Liselotte Brand-Cerny

Der alte Mann mit dem Rollstuhl 28.04.2021

Im Altersheim wohnt er seit kurzer Zeit,
doch er war schon länger dafür bereit.

Das kleine Zimmer hat er für sich allein,
es ist gepflegt, ist ordentlich und rein.
Möbel waren schon da, auch ein schmales Regal
für seine Bücher. So schwer war da die Wahl.

Zuerst die von den Sternen, den Meeren, Kristalle,
über Science Fiction, ach, die nahm er fast alle.
Einige musste er oben auf legen,
und sie liessen sich kaum noch bewegen.
Am Fenster da hat er Pflänzchen gezogen
und einen Draht gut zurecht gebogen,
um ihnen eine Stütze zu geben,
damit sie auch recht lange leben.

Seine Gesundheit ist eigentlich recht gut
für weit über 90 - da zieht mancher den Hut.
Natürlich hat auch er seine kleinen Leiden,
Doch lassen die sich nicht ganz vermeiden.
Er dankt seinem Schutzengel für jede Nacht,
die ihn, wie immer, auf die Beine gebracht,
und dass er noch sehen und hören kann -
mit diesem Dank fängt sein Morgen an.

Das Frühstück braucht er, es geht eine Weile,
den Kaffee geniesst er, er hält nichts von Eile.
Die Küchenhilfe gibt ihm, das geht ruck zuck,
zur zweiten Tasse noch einen Extraschluck.
Die Frühstücksbanane nimmt er mit raus,
er freut sich schon jetzt auf den kleinen Schmaus.

Dann, nach dem Frühstuck verlässt er das Haus,
klopft auf das Barometer. Wie sieht es heut' aus?
Egal! Er braucht die Frischluft-Therapie,
So hielt er es immer, es ist seine Manie.
Die Luft ist kühl, wie stets am Morgen,
er vergisst seine Träume, ist frei von Sorgen.
Die Beine sind schwach, doch die Arme noch stark,
so rollt er beschwingt hinaus in den Park.
Der Sand ist noch feucht vom nächtlichen Regen,
doch geht es jetzt schon der Sonne entgegen.
Er geht weiter zum niederen Gatter am Teich -
wie schön es ist, er fühlt sich so wunderbar reich.

Meistens beachtet er, was er sieht und hört,
alles ist harmonisch und nichts ist da was stört.
Doch manchmal führen die Träume Regie
und er vergisst die Zeit, geht zurück, irgendwie.
Er ist dankbar für alles, was ihm geschah,
für alles was er erlebte, was er überall sah.
Sein Geist ist immer noch jung und vital,
es fühlt sich an wie in einem Regal,
wo alles gepflegt wird und sortiert,
und für ihn in Ordnung gehalten wird.

Er geht auf einem anderen Weg zurück,
macht ein paar Schritte – auch das ist Glück.
Er fühlt die Energie, die seine Beine durchdringt
und wie sein Körper im Gleichmass schwingt.
Im Haus, da lässt er den Rollstuhl stehen,
da genügt es ihm, mit dem Stock zu gehen.

Ja, er ist wahrlich ein glücklicher Mann,
und man sieht es ihm auch richtig an.
Er bringt viel Licht in der Menschen Räume
und wünscht sich für alle gute Träume.

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