Aylin

High Noon im Kanzleramt

High Noon im Kanzleramt

 

Die große Show um den Kanzlerkandidaten der CDU/CSU läuft. War das nicht geil, wie sie aus dem Gebäude traten, perfekt inszeniert in Zeitlupe vom stattlich, öffentlichen Fernsehen? Wie bei „Spiel mir das Lied vom Tod“, mit ernster Miene, aufrecht. Zu allem entschlossen, zog Laschet seine Maske wie Whyatt Earp den Colt. Cool! Söder lief mit festem Tritt, zielstrebig, mit markiger Miene. Unbeeindruckt von Laschets Maskencolt, denn der hatte ja nicht geschossen.

Dabei schmälerte meinen Genuss ein wenig, dass mir auffiel, dass mein Traummann Söder leichte O-Beine und einen Schmierbauch hat. Aber schließlich wählt man ja seinen Kanzlerkandidatsfavoriten nicht nach Äußerlichkeiten aus. Sagt auch Haseloff, CDU. Der sich nun gegen Laschet ausspricht, weil ihm die Landtagswahl im Osten und vermeintlich die AFD im Nacken sitzt. Auch nicht nach Charakter. Charakter, das ist ein schönes Wort in diesem Zusammenhang. Jetz wolle mer uns aber mal nit fimschig anstelle. Wer von denen da oben hätte denn wohl nicht, bevor er da oben ankam, etliche andere weggekickt, weggetrickst und weggeschleimt?

Doch nun möchte man Söder als charakterlos anzählen, weil er nicht zurückzieht. Warum eigentlich`? Sonntags verkündeten beide, man wolle das einvernehmlich lösen und sich dann gemeinsam verkünden. Irgendwann vor Pfingsten. Laschet kicherte. Wusste er mehr? Montags beschlossen die obersten Gremien von CDU in einer Sitzung, in der man eigentlich über die Corona-Notbremse beraten wollte, Knall auf Fall, dass Laschet der Kanzlerkandidat der CDU/CSU sein soll. Man überrumpelte damit quasi die CSU, die zu der Frage nicht mal getagt hatte. Die CDU hoffte, Söder würde das schlucken, aber der sagte sich: Na, jetzt grad net! Und trifft damit offensichtlich auch den Nerv des Wählers. 70 Prozent hätten ihn gerne als Kanzler. Laschet steht hinter Olaf Scholz und knapp über Habeck.

Die CDU-Fraktion rebelliert gegen die Entscheidung für Laschet, die ja zunächst als „reine Meinungsbildung“ abgetan wurde. Nicht nur die CSU fühlt sich da veräppelt, auch der Wähler. Haseloff und der kleine Hans aus dem Saarland sprechen sich für Söder aus. Der Fischkopp Günther aus dem Norden gibt sofort ein Interview vor Meer und Strand, mit Möwengeschrei, und macht jeden Wähler neidisch, der da jetzt nicht hinfahren kann wegen Corona. Er hält dagegen und spricht sich für Laschet aus. Ebenso der Bouffier, der eigentlich nur noch aus Gebiss besteht, wie das Pferd von Lucky Luke. Wie das mit dem Pferd ausging, weiß jeder, der die Serie als Kind gesehen hat…

Und Haseloff sitzt vermeintlich die AFD im Nacken. Eine konservierte Angst, die doch an Bedeutung verloren haben sollte. Wer wählt denn bundesweit eine braune Partei, die als Hauptprogramm die Abschaffung von Minaretten und Masken hat? Ich habe noch keine Moschee hier mit Minarett gesehen. Vielleicht hat Weigel das ja mit den pompösen, schimmernden Bauten eines Autohauses verwechselt? OK, der Autoverkäufer brüllt jetzt nicht um fünfe morgens „Audi akbar“ in die Peripherie. Aber wer weiß, was in Zukunft sein wird, wo die doch so hofiert werden von der Regierung…

Wer bei der jetzigen Corona-Lage die Masken abschaffen will, der hat den Schuss nicht gehört. Aber Laschet hat eben ja nicht geschossen. Und das ist das Problem der CDU. Über 16 Jahre lang verzogen von Muddi, kriegen ihre Blagen nicht mehr den Mund auf.

Die Lage ist ernst. Und da kann auch der schnuckelige Drosten nicht helfen.

Sicherlich wird man warten, bis die Grünen ihren Kandidaten benennen. Wird es Baerbock, könnten viele Wähler, falls Laschet Kanzlerkandidat wird, zur SPD abwandern. Da sich die CDU/CSU nun endlich als der eitle Hühnerhaufen, der nur um seinen eigenen Pirk kreist, geoutet hat, könnte es passieren, dass der ruhige Olaf Scholz ihre Eierchen einsammelt.

Egal, wann sich die CDU/CSU entscheidet, sie ist längst in den eigenen Brunnen gefallen. High Noon im Kanzleramt. Hi (und) nun?

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.04.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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