Hanns Seydel

DES LEBENS WECHSELFÄLLE UND GEGENSÄTZE


Die Wechselfälle auf der Welt,
für Gegensätze sind bestellt.
Jeder Tag, er hat ein eigenes Gesetz,
so wie jedes Loch ist anders in ei`m Netz.
Der Tag ist hell, die Nacht ist dunkel,
sie vertreibt des Tages grell` Gefunkel.
Doch die größten Gegensätz` sind die,
deren Wechselhaftigkeit, sie endet nie :

Natur und Wetter sind das beste Beispiel
für Gegensatz und herb` Veränderung.
Sich immer neu zu zeigen ist ihr Ziel,
dauernd anders heißt ihr` Steuerung.
Jetzt scheinet nocht die schönste Sonne,
doch in spätrer Stund` vertreibet Reg` die Wonne.
Und ist der Himmel jetzt noch blau,
dann ist er später finster grau.

Doch Regen reicht Natur noch nicht,
es kommt noch Sturm, zerstört jed` Licht.
Alles Schöne ist gestorben,
das Gewitter kommt geflogen.
Man hört des Donners derbes Dröhnen,
die Natur kann nichts versöhnen.
Und wie mit einem Paukenschlag
ruhevoll und helle wird der Tag.

Gegensatz und Wechselfall
ist Naturens schriller Schall.
Schönes, schlechtes Wetter
wechseln ab nach ihren Launen.
Für solchen Wechsel gibts kein` Retter,
da kann der Mensch nur staunen.
Der Sonnenschein wurd` nicht gefragt,
wenn Gewitter, Sturm und Regen hab` getagt.

Auch der geistige Charakter
ist nicht bei Jedem gleich.
Die Einen denken oft abstrakter,
die Andren gegenständlich.
Verdrängen lässt sich niemals Gegensatz,
die Abwechslung, sie macht sich immer Platz.
Des Schicksals Gang ist unergründlich,
manch` menschlich` Reaktione unerfindlich :

Denn Wen verwunderts, dass es kracht,
wenn Wasser und Feuer sich mengen mit Macht.
Doch in manchen herben Charakteren
gehts so zu und kann Alles nur erschweren.
Impulsiv und ohne weitres Denken
ist das Wechselhafte sie am Lenken.
Heute sind sie noch genießbar,
doch morgen ist Genusse rar.

Der gedanklich weite Höhenflug,
er ist dem Denkenden noch nicht genug.
Der immer emsge Schreibmensch,
er gerät sehr gern in Schreibrausch.
Der einzig nur Beobachtende
wird niemals sein der Schreibende.
Ihn erwischt die Stimmungsschwankung,
so, als wär` sie eine arg` Erkrankung.

Seelenkräfte, Geisteskräfte sind am Wirken,
wenn ein neues Werk bestimmt das Denken.
Nur durch Trauriges kann Stimmung sinken,
Trauer kann vorher größte Freud` verrenken.
Der Alltag ist geprägt vom Wechsel,
Freud` und Trauer liegen dicht an dicht.
Der Gleichgültige, er zuckt die Achsel`,
bei`m Empfindenden brennt innres Licht.

Kalt und herzlos sind Naturen,
die nicht kenn` der Freude Spuren.
Weit hergeholt ist ihr` Entschuldigung,
das Gegenteil ist ihr` Bereicherung.
Unausstehlich sind die Bösen,
denn das Üble ist ihr Wesen.
Im Gegensatz dazu die Guten,
die sich stets zu Bestem sputen.

Bei Unmuts finstrem Sinn,
das vorher Herrliche verfliegt.
Doch der Unmut, er verrinn`,
die Freude hatte ihn besiegt.
Die Stimmung wechselt stetig,
nur der Wechsel wirket mächtig.
Einsam und verlassen ist die Trauer
und daneben ist der Freude Schauer.

Gegensätzlich sind Gemüter,
deren Temprament ist wechselhaft.
Ausgeglichen warn sie niemals früher,
der Wechsel hatte stets die Herrschaft.
Nun komme, was da kommen will,
auch wenn tönet Jähzornens Gebrüll.
Der Choleriker ist immer laut,
der Leise jedes Leid verdaut.

Verachtung ist des Hassers Wesen,
nur in schlecht` Lektüre ist er stets belesen.
Nur Hass und Rache kennt sein Herz,
der Sadist, er weidet sich an Andren Schmerz.
Im Gegensatz dazu der Gütige,
in sein` Überzeugung ist der Mutige.
Optimistisch denkend positiv,
er das Gute fühlet intensiv.

Überirdisch ist die höchste Freude
bei allen tief empfindend` Leute`.
Doch nebendran, da sind die Krassen,
der`n Empfindung ist das Hassen.
Die Gutheit, sie wird immer siegen
und das Böse stets bekriegen.
Das Böse bäumt sich auf,
doch das Gute nimmt sein` Lauf.

Der Tod, er greifet grausam um sich,
da gibt es nicht des Lebens Lich`.
Doch der Glaube ists, der prägt
und alles Gegenteilige zersägt.
Ohne Glauben sind die Einen,
doch voller Glauben sind die Andren.
Der Realismus ist das Nächste,
doch der Idealismus ist das Höchste !



( E N D E )
Hanns SEYDEL, 07.04.2021 - 09.04.2021
( Werk 244 )



 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.04.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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