Hanns Seydel

DIE RAUBTIERE


"Gefährlich ist`s, den Leu zu wecken,
Verderblich ist des Tigers Zahn.
Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
Das ist der Mensch in seinem Wahn."
(aus Schillers "Lied von der Glocke")



Die Arena der Selbstbewussten,
das ist das weite, breite Feld.
Doch diese wissen müssten,
dass auch das Tier sich so verhält.
Das Raubtier hat sein` eignen Drang,
seinen Trieb, es bringet oft in Gang.
Und Der hat für immer hohen Rang,
er hat in der Natur den wildest` Klang.

Und der Tiere starker Trieb,
der niemals löchrig ist wie Küchens Sieb,
treibet stets das Raubtier weiter,
im Vorwärtsdrang, das Tier ist heiter.
Donnernd krachen die Gewalten,
wenn in tobend brausenden Gestalten
das Raubtier greifet an die Andern,
dies wird sich niemals ändern.

Der Instinkt treibt jedes Tier extrem voran,
der Beutedrang schlägt Raubtier in sein` Bann.
In Flammen tobt die Leidenschaft,
beim Menschen wie beim Tier.
Die Verwirklichung, sie wird vollbracht
beim Raubtier wie beim Stier.
Nie enden könn` des Raubtiers Mächte,
die wirken auch in allen Nächte`.

Der Kampfgeist ist nicht nur dem Menschen eigen,
er durchdringet auch der Tiere Reigen.
Das Raubtier hat ein schweres Los,
sich zu behaupten liegt in seinem Schoß.
Der Daseinskampf ist dort so heftig,
dass kämpft das ganze Tierreich riesig mächtig.
Das Kleintier erzittert, von Angst erfüllt,
es sieht die Gefahr des Raubtiers, die Nichts erhellt.

Fest gefüget in der Wurzel,
in dem allertiefsten Stamm,
wo es gebet keine Kürzel,
wird jedem Kleintier klamm.
Wenn das Raubtier ist am Wüten,
dann muss das Kleintier sich bedächtig hüten.
Wenn beben der Raubtier` heftge Muskeln,
dann müssen sich die Kleintier` tiefest ducken.

Unversöhnlich, unverbindlich
geht es oft im Tierreich zu.
Das Raubtier lässt die Schwächeren im Stich,
im Affekt ist stets vorbei vorherge Ruh.
Freudig ist erregt des Tieres Sinn,
wenn der Eifer nie verrinn`.
Wie beim Menschen wirkt der Wille,
so verlässt das Raubtier den Klang der Stille.

Tod und Verdammnis, gnadenlos sie wirken,
das Endgültige kann auch das Tierreich niemals beugen.
Dem Schwächsten schlägt die Stunde,
der Starke wehrt sich in der Runde.
Kraft und Schwäche, sie sind auch im Tierreich,
doch das Ergebnis ist nicht immer gleich.
Das Raubtier zieht zwar ruhevoll umher,
doch mit Mordlust kommt sein` Wiederkehr.

Der Kämpferwille, der frontale Angriff,
das wird bleiben ein zentral` Begriff.
Denn im Gegensatz zum Menschen,
das Raubtier kennet keine Gnade.
Jedes Mitleid kann es nur verscheuchen,
hasserfüllt ist es von innrem Brande.
Es hat in sich das Skrupellose,
schrecket nicht zurück vor heftgem Stoße.

Gesprochen wird das Wort,
geschrieben wird an jedem Ort
über Raubtiers tiefem Trieb,
keine Hoffnung dort verblieb.
Es flüchtet der Wandrer,
es fürcht` sich der Jäger.
Das Raubtier kennt sein eignes Banner,
es ist sein` Überzeugung tiefer Träger.

Selbstbewusstsein prägt ein Tier,
das zum Raube ziehet aus.
Stärker als der stärkste Stier
kennet auch das Raubtier sein Zuhaus`.
Bohrend, heulend, maßlos tief empfindend,
sich beherrschen kennet nicht,
sieht das Raubtier nur den Kampf beginnend,
auf neue Jagd ist es erpicht.

Raubtier kennet keine echte Schonung,
widerspenstig ist sein` eigentlich` Gesinnung.
Ihm liegt die allerschlimmste Drohung,
sie bringet herbest höchst` Verschlimmerung.
Der Angriff ist des Raubtiers Wesen,
in sei`m Revier, es kann sich kraftvollest bewegen.
Und jedes Raubtier hat sein` eignen Wert,
zum Betrachten es das Volke führt.

Unverbrüchlich ist die Treue,
bei`m Menschen wie bei`m Tiere.
Die Raubtier` sind sich im Endeffekte
immer einig, obwohl anders im Affekte.
Auch dort gibts Unterschiede,
denn das Raubtier kennet keine Zierde.
Es hat den Lebenskampf begonnen,
bei dem ist alles Frühere verronnen.

Der Löwe brüllt, der Tiger jault,
die Krähen krächzen ärgerlich.
Der Panther hat noch nichts verdaut,
jedes Raubtier ächzet fürchterlich.
Das Wortgebilde zeiget Kraft,
das Tiergebaren zeiget Macht.
Doch die Tiere sind zu achten,
sie sind als Lebewesen zu betrachten.

Und wenn in Raubtiers wuchtgem Temprament
es brodelt heftges vehementes Element,
dann wird auch dort sehr sichtbar sein,
dass auch das Raubtier ist im Grunde fein.
Würdevoll, es schreiten Löwen,
begleitet von des Himmels Möwen.
In der Ruhe liegt die Kraft,
in dem Eifern liegt die Macht.

Nach vorne tobend ist das Herdentier,
seinen Trieb, den kann es nie verlier`.
Der Charakter zeigt sich auch beim Tiere,
denn vorwärts donnernd ist sein Wille.
Der Instinkt des Raubtiers ist stets stramm,
ausgerichtet auf den höchsten Damm.
Die Hundeartigen und die Katzenartigen,
sie gehören alle zu den Säugetieren.

Das Reich des Stärkeren
ist auch oft das Reich des Härteren.
Da prescht hervor der Panther
und zeiget dann, was kann er.
Erst wild fauchend wird er später still,
denn sein Instinkt ist immer hell.
Und auch beim kleinen Tier,
seine Sanftmut sehen wir.

Des Donners düstres Dräuen,
im Prinzip, es bleibt bestehen.
Doch der Sonne Licht kann Nichts zerstreun,
des Tieres Kraft wird nie vergehn.
Denn des Raubtiers wuchtger Hammertrieb,
er duldet nicht, dass Schwächliches sei dort verblieb`.
Macht und Kraft sind Raubtiers Sinne,
sie berühren das tiefste Innere.

Äußre Härten trotz innrer Schwächen
kennzeichnet die rauhe Schale.
Doch den Willen kann nichts brechen,
im Gleichgewicht, es bleibt die Waage.
Machthungrig und machtversessen
sind auch der Tiere Größten.
Jedes Mitgefühl, sie haben es vergessen,
zu Sieg und Selbstbehauptung sie führten.

Menschlich ist Verzeihung,
doch im Tierreich gibts dies nicht.
Wenn dort erfolgt Beleidigung,
jede Hoffnung bitter bricht.
Einsicht, sie ist Dem gegeben,
der erkennt im ganzen Leben,
dass jedes einzge Lebewesen
erfüllet ist von stärkstem Streben.

Wütend wühlet wild der Löwe,
wenn bezweifelt wird sein` Größe.
Gelassenheit ist Menschens Zierde
und Ruhe ist des Tieres Würde.
An dem Starken prallet ab die Härte,
die das Leben mit sich bringt.
In jedem Winkel dieser Erde,
Jeder seine Meinung singt.

Im Raubtierreich gibts viele Kämpfe,
der Eine ist des Andren Feind.
Da gibt es nicht des Friedens Dämpfe,
alles Friedliche, es wird verneint.
Machtgier steht im Vordergrund,
beim Raubtier wie beim Hund.
Furchtbar ist des Raubtiers Rache,
denn dann bebet Hauses härtest` Dache.

Und in der Sonnen heißest Hitzen,
wo Mensch und Tiere sind am Schwitzen,
das Raubtier bleibet ungerührt,
die Kraft, es hatte stets gespürt.
Und wenn der Adler hoch fliegt jeden Tage
und siehet den entsetzten Rabe,
dann sehn beide auch des Kleintiers Lage
und das Raubtier trauert an sei`m Grabe.

Der starke Adler sieht erneut den Raben,
jeden Frieden hatten sie begraben.
Doch gleichgesinnt sind sie im Höhenflug,
dass sogar das Raubtier hat genug.
Und wenn Falken kommen noch dazu,
dann ist die Ruhe fort im Nu.
Echter Aufruhr folget nun,
um Kraft sich alle Raubtier` jetzt bemühn.

Ein ereignisreicher Tag, er geht zu Ende,
im Tiefstand steht die Abendsonne.
In des Raubtiers ganz gefährlichem Gelände,
das arme Kleintier könnte elendig verende`.
In dunklem Rot erscheint die Sonne,
Alle Raubtier` zeigen, was sie könne`.
Da ist `ne Wildheit wie sonst nicht,
keine Hoffnung, sie ist dort in Sicht.

Doch auch das Raubtier kennet Mitleid,
es siehet Schwächen bei den Kleinen;
sie nicht zu töten, dazu ist es stets bereit,
auch wenn es sehr oft ist am Streiten.
Das Feindbild ist dem Feind gegeben,
im menschlich` wie im tierisch` Leben.
Das Raubtier zeiget seine wilde Kraft,
die sich gebärdet mit enormer Macht.

Und es macht ganz intensivest deutlich,
seinem Willen macht Keiner einen Gegenstrich.
Das Rednertum gehört dem Menschen,
dies kann kein Raubtier jemals schwächen.
Doch auch dem Raubtier gehört das Mitgefühl,
das ist des wertvoll` Menschen hoher Stil.
Das Raubtier ist ein Lebewesen,
sein Vorwärtsdrang ist stets verwegen.

Der Beutetrieb des Raubtiers, er präget es,
zu erobern, darauf ist es stets versess`.
Und man sehe des Raubtiers Eigenart,
auch schwächre Tiere das Raubtier um sich schart.
Jedes Tier ist immerfort zu achten,
nach der Wertschätzung ist dauerhaft zu trachten.
Ob Haustier oder Raubtier,
an der Tiere Freude denken wir !



( E N D E )
Hanns SEYDEL, 18.04.2021 - 20.04.2021
( Werk 247 )




 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.04.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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