Patrick Rabe

Der Palast ist leer (Hommage an einen Song der "Sterne")

Der Palast ist leer

 

(„Kindliche-Kaiserin-nach-hundertjährigem-Schlaf-plus-Peer-Gynt-kehrt-heim-und-schafft-es-am-Knopfgießer-und-am-Dovre-Alten-vorbei-Remix mit „Unter den Ruinen sind noch Rosen“-Dubuntermalung)

 

Der Palast ist leer,

der Palast ist leer,

in den Fluren rauscht

ein Wind umher.

Ein Kafka-Kind sagt: „Ende!“,

und drängt mich an die Wände,

der Palast ist leer.

 

Der Palast ist leer,

der Palast ist leer,

die Bohrer bohren heute sehr,

die Grabräuber, sie prüfen,

ob hier noch Mumien schliefen,

der Palast ist leer.

 

Der Palast ist leer,

der Palast ist leer,

im Eisschrank wohnen Maden,

wir schmeißen mit Maladen,

der Palast ist leer.

 

Der Palast ist leer, der Palast ist leer,

im Garten steht

ein Fass mit Teer.

Ich soll mich selber teeren

und nicht weiter vermehren,

der Palast ist leer.

 

Der Palast ist leer,

der Palast ist leer,

die Masken in-

teressier‘n nicht mehr.

Wir kriechen auf den Vieren,

tun mit ihnen jonglieren.

 

Der Palast ist leer,

der Palast ist leer,

ein jeder ist

er selbst nicht mehr.

Man findet sich in Ecken,

wo andere verrecken,

der Palast ist leer.

 

Der Palast ist leer,

der Palast ist leer,

die Party ist

auch nicht am Meer.

Selbst Jochen Distelmeyer

Ist auf `ner andern Feier,

der Palast ist leer.

 

 

Der Palast ist leer,

der Palast ist leer,

die Sterne leisten

Gegenwehr.

Man will sie wohl versohlen

und auch vom Himmel holen,

der Palast ist leer.

 

Mitten im Winter

erreicht mich eine Depesche aus dem Westflügel (Turmzimmer).

Das ist das erste Lebenszeichen seit Jahren… und ist ein Hilfeschrei.

Die Heizung scheint einen Defekt zu haben,

oder ein Fenster geht nicht richtig auf und zu.

Ich mache mich auf in den Westturm.

Und ich glaube nicht, was ich dort sehe.

Es ist die Kammerzofe.

Ich brauche etwas, um sie widerzuerkennen,

aber wir kennen uns aus den Gärten,

vom Spielen im Windschatten der Könige,

vom Riechen des Windes,

vom Tollen über Gras,

vom Liegen in Wiesen,

und vom Jubeln über Heckenrosen und wilde Hagebutten;

, aus goldenen Momenten

zwischen den Unglücksfällen und Schicksalsschlägen,

dem Geracker für die Bonzen,

und den einsam verbrachten Nächten.

„Kaiserin.“, sage ich.

„Naivkopp.“, sagt sie. „Die Monarchie wurde abgeschafft.“

„Looks like it’s just us from now on?“,

stelle ich fest, und ergänze:

„Das ist von Phil Collins.“

„Und was ist von dir?“,

fragt sie.

„Das sind ja wirklich die üblichen Liebenswürdigkeiten…“ denke ich kurz.

Dann wische ich das Karma von den Wänden

(sie sagt, ich hätte lediglich beim Ausziehen meiner lederjacke die Hälfte von allem, was auf dem Tisch war, heruntergefegt),

und sage:
„Das hier. Das hier ist von mir.“

(…)

Sie weint.

Es wird Nacht.

Zwei Zerbrochene

zeigen sich ihre schüchternen,

aber deutlichen Liebesbeweise,

und benehmen sich,

als müssten sie alles neu lernen.

Draußen röhren dumpfe Maschinen,

und die Stadt schneit zum letzten Mal ein.

 

Und dann tanzen wir.

Und dann tanzen wir.

Und auf den Straßen

schmilzt der Teer.

Und draußen,

dort im Grünen,

da schwirren schon die Bienen,

der Palast ist leer.

 

 

© by Patrick Rabe, 30. April 2021, Hamburg.

 

Dieses Gedicht basiert locker auf dem Song „Der Palast ist leer“ von den Sternen. „Der Wind“ vom Blumfeld ist quasi die Vorgeschichte dazu. Mein Song wäre dann die Weitererzählung. Mit Dank an die Sterne für gute Musik zum Hoffnungschöpfen und Weitermachen. Wer diese Songs als Schüsse vor den Bug empfindet, ist selber schuld.

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Patrick Rabe).
Der Beitrag wurde von Patrick Rabe auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.04.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

Buch von Patrick Rabe:

cover

Gottes Zelt: Glaubens- und Liebesgedichte von Patrick Rabe



Die Glaubens-und Liebesgedichte von Patrick Rabe sind mutig, innig, streitbar, vertrauens- und humorvoll, sie klammern auch Zweifel, Anfechtungen und Prüfungen nicht aus, stellen manchmal gewohnte Glaubensmuster auf den Kopf und eröffnen dem Leser den weiten Raum Gottes. Tief und kathartisch sind seine Gedichte von Tod und seelischer Wiederauferstehung, es finden sich Poeme der Suche, des Trostes, der Klage und der Freude. Abgerundet wird das Buch von einigen ungewöhnlichen theologischen Betrachtungen. Kein Happy-Clappy-Lobpreis, sondern ein Buch mit Ecken und Kanten, das einen Blick aufs Christentum eröffnet, der fern konservativer Traditionen liegt.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Gesellschaftskritisches" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Patrick Rabe

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Lecker! Heiland gebraten! (Ostern bei deutschen Neonazis) von Patrick Rabe (Ostern)
9-1-1, September von Ingrid Drewing (Gesellschaftskritisches)
Stille von Edeltrud Wisser (Besinnliches)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen