.“, macht aus dem Mund eines frommen Rastafari, wie Bob Marley es war, Sinn. Es heißt aber implizit auch „Ich tötete zwar Gott, aber nicht seinen Sohn.“ Bevor man jetzt aber in ein empörtes Geschrei gegen die Rastafari ausbricht, möchte ich zu bedenken geben, dass Jesus Christus ja nicht nur alleine im Text der Bibel als der gnädigere und freundlichere von beiden erscheint (im Vergleich von Gottvater und Gottsohn), sondern bis heute auch von vielen Christen als real liebende, erleuchtende und verwandelnde Kraft erfahren wird. Der Vatergott Jahwe jedoch erscheint uns zumindest im Alten Testament oft zornig, rächend, die Menschen auf Proben stellend, die sie nicht bestehen können, und ungerecht bis vorschnell strafend. Jedoch übersieht man dabei etwas: nämlich, dass Jesus sagt: „Ich und der Vater sind eins“. Gott, wenn er die Menschwerdung durchlebt hat, mitgefühlt und mitgelitten hat, und sogar mitgestorben ist, ist ein anderer, als der, der „nur“ der Erschaffer ist, aber nicht auch das Geschöpf. Die Natur ruft uns an Ostern zur Freude, zum Feiern und zur Liebe. Der Winter, das Frieren, der Tod schmilzt und bleibt zurück. Das sollten wir betonen, und nicht zum wiederholten Male unsere Münder an Ostern mit Grabesmasken bedecken. Und nur als kleine Info: Während wir hier in Deutschland an der von uns so sehr gehätschelten „Coronaseuche“ mehrheitlich doch nicht sterben, wird im Jemen wieder geschossen. DORT sterben Menschen.

 

 

 

© by Patrick Rabe, 30. März 2021, Hamburg.

 

 

 

 

 

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