Ralph Bruse

Selene

Selene

 

Am Haus,
das Mädchen,
ohne Schuh,
tastet mit Händen immerzu,
sich durch den bunten Frühlingsgarten.

Der Kater streicht ihr um die Beine.
Das Knirschen weisser Kieselsteine...
Als würde alles auf sie warten.

Sie setzt sich hin, auf Blumenhöhe;
nimmt Düfte wahr in nächster Nähe
und wiegt sich träumend mit dem Wind.

> Hallo Selene!, < ruft ein Junge.
Er streckt heraus die böse Zunge.
Verschwindet dann jedoch geschwind.

Sie greift behutsam um sich her.
Hört schon von fern das große Meer,
wie niemand sonst, der sieht.

Ein Windhauch stößt ihr Lächeln an,
das niemals freier werden kann,
als zu dieser Morgenstunde.

Die Hände legt sie flach zur Erde,
daß irgendetwas darin werde
sich ruhend legen, aus der Runde.

Ein Käfer ist´s, der Wärme findet,
der kribbelnd sich um Finger windet,
bis er ganz still verharrt.

                     ***

Die Stunden flogen leicht dahin.
Im Dämmern hob sie Arm und Kinn.
Am Tor grüßt jener Mann mit Bart.

Er sagt: mein Kind, die Nacht bricht an.
Die Mutter wird sich sorgen dann.
Die Stimme mahnt – und geht.

Sie nickt, hört noch des Alten Schritte,
von weither, hier, zur Gartenmitte,
eh tiefes Blau den Tag verweht.

Danach fühlt sie bei Stubenlicht
auch Schwermut-Schatten im Gesicht.
Manchmal
und nur bis zum Morgen.



Ballade: © Ralph Bruse

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Alle Haiku-Gedichte in "Den Wind jagen" von Heike Gewi sind im Zeitraum von Januar 2008 bis 2012 entstanden und, bis auf einige Ausnahmen, als Beiträge zur World Kigo Database zu verstehen. Betreiberin dieser ungewöhnlichen Datenbank ist Frau Gabi Greve. Mit ihrer Anleitung konnte das Jemen-Saijiki (Yemen-Saijiki) systematisch nach Jahreszeitworten für Bildungszwecke erstellt werden. Dieses Jahr, 2013, hat die Autorin die Beiträge ins Deutsche übersetzt, zusammengefasst und in Buchform gebracht. Bei den Übersetzungsarbeiten hat die Autorin Einheimische befragt und dabei kuriose Antworten wie "Blaue Blume – Gelber Vogel." erhalten. "Den Wind jagen" heißt auch, Dinge zu entdecken, die sich hoffentlich nie ändern. Ein fast unmögliches Unterfangen und doch gelingt es diesen Haikus Momente und zeitlose Gedanken in wenigen Worten einzufangen und nun in dieser Übersetzung auch für deutschsprachige Leser zugänglich zu machen.

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