Horst Fleitmann

Löch'rige Betrachtung

Jede Seele ist ein Loch
ohne Boden ! Aber doch
möchte ich, (nur um zu Spassen)
wie es auch Tucholski tut
mit den Löcherm mich befassen
Löcher sind für vieles gut.

Immer muss in jedem Fall
irgendetwas überall
schon an sich vorhanden sein,
denn sonst käm' kein Loch hinein.
Schon erkennt man mit Humor:
Loch kommt nie alleine vor.

Wesentlich ist, wie bekannt,
für das Loch an sich: Der Rand.
Erst wenn diesen man erkennt,
gilt das Loch als existent.
Ohne Rand ist, wohlverstanden,
Loch als solches nicht vorhanden.

Löcher gibt es eine Menge:
Große, kleine, weite, enge,
runde, tiefe, flache, schmale,
eckige und auch ovale.
Meistens ist ein Loch sehr leer,
Weil es sonst an sich keins wär'.

So gesehen und betrachtet,
wird ein jedes Loch geachtet
wie auch immer es gebaut.
Auch der Mensch hat in der Haut,
um sich daran zu erfreuen,
Insgesamt der Löcher neun.

Wovon wiederum stets sieben
(das ist wichtig, meine Lieben)
weil wir ständig sie benützen,
oberhalb der Schulter sitzen.
Von den anderen zwei bieden
wird Beschreibung hier vermieden.

Ohren, Nase, Mund und Augen
würden uns nur wenig taugen,
und es wär' auch kein Vergnügen,
wenn wir sie am Hintern trügen,
denn wir könnten (möcht' ich schätzen)
uns dann nicht mehr auf ihn setzen.

Nein, sie sind gut vorgedacht,
alle richtig angebracht.
Einige sind sogar doppelt
mit dem Körper gut verkoppelt,
weil auf diese Weise man
auch mal eins entbehren kann.

Einzig und aus gutem Grund
ist des Menschen großer Mund.
Der ist nämlich sicher doch
unser meistgebrauchtes Loch.
Was mit diesem wir so machen
Ist viel mehr als nur zu lachen:

Atem holen, trinken, essen,
motzen, Schlürfen, schmatzen, fressen,
gurgeln, hauchen, rauchen, husten,
Küssen, rülpsen und auch pusten
oder aber mit Geräten
flöten, blasen oder tröten.

Seufzen, schnalzen, stöhnen, brummen
hin und wieder leise summen...
Ich vergaß: Vor allen Dingen
kann man mit dem Loche singen.
Und ganz wichtig wohl für jeden
mit dem Loch selbst geht's zu reden.
Und dabei kommt (Ei der Daus)
Sonderbares oft heraus.

Hoch ist die Natur zu preisen !
Sie hat Löcher aufzuweisen
weil sie, als die Löcher machte,
sich dabei auch etwas dachte.
Ja, jedes Loch hat seinen Grund,
vom Urknall an bis jetzt zur Stund'.

© Horst Fleitmann, 2021

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